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Donnerstag, 08.12.2016
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Das große Krabbeln an der Elbe

Termitenland Hamburg

Hamburg liegt rund 80 Kilometer von der Elbmündung entfernt

Hamburg ist bekannt für seinen Hafen und den Fischmarkt, den Michel oder den Fußball-Club HSV. Doch die Touristenmetropole hat auch mit massiven Problemen zu kämpfen. Eines davon lauert im Verborgenen: Termiten.

Wie die Gelbfußtermite Reticulitermes flavipes, die eigentlich im Osten der USA lebt, vor 70 bis 80 Jahren nach Hamburg eingewandert ist, weiß man nicht genau. Vermutlich gelangten die ersten der tierischen Einwanderer per Schiff über importiertes Holz in die Stadt. Im unterirdischen Fernheizungssystem überstanden die Wärme liebenden Tiere anschließend erfolgreich die für sie ungemütlichen Wintermonate.

Von da aus breiteten sich die Termiten über Teile des Stadtgebiets aus. Die gerade mal einen Zentimeter langen Tiere bauen keine richtigen Nester, sondern leben in zerstreuten Kolonien in der Erde. Von dort aus steuern sie verschiedene Futterquellen in der Umgebung an. Am liebsten ernähren sich die durchsichtigen Gelbfußtermiten von Holz, Papier und Pappe und befallen deshalb auch die Holzteile von Häusern wie beispielsweise dem Ziviljustizgebäude von Hamburg. Zwar sind nicht wie im texanischen Corpus Christi fast die Hälfte aller Holzbauten in Hamburg mit den Termiten infiziert, die Schäden durch die kleinen Krabbler sind jedoch auch hier nicht unerheblich. An einigen Stellen ist ihnen sogar der Sprung in die „freie Wildbahn“ gelungen und sie haben lebende Bäume befallen.


Dass die Termiten in Hamburg bis heute nicht ausgerottet sind, hat aus Sicht von Wissenschaftlern viele Gründe. Schuld daran ist unter anderem die Immunität der Termiten gegen viele Insektizide. Auch die zumeist lichtscheue Lebensweise der Tiere und die zahlreichen fortpflanzungsfähigen Nachkommen machen es Forschern, Ingenieuren und Bauarbeitern schwer, allen Kolonien auf die Spur zu kommen und diese dann effektiv zu bekämpfen.

Mit Ködern gegen Termiten


Bis in die 1980er Jahre versuchte man den Termiten mit massiven Injektionen von Insektenbekämpfungsmitteln ins Mauerwerk und Holz das Handwerk zu legen. Gleichzeitig wurde auch der Boden rund um die Gebäude großzügig mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln behandelt – ohne durchschlagenden Erfolg.

Heute setzen die Wissenschaftler auf eine andere, umweltschonendere Strategie. In befallenen Gebieten legen sie Köder aus Wellpappe und Kiefernholz aus, die mit einer nicht tödlichen Dosis eines Insektenvertilgungsmittels bestückt sind. Arbeitertermiten schleppen die Nahrungsköder in den Bau, wo sie dann verfüttert werden. Mit der Zeit nehmen die Insekten dabei soviel von dem Gift auf, dass sie schließlich daran sterben.

Seit mehr als fünf Jahren experimentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung mit dieser Methode in einem zehn Hektar großen Testgebiet in Hamburg. Die ersten Ergebnisse sind durchaus vielversprechend. Mithilfe der Ködertechnik und ergänzenden Maßnahmen wie die Beseitigung von Kolonien an Totholz oder an den Wurzeln von Bäumen wurden dort 95 Prozent der Schädlinge beseitigt, so die Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE) in den DGaaE Nachrichten 2004.

Hamburg und Termiten – eine unendliche Geschichte?


Doch die Experten geben noch längst keine Entwarnung. Denn das verwendete Ködermaterial ist oft nicht attraktiv genug für die Termiten und wird deshalb verschmäht. Zudem müssen die von den Termiten „gesäuberten“ Flächen regelmäßig kontrolliert werden, um ein erneutes Aufflackern der Schädlingspopulation im Keim zu ersticken.

Formosa-Termite

Formosa-Termite

Hamburg ist aber kein Einzelfall. In vielen Hafenstädten Europas haben sich inzwischen eingewanderte Termiten zu einer Plage entwickelt, die den Menschen das Leben schwer macht. Und auch in New Orleans und an anderen Orten der US-amerikanischen Golfküste kämpfen die Bürger nicht nur mit den Spätfolgen des Hurrikans Katrina und den einheimischen Termiten sondern auch mit der Formosa-Termite Coptotermes formosanus.

Die eigentlich aus Asien stammende Art frisst totes Holz, tut sich aber auch an lebenden Bäumen gütlich. Schon jetzt sind in einigen Regionen beispielsweise die Eichenbestände massiv von den Invasoren befallen. Forscher schätzen die Schäden, die durch die Coptotermes formosanus entstehen auf jährlich rund eine Milliarde Dollar. Tendenz stark steigend – zumindest wenn es den Tieren gelingt ihren Siegeszug fortzusetzen und mit der Zeit immer weiter nach Norden vorzudringen.

Stand: 17.03.2006
 
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