Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 20.03.2010
Methanol als Schlüssel-Molekül?
Linienspektrum als Hilfsmittel der Astrophysiker

Methanol ist schon seit langem im Weltraum bekannt – Karl Menten hat darüber 1987 promoviert. Es würde sich im Prinzip hervorragend als Tracer eignen, weil es in einem weiten Bereich von Temperaturen und Drücken in den verschiedensten Arten von Molekülwolken existiert. Jedoch ließ es sich bisher nicht verwenden, weil die Berechnung der Raten, mit denen seine Energiezustände durch Stöße angeregt werden, auf unüberwindliche Schwierigkeiten stieß. Dies ist seit kurzer Zeit anders.

Fortschritte in der Quantenchemie und Computertechnologie haben es Forschern der englischen Universität Durham ermöglicht, die so genannten Stoßanregungsraten für unterschiedliche Temperaturen zu berechnen, während die Kölner Gruppe die zugehörigen Frequenzen der Linien im Labor ermittelt hat. Mentens Mitarbeiterin Silvia Leurini hat im Rahmen ihrer Dissertation mit diesen neuen Daten ein physikalisches Modell entwickelt, das die Bedingungen in Molekülwolken simuliert und die zu erwartenden Linienstärken für einen großen Parameterbereich vorhersagt.

Das Ergebnis war sehr ermutigend: Demnach reagieren die Methanol-Linien im Millimeterbereich besonders empfindlich auf den Druck, während andere Linien im Submillimeterbereich die Temperatur anzeigen. Beide Liniensysteme stammen von denselben Molekülen im selben Gebiet, und mit IRAM und APEX haben die Astronomen die besten Teleskope, um die Methanolspektren in diesen beiden atmosphärischen Fenstern aufzuzeichnen.

„So viel Spaß es auch macht, ein neues Molekül als Erster zu entdecken: Molekülastronomie ist kein Briefmarkensammeln, sondern sehr interessante und auch nützliche Astrophysik“, sagt Menten.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
All-Chemie mit dem Radioteleskop
Astrophysiker auf der Suche nach nach extraterrestrischen Molekülen
Molekülfamilie mit Zuwachs
Neue Teleskope wemöglichen neue Entdeckungen
Neue Himmelsaugen: APEX
Aufwändige Beobachtungen und Berechnungen notwendig
Kosmische Fingerabdrücke
Spurensuche im Linien-Dschungel der Frequenzen
Die „große Molekülheimat“
Komplexe Moleküle in dichten Wolken
Chemie auf staubigem Grund
Spurensuche in interstellaren Staubwolken
Methanol als Schlüssel-Molekül?
Linienspektrum als Hilfsmittel der Astrophysiker
Top-Diaschauen
Hypatia von Alexandria
2012 und die Maya
Erdbeben
Schatzkammer Ozean
Verlierer Mensch?
Aktuelle Dossiers
Hypatia: Tod für die Wissenschaft
Die berühmteste Gelehrte des antiken Alexandria wird wiederentdeckt
Die Wetter-Zurücksage
Wie die Vergangenheit hilft, die zukünftige Reaktion des Klimasystems vorherzusagen
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
Strom aus der Salzkraft
Osmose-Kraftwerke: von der Vision zur Wirklichkeit
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Honigbienen: Superhirn im Überlebenskampf
Wie Parasiten, Krankheit und Gift die Fähigkeiten der sozialen Insekten beeinträchtigen
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen