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77,5 Kilometer neue und verbesserte Deichanlagen, 22,5 Kilometer Schutzwände, sechs Sperrwerke: Die Stadt Hamburg hat ihre Lektion aus der Sturmflut von 1962 gelernt. In den Jahren und Jahrzehnten nach der Katastrophe wurden 500 Millionen Euro ausgegeben, um die Vorkehrungen gegen Sturmfluten auf den neuesten technischen Stand zu bringen.
Aber wird das auch angesichts Klimawandel und steigender Meeresspiegel ausreichen? Schon jetzt steigen die Sturmflutpegel der Hansestadt im Durchschnitt um 50 Zentimeter höher als noch in den 1960er Jahren und die Wassermassen brauchen eine Stunde weniger um sich elbaufwärts von Cuxhaven nach Hamburg zu schieben.
 | | Sturmwarnungssirene © (Innenbehörde Hamburg | Noch allerdings sind die Experten nur wenig besorgt: „Das haben die Küstenschutzingenieure im Griff. Was den Küstenschutz angeht, sehe ich da kein Problem“, erklärt Sylvin Müller-Navarra, Leiter des Sturmwarndienstes des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Hauptursache des bisher beobachteten regionalen Anstiegs der Sturmfluthöhen sind nach Angaben der Experten vom BSH und GKSS noch nicht der Klimawandel, sondern eher Faktoren wie Vertiefungen von Fahrrinnen und Landsenkungen. Sie lassen die Fluten insbesondere in der inneren Deutschen Bucht höher auflaufen.
70 Zentimeter mehr in St.Pauli
Für die Zukunft allerdings sehen die Experten weniger rosig: Im November 2005 sorgte eine neue Studie des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht für Aufsehen. Die Küstenforscher hatten mit mathematischen Modellen die zukünftige Entwicklung von Stürmen und Sturmfluten berechnet. Ihr Ergebnis: Durch den Menschen verursachte Klimaveränderungen werden noch in diesem Jahrhundert zu höheren Sturmflutwasserständen führen.
| |  | Änderung der Wasserstände © GKSS Forschungszentrum  | Zwischen 2070 und 2100 ergaben die Simulationen eine Erhöhung der maximalen Sturmwasserstände in der Größenordnung von 20 bis 40 Zentimetern entlang der gesamten Deutschen Nordseeküste. Zusätzlich zu diesem sturmbedingten Anstieg der Wasserstände führt der globale Temperaturanstieg aufgrund der thermischen Ausdehnung der Wassermassen sowie des möglichen Abschmelzens der grönländischen und antarktischen Eiskappen an der Nordseeküste in Zukunft vermutlich zu einer Erhöhung des mittleren Meeresspiegels um 30 bis 40 Zentimeter.
„Für den Hamburger Pegel von St. Pauli errechneten wir so einen Anstieg der Sturmwasserstände für 2030 von etwa 20 Zentimetern und für das Jahr 2085 von bis zu 70 Zentimetern“, erklärt die Diplom-Geografin Katja Woth vom GKSS Forschungszentrum.
Derzeitige Herbststürme lassen sich jedoch noch nicht auf Klima bedingte Veränderungen zurückführen. Die Auswertung des historischen Sturmklimas durch die GKSS-Wissenschaftler zeigt, dass einem Anstieg der Sturmintensität zwischen etwa 1960 und der Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Abwärtstrend voran ging und auch jetzt wieder zu beobachten ist. Wenn dennoch Sturmfluthöhen regional markante Veränderungen zeigen, so liegt dies an einer Reihe von Faktoren wie Küstenschutzmaßnahmen, Vertiefungen von Fahrrinnen und Landsenkung, die die Fluten insbesondere in der inneren Deutschen Bucht höher auflaufen lassen.
Schutz reicht bis 2030
„Der Blick in die stürmische Vergangenheit lehrt uns zwei Dinge: Starke Stürme gab es schon immer und seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts haben uns die Küsteningenieure wirksam vor den Sturmfluten geschützt. In der ferneren Zukunft zum Ende dieses Jahrhunderts wird der Einfluss des Menschen auf das Klima wahrscheinlich auch auf die Sturmfluten Norddeutschlands durchschlagen. Bis 2030 aber wird der derzeitige und jetzt geplante Küstenschutz ausreichend sein; danach muss die Situation von den Küsteningenieuren neu bewertet werden; langfristig kann sich dabei die Notwendigkeit auch neuer Schutzstrategien ergeben?“, fasst Professor Hans von Storch vom Institut für Küstenforschung der GKSS die Studienergebnisse zusammen.
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