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Freitag, 10.02.2012
Vorhersage einer Sturmflut
Wetter- und Wasser-Experten im Einsatz

Im Gegensatz zu vielen anderen Katastrophen kommen Sturmfluten nicht „aus heiterem Himmel“. Sie sind sogar in den meisten Fällen sehr gut vorherzusagen. Dass es in der Nacht zum 17. Februar 1962 trotzdem zur Katastrophe kam, lag auch nicht an einer schlechten Vorhersage. Ganz im Gegenteil: Die Wissenschaftler des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und der Sturmflutwarndienst am Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sind auch heute noch von der Arbeit der alten Kollegen angetan.

Und dennoch kam es zur Katastrophe. Könnte sich so etwas heute wiederholen? Trotz aller technischen und wissenschaftlichen Fortschritte in der Meteorologie? Was hat sich seit den großen Sturmfluten von 1962 und 1976 verbessert – wie werden wir gewarnt?

Sturmfluten sind besondere Fluten. Wenn ein Sturm aus nordwestlichen Richtungen auf der Nordsee weht, werden die Wassermassen förmlich Richtung Küste getrieben, die Gezeitenwellen nehmen das Wasser Huckepack mit und rasen auf die Küste zu. Kommen noch einige andere Faktoren, wie zum Beispiel eine Fernwelle aus dem Atlantik hinzu, ist die Sturmflut schon fast perfekt. Wichtigster Faktor bleibt aber immer der Wind.

Dr. Sylvin Müller-Navarra in seinem Element – Sturmflutwarndienst 
Dr. Sylvin Müller-Navarra in seinem Element – Sturmflutwarndienst
© Jens Oppermann  Dr. Sylvin Müller-Navarra in seinem Element – Sturmflutwarndienst
Und so beginnt die Sturmflutvorhersage auch genau bei den Wissenschaftlern, die sich bestens mit Wind und Stürmen auskennen – beim DWD. Der nationale Wetterdienst arbeitet eng mit dem BSH zusammen. Nur eine Stahltür trennt die beiden Gebäude. Eine Stahltür durch die auch die Wissenschaftler in den Sturmfluttagen von 1962 ständig hindurcheilten, um wichtige Daten und Informationen auszutauschen.

Vier Mal am Tag nimmt der Dienst habende Wissenschaftler des BSH mit den Seemeteorologen des DWD persönlich Kontakt auf. Im Gepäck hat er dann hoch aufgelöste Windvorhersagen für die Zeiten von Hoch- und Niedrigwasser, die in die Berechnungen der Wasserstände zusammen mit aktuellen Pegelständen einbezogen werden. Parallel dazu werden die Computermodelle des BSH ständig mit Wetterdaten aus der DWD-Zentrale in Offenbach „gefüttert“.

Würde diese Leitung gekappt, wären die Hamburger Wissenschaftler auf sich allein gestellt Sie müssten sich dann auf ihre Erfahrung und die unvollständigen Daten verlassen, die aus anderen Quellen stammen: So wie im Jahr 1962.

Bei einer Pressekonferenz im Seewetteramt in Hamburg am 15.02.2006 werden die Vertreter von DWD und BSH dementsprechend auch nicht müde, den Faktor Mensch bei der Sturmflutvorhersage hervorzuheben. Sturmflutexperte Dr. Sylvin Müller-Navarra kann auf 16 Jahre Wasserstand- und Sturmflutvorhersagen zurückblicken. Er weiß, wie gut die mathematischen Modelle sind und er weiß auch, wo die Schwächen liegen. Denn diese gibt es trotz enormer Entwicklungen der Modelle immer noch: „Eine vollkommen automatisierte Sturmflutwarnung kann und darf es nicht geben“, so der Experte.

Denn besonders knifflig wird es, wenn so genannte „Schnellläufer“, schnell ziehende Stürme, auf der Nordsee toben. Dann kommt es fast auf minutengenaue Vorhersagen der Windrichtung und Windstärke der Meteorologen an. Trifft die Gezeitenwelle mit dem schiebenden Wind zusammen oder nicht? Liegen die Meteorologen mit ihren Prognosen daneben, können die Sturmfluthöhen nicht mehr genau berechnet werden. Es muss nachgebessert werden. Und dann ist es gut, dass die erfahrenen Seewettermeteorologen so eng mit den Wissenschaftlern des BSH zusammenarbeiten.

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