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Freitag, 10.02.2012
Was machte diese Flut so verheerend?
Der historisch-meteorologische Hintergrund

Es beginnt weitab von Hamburg und der Deutschen Bucht, weit draußen auf dem Atlantik: Am 14. Februar 1962 strömt kalte Luft aus Grönland auf ein Tief nahe Island zu und spaltet von diesem ein kleines Teiltief ab. Noch scheinbar harmlos ist damit das so folgenreiche Sturmtief geboren.

Sturmtief auf der Wetterkarte vom 16.Februar 1962 
Sturmtief auf der Wetterkarte vom 16.Februar 1962
© DWD  Sturmtief auf der Wetterkarte vom 16.Februar 1962
Es rast als „Schnellläufer“ südostwärts und verstärkt sich dabei immer mehr. Mit ihm bewegt sich ein breites Niederschlagsband aus gewittrigen Regenschauern, Schneeregen und Graupeln Richtung Festland. Bereits gegen Mittag des 15. Februar lässt das Seewetteramt des Deutschen Wetterdienstes (DWD) entlang der deutschen Nordseeküste Sturmsignale setzen. Beim für den Sturmflutwarndienst zuständigen Deutschen Hydrographischen Institut laufen nahezu kontinuierlich die Sturm- und Orkanwarnungen der Meteorologen ein.

Am Morgen des 16. Februar erreicht das Tief „Vincinette – die Siegreiche“ mit einem Kerndruck von nur 950 Hektopascal Südskandinavien. Die in seinem Gefolge einströmende Nordmeer-Kaltluft steigert den Nordwest-Sturm über der Nordsee allmählich zum Orkan.

Gegen 13.00 Uhr meldet das Fischereischutzboot „Meerkatze“, das sich mitten in der Nordsee aufhält, bereits Windstärke 11. Nur sechs Stunden später, um 19.00 Uhr, kämpft die Schiffsbesatzung schon mit einem ausgewachsenen Orkan der Windstärke 12. Das norwegische Wetterschiff „Eger“ gerät in Seenot.

Ist die Orkanstärke allein schon bedrohlich, sollte sich noch ein anderer Faktor als fatal erweisen: Obwohl das eigentlich Sturmtief weiter nördlich an der Deutschen Bucht vorbeizieht, halten die massiven Nordwestwinde des Orkans über Stunden bis in die Nacht des 16. Februar an. Der Sturm schiebt das Wasser der Nordsee in die Deutschen Bucht, die Wassermassen türmen sich immer höher. Die Folge: Die Nachmittags-Ebbe findet nur rudimentär statt, das Wasser kann nicht seewärts ablaufen. Auch das Wasser der Elbe ist blockiert und staut sich immer stärker auf. Die eiskalten Nordwestwinde drücken in die wie einen Trichter wirkende Elbemündung.

In der Nacht vom 16. zum 17. Februar treten zwar auch hinter der deutschen Küstenlinie und in Hamburg mehrmals Orkanböen auf, doch die eigentlich Gefahr lauert im Wasser: Da das Ebbewasser nicht abgelaufen ist, befürchten die Experten, dass das nächste Hochwasser entsprechend höher ansteigen wird. Und genau so kommt es: Gegen 23.00 Uhr erreicht die nächste Flut ihren Höhepunkt. Das auf die Küste einströmende Wasser türmt sich noch auf die ohnehin schon angeschwollenen Wassermassen – zu hoch für die überlasteten Deiche…

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