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Freitag, 10.02.2012
Wenn Menschen Gott spielen...
Mammuts vom Fließband?

Visionäre haben es nicht leicht. Dies gilt ganz besonders für den japanischen Unternehmer Kazuteshi Kobayashi und seinen Kompagnon, den Wissenschaftler Kazufumi Goto. Sie wollen, wie einige andere Forschungsteams auch, dafür sorgen, dass in Zukunft wieder Mammutherden über unseren Planeten trampeln. Allerdings ist nicht nur der Forschergeist die Treibkraft für dieses Vorhaben, sondern auch der Kommerz.

Wenn tatsächlich irgendwann einmal wieder Mammuts unter dem Schnee und Eis der Kältesteppen Sibiriens nach vegetarischer Kost suchen, könnte die Region zu einer Pilgerstätte für sensationslustige und vor allem zahlungskräftige Touristen werden. Jurassic Park, das Filmspektakel von Stephen Spielberg, lässt grüßen.

DNA-Strang 
DNA-Strang
© MMCD
Um ihre Idee in die Realität umsetzen zu können, wollen Wissenschaftler und Abenteurer wie Kobayashi und Goto ein Mammut klonen. Eigens dafür haben sie 1997 eine Gesellschaft zur Wiederbelebung des Mammuts (Mammoth Creation Society) gegründet. Bei den Erfolgen der modernen Gentechnik in den letzten Jahren kein Problem, so könnte man meinen. Es muss doch „nur“ eine intakte Körperzelle aus einem Mammutkadaver mit einer entkernten Eizelle verschmolzen werden und die der „Leihmutter“ – beispielsweise ein Elefantenweibchen – trägt dann den Embryo aus.

Doch die Realität sieht anders aus. Schon bei der Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Klonen, der Existenz von intakten Mammut-Zellen und intakter Mammut-DNA fangen die Schwierigkeiten an.

Probleme über Probleme
Zwar hat man in den letzten Jahrzehnten weltweit einige gut erhaltene Kadaver geborgen, das Erbgut in den Knochen-, Haut- oder Haarzellen und die Zellen selbst sind aber nach der Jahrtausende langen Lagerung in der Regel zerstört. Die DNA hat längst ihre langkettige Struktur verloren und ist in Bruchstücke zerfallen, die erst in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammengesetzt werden müssen.

Die von den Genetikern gefundene DNA in den Mammutzellen ist zudem nicht mehr „jungfräulich“, sondern mit der anderer Lebewesen wie Pilzen oder Viren durchsetzt. Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern um Professor Daniel Huson von der Universität Tübingen, Hendrik N. Poinar von der kanadischen McMaster Universität, Stephan Schuster von der PennState Universität gelang es im Jahr 2005 rund 28 Millionen Basenpaare aus dem Zellkern von Knochenzellen eines 27.000 Jahre alten Mammuts zu sequenzieren, doch nur 13 Millionen davon gehörten zum Mammut-Erbgut, wie Vergleiche mit online verfügbaren DNA-Sequenzen anderer Lebewesen ergaben.

 Mammutbein aus dem Dauerfrostboden
Mammutbein aus dem Dauerfrostboden
© Andreas Heitkamp
Selbst wenn irgendwann einmal funktionstüchtige Zellen mit intakter Mammut-DNA zur Verfügung stehen sollten – nach Angaben der Deutschen Welle hat man 2003 möglicherweise „klonfähige Mammutzellen aus Beinteilen“ in der Republik Jakutien entdeckt -, sind noch längst nicht alle Probleme gelöst. Ob beispielsweise die als „Klonammen“ ausersehenen Asiatischen Elefanten zum „Ausbrüten“ der geklonten Embryonen in der Lage wären, ist nicht sicher.

Fall sich tatsächlich eine passende Leihmutter findet, bleibt immer noch die Frage offen: Wie viele Klon-Versuche notwendig sind, bis tatsächlich ein Mammut geboren wird? Zum Vergleich: Ian Wilmut, der Dolly-„Vater“ vom schottischen Roslin Institut benötigte 273 Anläufe, bis endlich ein lebensfähiges Klonschaf auf die Welt kam. Die anderen Embryonen starben nach den ersten Zellteilungen sofort wieder ab. Das Klonschaf Dolly erwies sich zudem letztlich als nicht wirklich lebensfähig. Sie litt beispielsweise frühzeitig unter Arthritis und alterte auch sonst viel schneller als „normale“ Schafe. Das Klonschaf musste schließlich bereits im Alter von nur sechs Jahren eingeschläfert werden.

Keine Chance für das Klonen?
Wilmut macht in seinem Buch „Dolly – der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter“ den Mammut-Klonern aber Hoffnung. Er hält ein solches Vorhaben immerhin für prinzipiell möglich. Michael Hofreiter vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie sieht dies wie die meisten anderen Forscher allerdings ein bisschen anders: „Diese Tiere direkt zu klonen, wird niemals möglich sein, da dazu nicht nur das gesamte Genom vorhanden sein müsste, sondern intakte Zellen. Die DNA und alle anderen Biomoleküle dieser Arten liegen aber stark fragmentiert vor, deshalb wird direktes Klonen immer zum Scheitern verurteilt sein. Was man theoretisch machen könnte, ist, mit Hilfe nahe verwandter Arten wie beispielsweise dem asiatischen Elefanten transgene Tiere zu erzeugen, die die Eigenschaften der ausgestorbenen Arten tragen. Allerdings ist dies sehr aufwendig und für keine der infrage kommenden Arten existieren die molekularen Techniken dafür.“

Und weiter: „Dazu kommt, dass man immer nur ein Gen pro Generation einbauen kann. Das bedeutet: man würde sehr viele Generationen benötigen. Bedenkt man noch die Generationszeit von Elefanten und Nashörnern und die Schwierigkeiten diese Arten überhaupt in Gefangenschaft zu züchten, merkt man sehr schnell, dass solche Überlegungen ins Reich des Absurden gehören.“

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