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Freitag, 10.02.2012
Ein Virus als Mammut-Killer?
Die Hyperdisease- Theorie

Klimawandel? Jagd? Umweltveränderungen? All diese Erklärungen für das Aussterben der Mammuts sind für den amerikanischen Paläontologen Ross MacPhee vom Amerikanischen Naturhistorischen Museum in New York und seinen Kollegen Preston Marx nicht plausibel, genug. Sie haben eine aus ihrer Sicht viel einleuchtendere Erklärung parat – einen Killervirus.

Ebola-Virus 
Ebola-Virus
© CDC
Stutzig gemacht hatten MacPhee und seinen Mitstreiter, die zahlreichen explosiven Ausbrüche des Ebola-Virus beim Menschen in den letzten Jahren in Zentralafrika. Der Erreger schien wie aus dem Nichts zu kommen und raffte dann immer wieder in kurzer Zeit bis zu 60 oder 70 Prozent der Infizierten dahin. Wenige Wochen oder Monate nach dem Aufflammen der Seuche, verschwand das Virus dann genau so schnell wieder wie es gekommen war.

Was nun, so MacPhee, wenn ein oder mehrere genauso tödliche Viren während der letzten Eiszeiten existierten und in die Tierherden gelangten? Konnten solche Erreger womöglich sogar für den Zusammenbruch ganzer Populationen verantwortlich sein? MacPhee und Marx halten dies in ihrer so genannten „Hyperdisease“-Theorie nicht nur für möglich, sondern für wahrscheinlich.

Mensch als Überträger?
Eingeschleppt haben könnte das tödliche Virus beispielsweise die sich immer schneller ausbreitende Menschheit, aber auch Ratten und Flöhe. War das Virus erst einmal in der Lage, die Artengrenze zu überspringen, trafen die Erreger auf Lebewesen wie das Mammut, deren Immunsystem auf den Großangriff völlig unvorbereitet war.

Nach Ansicht von MacPhee muss aber nicht unbedingt eine einzige weltumspannende Tierseuche für das Verschwinden der Säuger in den letzten 40.000 Jahren und speziell nach der letzten Eiszeit verantwortlich sein. Möglicherweise waren, so der Forscher, auf jedem Kontinent oder bei jeder ausgestorbenen Tierart unterschiedliche Viren schuld an der Ausrottung der Tiere.

Einige Indizien sprechen für die Hyperdisease-Theorie. So stellt sie eine durchaus logische Verbindung zwischen dem Ableben der Mammuts und dem weltweiten Siegeszug des Menschen her. Die Hypothese liefert aber auch eine Erklärung dafür, weshalb neben dem Mammut auch noch viele andere Tierarten beinahe zeitgleich von unserem Planeten verschwanden.

Beweise fehlen
Eine Theorie zu formulieren ist das Eine, einen Beweis für die Richtigkeit dieser Gedanken und Argumente zu liefern, das Andere. So suchen MacPhee und seine Kollegen seit einigen Jahren vergeblich nach stichhaltigen Indizien, die die Kernaussagen der Hyperdisease-Theorie belegen könnten. Ein Schwerpunkt ihrer Nachforschung ist die Wrangel Insel nahe der Beringstraße. Dort haben nach bisherigen Erkenntnissen die letzten Mammuts noch vor 1.700 Jahren gelebt.

 Lebensraum Steppe
Lebensraum Steppe
© Early Image
„Unser Hauptziel ist herauszufinden, ob die letzten Mammuts an einer Killerseuche starben oder aus einem anderen Grund“, so MacPhee. Hinweise darauf hoffte er in gut erhaltenen Mammutknochen zu finden, die er dort im Eis oder Permafrostboden gefunden hat. Bei Untersuchungen der Mammut-DNA in den Zellkernen und den Mitochondrien konnten MacPhee und sein Team in den Knochenproben tatsächlich auch „fremdes“ Erbgut – unter anderem von Viren - aufspüren. DNA von potenziell pathogenen Organismen war bisher aber nicht darunter.

Nichts genaues weiß man nicht?
Warum sind Mammut & Co ausgestorben? Eine endgültige Antwort auf diese Frage haben Wissenschaftler bisher noch nicht gefunden. Keine der bisher vorgelegten Hypothesen liefert bisher eine Erklärung für alle beobachteten Phänomene nach der letzten Eiszeit.

Bis alle Rätsel um den Exitus der Eiszeitgiganten gelöst sind, wird es deshalb wohl noch eine Weile dauern. Doch möglicherweise könnten schon bevor es so weit ist, wieder lebende Mammuts über die Erde stampfen – zumindest wenn es nach dem Willen einiger Forscher geht…

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