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Freitag, 10.02.2012
Unbekannte Nachbarschaft
Über das Niemandsland am Meeresboden

Küstenlinie 
Küstenlinie
© Aztech
Ob Nordsee, Atlantik, Mittelmeer, Arktisches Meer oder Schwarzes Meer – rund ein Drittel Europas verbirgt sich unter Wasser. Zwar sind die flachen Küstenzonen vergleichsweise gut erforscht, doch die tieferen Kontinentalabhänge sind immer noch weitgehend weiße Flecken auf den Landkarten der Wissenschaftler. Dabei leben heute mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung in einem nur 100 Kilometer schmalen Küstenstreifen entlang der Weltmeere und somit in direkter Nachbarschaft der Kontinentränder. Doch trotz ihrer hohen Bedeutung als Fischgründe oder Rohstofflagerstätte sind nur schätzungsweise zehn Prozent des Meeresgrundes überhaupt vermessen – von einer umfassenden Erforschung gar nicht erst zu reden.

Von Schwefelfressern und Kinderstuben
Kein Wunder, dass Wissenschaftler bei ihren Expeditionen auf immer neue überraschende Phänomene stoßen. So gelang ihnen vor einigen Jahren sogar eine geradezu sensationelle Entdeckung: Vor der Küste Norwegens erstrecken sich in den kalten Gewässern ausgedehnte Korallenbänke. Bis zu diesem Zeitpunkt galt ein Überleben von Korallen abseits tropisch-warmer Gewässer als völlig unmöglich. Erstaunlich auch die Großen Röhrenwürmer, die am liebsten im siedenden Wasser wohnen oder Mikroben, die ohne Sauerstoff überleben und Schwefelwasserstoff zur Leibspeise haben.

Neben der ungeahnten Vielfalt an Lebensräumen bergen die Kontinentalränder aber auch einen wahren Schatz an Mineralien: Gold, Kupfer, Zink oder Eisenminerale lagern vermutlich im Boden der Ozeane und wertvolle Energie-Rohstoffe wie Öl, Gas oder Methanhydrat sind zudem in den Sedimentgesteinen der tieferen Kontinentalränder gespeichert. Kein Wunder, dass die Erforschung der Ozeane auch zunehmend auf das Interesse der Wirtschaft stößt. Immerhin befinden sich fast alle Kontinentalränder innerhalb der Europäischen Wirtschaftszone und könnten von den jeweiligen Ländern erschlossen werden.

HERMES taucht ab
 Tauchroboter
Tauchroboter
© NOAA
In den nächsten vier Jahren erkunden daher Wissenschaftler aus 15 Ländern und 45 Forschungseinrichtungen die Kontinentalränder. Mithilfe modernster Technik tauchen sie vor der ukrainischen Halbinsel Krim, am „Stiefel“ Italiens, vor der Küste Irlands und Norwegens sowie rund um die Iberische Halbinsel in die Tiefe, nehmen Bodenproben, messen Wasserqualität oder kartieren den Meeresboden.

Von deutscher Seite sind neben dem Alfred-Wegener-Institut, dem IFM Geomar oder der Max-Planck-Gesellschaft auch die Universitäten Bremen und Erlangen-Nürnberg beteiligt. Im Fokus der Wissenschaftler stehen dabei fünf große Themenkomplexe: Lebensraum Kontinentalränder, Korallenriffe, kalte Quellen, sauerstoffarme Systeme und untermeerische Canyons.

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