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Freitag, 10.02.2012
Natur pur?
Touristenboom im Schutzgebiet

Rund 50.000 Massai mit rund 300.000 Ziegen, Eseln und Rindern als Nutzvieh gibt es heute in der Ngorongoro Conservation Area (NCA), dies hat die letzte Bestandsaufnahme der Behörden ergeben. Manche von ihnen haben sich mittlerweile in kleinen Orten niedergelassen, ein Teil jedoch führt noch immer das traditionelle Leben der Nichtsesshaften.

Nicht nur das Kraterumland dient den Massai als Weidegrund für ihre Tiere, auch den Krater selbst dürfen sie nutzen. Auf einem speziellen Pfad parallel zur Autopiste führen sie morgens ihr Vieh die steilen Kraterhänge hinab und spätestens gegen 18.00 Uhr wieder hinauf. Denn sobald die Dunkelheit über Tansania hereinbricht, gilt im Krater ein streng überwachtes Aufenthaltsverbot für Menschen. Einerseits um den Tieren in den Savannen, Wäldern, Mooren und Wäldern die notwendigen Verschnaufpausen vom Tourismus zu verschaffen, anderseits macht diese Regelung die Unterscheidung zwischen „Gut“ und Böse“ einfacher.

Denn jeder, der sich trotz des Verbots nachts im Krater blicken lässt, ist entweder ein Parkwächter beziehungsweise Wissenschaftler oder aber ein potenzieller Wilderer. Der Bann für Massai und Touristen wurde Mitte der 1970er Jahre eingeführt, da sich unter dem Deckmantel der harmlosen Viehhüter immer wieder Wilddiebe in den Krater einschlichen und seltene oder wertvolle Tiere töteten.

Sprudelnde Einnahmequelle Tourismus
 Wildhüter bei der Arbeit
Wildhüter bei der Arbeit
© ZGF
Die Massai leben nicht nur direkt vom Land, auf dem sie wohnen, sondern sie profitieren auch von der sprudelnden Einnahmequelle Tourismus. So verdingen sich die Einheimischen beispielsweise als Ranger oder Führer für die Safari-Expeditionen. Einige Dörfer wie Seneto Maasai Manyata, nur rund sechs Kilometer von einer Touristen-Lodge entfernt, haben sich mittlerweile zu einem Ausflugsziel für Urlauber entwickelt, denn sie bieten das an, was viele Fremde suchen: Angeblich traditionelle Umzüge, Tänze und Gesänge.

Nicht nur die Massai sichern sich ein Zubrot zum Lebensunterhalt, auch sonst ist ein Urlaub in der Ngorongoro Conservation Area nicht ganz billig. Allein 30 US-Dollar Parkeintritt fallen pro Tag und Tourist an. Hinzu kommen eine Autogebühr zwischen 30 und 120 US-Dollar täglich und für den Eintritt in den eigentlichen Krater müssen weitere 15 US-Dollar pro Fahrzeug berappt werden. Stand 2004 – Tendenz steigend. Auch die Kosten für die Übernachtung auf den Campingplätzen sind mit 20 bis 40 US-Dollar nicht ohne – von den Preisen in den vier Luxusherbergen direkt am Kraterrand ganz zu schweigen.

Dies hält jedoch rund 250.000 Urlauber jährlich, vor allem aus Europa und den USA, nicht davon ab, in die NCA und zum Ngorongoro-Krater zu reisen und dort auf Foto-Safari zu gehen. Um exotischen Wildtieren wie Antilopen, Geparden oder Straußen Auge in Auge gegenüber zu stehen, nehmen die Urlauber auch Staub und holprige Straßen gerne in Kauf.

Konvois und Menschenaufläufe
Eine Tour in den Ngorongoro-Krater liefert viele neue Eindrücke, ist jedoch auch strapaziös und vielen Restriktionen unterworfen. So geht es aus den Quartieren am Kraterrand meist früh vor dem Lichten des üblichen Morgennebels los. Jeepkonvois von zehn oder mehr Fahrzeugen bahnen sich dann häufig im Gänsemarsch hintereinander den Weg über halsbrecherische Serpentinen nach unten.

Rastplatz mit Jeeps 
Rastplatz mit Jeeps
© Uli Sauer
Aussteigen aus den Jeeps dürfen die Touristen am Kraterboden nur an ausgewiesenen Picknickplätzen, um etwas zu essen und sich die Beine zu vertreten. Nicht selten machen ihnen dabei hungrige Vögel mit akrobatischen Flugeinlagen den Proviant streitig und es bleibt um Ruhe zu haben nur der Rückzug ins sichere Auto.

Und auch Tierbeobachtungen und Foto-Shootings gibt es oft nur in der Gemeinschaft. Immer dort, wo sich die Jeeps stauen, gibt es etwas Besonderes zu sehen - Löwen zum Beispiel. Die Fahrer kennen die bevorzugten Plätze der Raubtierrudel, aber auch von Nashörnern, Elefanten oder Flusspferden genau und fahren sie dementsprechend gezielt an.

Teilweise werden sie per Funkgerät von den Rangern aber auch an die günstigsten Stellen gelotst, um den Touristen die versprochene Tiervielfalt im Krater zu präsentieren. So können schon einmal zwei oder drei Löwen, die allerdings ungeniert zwischen den Autos hin– und herlaufen oder sich in deren Schatten eine Siesta gönnen, zum Spektakel für ganze Touristenscharen werden. Natur pur?

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