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Montag, 21.05.2012
Humboldt ist überall zu Hause
Damals Visionär – Heute veraltet?

Der Meeresstrom vor Südamerika, der größte Gletscher Grönlands, Städte, Berge und Nationalparks, ein Pinguin und sogar ein Krater auf dem Mond tragen den Namen des Universalgelehrten Alexander von Humboldt bis in unsere Zeit hinein. Die Person, sein Werk und seine Errungenschaften bleiben dagegen oft im Dunklen. Ist sein Name nur noch eine leere Hülle, oder haben auch seine Errungenschaften die Zeit überlebt?

Einige von Humboldts Forschungsergebnissen haben 200 Jahre überdauert und sind heute noch gültig. Allein in der Botanik bestimmte er 6.300 bisher unbekannte Pflanzen und die Zoologie verdankt ihm einige neue Arten wie die Klapperschlange Crotalus cumanensis. Als Entdecker tilgte er mehr als einen weißen Fleck auf der Weltkarte: Den Casiqiuare als Verbindung des Amazonas mit dem Orinoko kartiert er mühevoll vom Kanu aus.

Humboldt lebt weiter durch sein Netzwerk
Humboldts Spuren sind vielmehr bei den Errungenschaften seiner Freunde und Kollegen zu finden. Sein wissenschaftlicher Rat, die gemeinsamen Untersuchungen oder seine finanzielle Unterstützung haben nicht nur Forschern wie Werner von Siemens und Justus Liebig auf die Beine geholfen. Gemeinsame Überlegungen legten die Grundsteine für das Koordinatensystem von Carl Friedrich Gauß und das Gesetz über die Volumenveränderung von Gasen von Louis Gay-Lussac gelegt.

Alexander von Humboldt 
Alexander von Humboldt
© Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
So bauen auch viele wissenschaftliche Entwicklungen der Neuzeit auf Humboldts Ideen auf. Die moderne Vulkanismus-Forschung etwa, beruht auf der Theorie des Plutonismus: Humboldt bewies, dass Vulkane eine Verbindung zum Erdinneren haben müssen und damit den Aufbau der Erde entscheidend beeinflussen. Dadurch kippte er den bisher gültigen Neptunismus, mit Vulkanen als brennende Kohleflöze. Bei seinen Beobachtungen über das Wetter stellte er bereits früh Vermutungen über die globale Wind-Zirkulation an und wies damit der späteren Klimatologie den Weg.

In ähnlicher Weise führten erste Untersuchungen von Humboldt in vielen Wissenschaften zur Gründung neuer Disziplinen. Mit der Vegetationsgeographie, der späteren Geophysik, der Geologie und dem Erdmagnetismus erweitert er die eben erst von Carl Ritter begründete moderne Geographie. Seine Arbeitsmethoden in diesen Disziplinen überdauern bis heute in der wissenschaftlichen Welt. Er etablierte beispielsweise die Querschnitt-Darstellungen von Höhenprofilen, und führte die Darstellung von Linien gleicher Temperatur, Isothermen genannt, auf Karten ein.

Humboldts populäre Bücher „Kosmos“, „Ansichten der Natur“ und „Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent“ sind zwar alle sehr umfangreich, aber nur ein geringer Anteil seiner Veröffentlichungen. Die eigentlichen wissenschaftlichen Abhandlungen trug er an der Akademie in Paris oder Berlin als Lesungen vor und veröffentlichte sie als Aufsätze in Fachzeitschriften. Über 450 wissenschaftliche Texte erschienen von ihm zwischen 1788 und 1859.

Der Mensch Humboldt
 Isothermenkarte der Welt
Isothermenkarte der Welt
© Heinrich Berghaus / Eichborn Verlag  Isothermenkarte der Welt
Ebenso wie Humboldt im „Kosmos“ alle Naturwissenschaften interdisziplinär zu einem ganzheitlichen Ansatz verflicht, wollte er auch die Menschen untereinander verbinden. Mit seinen 50.000 Briefen schaffte er ein internationales Netzwerk in einer Welt, in der Briefe mit der Post mehrere Monate, nicht nur einen Mausklick lang brauchen und eine Reise nach Venezuela 41 Tage und keine neun Stunden dauert. Doch seine Ideen überwanden nicht nur Kontinente und Meere, sondern auch Gesellschaftsschichten und Wissenschaftsgrenzen. Er vernetzte Forscher seiner Zeit über politische Barrieren hinweg und fördert er die Kommunikation zwischen fremden Kulturen. Die Wissenschaft sah er immer im Zusammenspiel mit den Menschen und setzte sich für einen öffentlichen Zugang von Bildung für die Bürger aller Stände ein. Seine Ideale von Freiheit und Brüderlichkeit öffneten ihm damals die Tore zu fremden Kulturen und heute machen sie ihn nicht nur zu einem Vorbild als Wissenschaftler, sondern auch als Mensch.

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