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Freitag, 10.02.2012
Methanschock liess den Ozean kippen
Drohen dramatische Folgen, wenn das Methaneis freigesetzt werden sollte?

Nach Wasserdampf und Kohlendioxid ist Methan das drittwichtigste Treibhausgas. Als eisähnliches Kristall ist es in großen Mengen auch im Meeresboden gespeichert. Dramatische Folgen werden befürchtet, sollte das Methaneis, wie in der früheren Erdgeschichte geschehen, freigesetzt werden. Gemeinsam mit einem amerikanischen Kollegen weist die Bremer Geowissenschaftlerin Dr. Ursula Röhl in der am kommenden Donnerstag (21. Oktober) erscheinenden Ausgabe der Zeitschrift "Nature" erstmals nach, wie eine solche Katastrophe vor knapp 55 Millionen Jahren zeitlich ablief.

Bislang war man auf Vermutungen angewiesen: Irgendwann an der Grenze zwischen Paläozän zum Eozän vor 55 Millionen Jahren kippte der Ozean um. Schlagartig starben etwa 70 Prozent aller am Meeresboden lebenden Foraminiferen aus. Ebenso plötzlich tummelte sich in der freien Wassersäule neue, bislang unbekannte Arten dieser kalkschaligen Mikroorganismen, während große Bereiche der Tiefsee zu lebensfeindlichen Zonen umgestaltet wurden. Zeitgleich machten die Kontinente eine biologische Revolution durch: Aus tropisch-subtropischen Breiten wanderten Primaten und andere Säugetiere nach Nordamerika ein, und in der Arktis lebten Krokodile.

Auslöser dieser Umwälzungen an Land und im Ozean waren möglicherweise riesige Rutschungen an untermeerischen Hängen. Sie liessen das Methaneis im Meeresboden instabil werden. Innerhalb von nur wenigen Jahrtausenden entwichen 1.200 bis 2.000 Milliarden Tonnen des Treibhausgases Methan in Ozean und Atmosphäre. Ein Temperaturschock war die Folge. Das ohnehin schon relativ warme Tiefenwasser im mittleren Ozeanstockwerk wurde auf 15 Grad Celsius erwärmt (heute: kühle 2 bis 4 Grad).

In einer Untersuchung, die am kommenden Donnerstag (21. 10.) in der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht wird, weist die Bremer Geowissenschaftlerin Dr. Ursula Röhl gemeinsam mit einem amerikanischen Kollegen erstmals nach, dass sich die Naturkatastrophe innerhalb von nur einigen Tausend Jahren, vielleicht auch weniger, anbahnte und nach dreißigtausend Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Erst weitere 120.000 Jahre später hatte sich das Klima von dem Methanschock erholt und auf ein neues Gleichgewicht eingependelt. Die Untersuchungen machen es zudem möglich, den Methanschock erstmals zeitlich genau einzuordnen: Er setzte vor 54,950 Millionen Jahren ein.

"Unsere neuen Erkenntnisse verdanken wir einem Bohrkern aus dem westlichen Atlantik", sagt Dr. Ursula Röhl vom Fachbereich Geowissenschaften. Er wurde mit dem Forschungsschiff JOIDES RESOLUTION rund 500 Kilometer westlich vom Florida im Rahmen in 1.980 Meter Wassertiefe erbohrt. Der Kern lagert heute im Kernlager des internationalen Ocean Drilling Program im Bremer Europahafen. "Die Ablagerungen vom Meeresboden machen uns zu Zeugen eines dramatischen, aber natürlichen Klimaexperiments. Jetzt kommt es darauf an, unsere Erkenntnisse in das neue Forschungsprogramm zu Gashydraten im Geosystem einzubringen, das das Bundesforschungsministerium gerade auflegt."

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw) - Pressemitteilung MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, 18.10.1999)

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