Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
... 25.600.000 Jahre später
Beim Spielen wiederentdeckt

Der Stöffeler Steinbruch 
Der Stöffeler Steinbruch
© Landesamt für Denkmalpflege Mainz  Der Stöffeler Steinbruch
Wo einst der tertiäre Stöffeler See lag, donnern heute riesige Muldenkipper und Bagger umher und alle Wochen erschüttern heftige Explosionen die Gegend. Denn der Tholeitbasalt, der im Oberoligozän (Tertiär) den friedlichen Stöffeler See zuschüttete, ist seit gut einhundert Jahren begehrtes Baumaterial. Durch seine Widerstandsfähigkeit eignet er sich gut als Schotter. Drei Firmen bauen das harte Gestein auf einer Fläche von gut eineinhalb Quadratkilometer ab und heben den See quasi wieder aus. Sehr zum Vorteil der Paläontologen, denn würde der Basalt nicht abgetragen, so gelängen sie nicht an den fossilienhaltigen Ölschiefer.

Man entdeckte den Tonstein bereits im vergangenen Jahrhundert auf der Suche nach Braunkohle, aber weil uninteressant für die Industrie, geriet er wieder in Vergessenheit. Doch das Glück war der Wissenschaft hold: Beim Spielen fanden zwei Jungs aus einem Nachbardorf vor 15 Jahren in einem Pumpensumpf die Überreste von Fischen, Kaulquappen und Pflanzen.

Fundstück Kröte Pelobates decheni 
Fundstück Kröte Pelobates decheni
© Landesamt für Denkmalpflege Mainz  Fundstück Kröte Pelobates decheni
Diese Nachricht fand seinen Weg bald zu Michael Wuttke, dem heutigen Referatsleiter der Erdgeschichtlichen Denkmalpflege Rheinland Pfalz in Mainz und so suchen seit 1990 Grabungsmannschaften Sommer für Sommer in dem Ölschiefer, oder bituminösen Tonstein, wie Geologen ihn richtig nennen, nach Fossilien.

Mit den bisherigen Funden sei er sehr zufrieden, sagt Michael Wuttke. Die Funde von Nagern, Krötenfröschen, Krokodilen, Fischen, Kaulquappen, Salamandern, Spinnen, Käfern, Ahorn- und Weidenresten und anderen Pflanzen hätten Licht in die vergangene Zeit gebracht. So hätten er und andere Wissenschaftler das Klima sowie einen Teil der Flora und Fauna rekonstruieren können.

Und schließlich sei der Steinbruch Stöffel auch deshalb von Bedeutung, da er die einzige Fundstelle in Deutschland ist, in der eine tertiäre Seelandschaft untersucht wird.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Von Urpferden und Flugmäusen
Messel und Stöffel - Blick in die urzeitliche Ökosysteme
Ein Tag am Maar
Untergang eines Maarsees
... 25.600.000 Jahre später
Beim Spielen wiederentdeckt
Ortstermin Enspel `99
Eine paläontologische Ausgrabung
Der französische Verwandte
Den Nager von Enspel kannte man bereits - als Zahn
Blau bis in alle Ewigkeit
Rätsel um 26 Millionen Jahre altes Chitin
Weltnaturerbe contra Hausmüll
Die Grube Messel
Die hessischen Tropen
Messel - ein fast vollständig erhaltenes Ökosystem
Kalte Vulkane und schützendes Sediment
Warum sind die Fossilien von Stöffel und Messel so gut erhalten?
Von der Präparation ins Museum
Bedrohungen für Fossilien und Ausgrabungstellen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen