Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Ein Tag am Maar
Untergang eines Maarsees

Deutschland, vor rund 26 Millionen Jahren: Der Stöffeler Maarsee ist nicht groß, etwa einen Kilometer im Durchmesser und ziemlich rund. In den flachen Schilfbereichen und sumpfigen Zuflüssen tummeln sich im Frühjahr Millionen von Kaulquappen, nun quaken ein paar Frösche, fast 20 Zentimeter groß, verborgen im Reet.

Der subtropisch-tropische Westerwald im Oberoligozän 
Der subtropisch-tropische Westerwald im Oberoligozän
© nach: Landesamt für Denkmalpflege Mainz  Der subtropisch-tropische Westerwald im Oberoligozän
Die Winter sind hier schon warm und die Sommerhitze lädt erst recht zum Baden ein. Allerdings ist das nicht ungefährlich: An den Ufern liegen Krokodile in der Sonne und warten auf Beute. Dafür bieten Eichen, Ahorne und Buchen am Ufer und Auenwälder in den sumpfigen Flussdeltas schattige Plätzchen. Die Luft ist voll vom Surren und Brummen der Fliegen und Bienen. Am Boden und auf den Bäumen krabbeln blaugrüne Käfer und ab und zu huscht ein kleiner Salamander über einen der Baumstämme.

Etwas höher in den Bäumen sitzen kleine mäuseähnliche Säuger mit vorstehenden Zähnen und Gleithäuten zwischen den Gliedern. Von Zeit zu Zeit segelt einer auf den nächsten Baum, wo die Beeren ein bißchen größer aussehen. Und manchmal verschätzt sich einer, verfehlt den angepeilten Ast und fällt ins Wasser.

Meist holt sich eines der Krokodile den ertrinkenden Gleiter. Wenn aber nicht, treibt ihn die Oberflächenströmung sanft auf den See hinaus, wo er langsam versinkt. Vorbei an den kleinen Karpfen, die an seinem Körper nagen, bis er eine Tiefe erreicht, in der kein Sauerstoff und Leben mehr ist. Unten angekommen rieseln nur noch feine Sedimente durch die Wassersäule und decken den Körper langsam zu. Schon seit langer Zeit sinken Sedimente auf den Seegrund. Bereits 150 Meter feiner Ton lagern hier mittlerweile.

Oben an der Oberfläche donnert es unterdessen. Nichts besonderes in der Gegend, deren Vulkane die Pflanzen schon einige Male mit Asche erstickt haben: Jedes Mal hat sich das Leben den Raum zurückerobert, sind Pflanzen und Tiere zurückgekommen. Doch diesmal passiert etwas anderes. Die Lava, die sich aus der Flanke eines nahen Vulkans ergießt, nimmt Kurs auf den Stöffeler See. Schon nach kurzer Zeit hat sie ihn erreicht und stürzt zischend ins Wasser.

Graue Dampfwolken hängen jetzt über dem See, und immer neuen Lavaschübe heizen das Wasser allmählich auf. Was laufen und fliegen kann ist bereits geflüchtet. Bereits vergiftet durch die schwefligen Gase der Lava geht den Fischen der Sauerstoff aus. Lavaschicht über Lavaschicht fließt in den See bis er komplett ausgefüllt der Vergangenheit angehört.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Von Urpferden und Flugmäusen
Messel und Stöffel - Blick in die urzeitliche Ökosysteme
Ein Tag am Maar
Untergang eines Maarsees
... 25.600.000 Jahre später
Beim Spielen wiederentdeckt
Ortstermin Enspel `99
Eine paläontologische Ausgrabung
Der französische Verwandte
Den Nager von Enspel kannte man bereits - als Zahn
Blau bis in alle Ewigkeit
Rätsel um 26 Millionen Jahre altes Chitin
Weltnaturerbe contra Hausmüll
Die Grube Messel
Die hessischen Tropen
Messel - ein fast vollständig erhaltenes Ökosystem
Kalte Vulkane und schützendes Sediment
Warum sind die Fossilien von Stöffel und Messel so gut erhalten?
Von der Präparation ins Museum
Bedrohungen für Fossilien und Ausgrabungstellen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen