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Freitag, 10.02.2012
Schlafes Bruder
Selbstmord und Sterbehilfe

"Harold und Maude" ist einer der wenigen Filme, in dem Tod und Selbstmord unverkrampft und sogar humoristisch dargestellt werden. Harold, ein 18jähriger Jüngling mit einem Hang zu inszenierten Selbstmorden und Leichenwagen, verliebt sich in eine wesentlich ältere Frau, die am Ende des Films Selbstmord begeht. Der Tod scheint in diesem Film natürlich und Teil des selbstgewählten Lebensweges zu sein.

Der Tod als mystische Gestalt 
Der Tod als mystische Gestalt
© Westgate Gallery
Im wirklichen Leben steht man dem Thema Selbstmord nicht ganz so entspannt gegenüber. Das Recht, selbst über das eigene Leben zu richten, bleibt verwehrt. Besonders die Religionen lehnen den Selbstmord ab, egal ob Christentum, Islam oder Buddhismus. Selbstmörder wurden früher nicht auf kirchlichen Friedhöfen begraben und im Buddhismus führt Selbstmord zu einer Wiedergeburt auf einer niedrigeren Stufe.

Es gab jedoch durchaus Kulturen und Philosophen, Nietzsche war einer von ihnen, die Selbstmord nicht ächteten, sondern ihn zuweilen sogar als ehrenhaft betrachteten. In Japan ermöglichte das traditionelle Harakiri, ehrenvoll zu sterben, wenn man in Ungnade gefallen war, oder dem Tod durch den Feind zu entgehen.

Vor allen Dingen ist es für Familie und Freunde schwer zu begreifen, wenn sich ein geliebter Mensch tötet. Sie versuchen, die "Schuldfrage" zu klären, machen sich Vorwürfe. Sie sind diejenigen, die unter dem Verlust leiden - nicht der Tote.

Passive oder aktive Sterbehilfe bleibt nach wie vor ein heiß diskutiertes Thema. Als Dr. Julius Hackethal 1984 einer an Gesichtskrebs leidenden Patientin Zyankali beschaffte, überschlugen sie die Meldungen und Meinungen pro und contra Sterbehilfe. Hackethal wurde wegen "Tötung auf Verlangen" angeklagt, letztendlich aber nicht verurteilt.

Bis heute ist die Rechtslage in Deutschland nicht eindeutig geklärt. "Tötung auf Verlangen" wird mit Freiheitsentzug zwischen sechs Monaten und fünf Jahren bestraft, Anstiftung und Beihilfe zum Selbstmord bleiben jedoch straffrei. Wo genau ist hier die Grenze?

Inzwischen sehen auch immer mehr Ärzte ein, dass es nicht unbedingt Sinn macht, alle Möglichkeiten der Intensivmedizin bis aufs letzte auszureizen, nur um den Menschen irgendwie am Leben zu erhalten. In den achtziger Jahren bereits entwarfen Mediziner und Juristen einen neuen Gesetzesvorschlag, der bislang von der Regierung aber nicht aufgegriffen wurde. Eine rechtliche Absicherung würde den Ärzten eine schwere Last von den Schultern nehmen, da sie im Konfliktfeld zwischen Lebenserhaltung, Patientenwunsch und Menschenwürde jonglieren müssen. Sterbehilfe ist kein Novum sondern wurde bislang unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit praktiziert - mit Ausnahme weniger, die sie öffentlich thematisiert haben.

In Deutschland geht man mit dem Thema Sterbehilfe vor allem wegen der Euthanasie der Nazis sehr zurückhaltend um. Zwischen 1939 und 1941 ermordeten die Nazis in ihrem schätzungsweise 100.000 Behinderte, die nach ihrer Ideologie als "lebensunwert" galten.

Vor wenigen Tagen erst ging eine Meldung durch die Presse, dass einer vollständig gelähmten Frau aus England nicht das Recht zu sterben genommen werden darf. Sie forderte von ihren Ärzten, ihr passive Sterbehilfe zu leisten, indem sie ihre Beatmungsmaschine abschalten. Diese Form der passiven Sterbehilfe ist in Großbritannien erlaubt und durfte ihr demnach nicht verwehrt bleiben.

Als einziges Land in Europa hat bislang die Niederlande im Jahr 2001 Euthanasie, also aktive Sterbehilfe, unter bestimmten Voraussetzungen legalisiert. Das Risiko des Missbrauchs bleibt. Letztendlich geht kein Weg daran vorbei, den Einzelfall zu bewerten und keine allgemeingültigen Kriterien festzulegen.

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