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Freitag, 10.02.2012
Wohin mit den Toten?
Bestattungsrituale

Die Menschen kümmern sich um ihre Toten und sorgen dafür, dass sie ihre letzte Ruhe bekommen. Nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern um Abschied von ihnen zu nehmen, sie zu ehren oder ihnen den Weg ins Jenseits zu ebnen.

Grabmal auf dem Forest Hills Cemetery, USA 
Grabmal auf dem Forest Hills Cemetery, USA
© Audrey Pierce
Schon die Neandertaler vor mehr als 50.000 Jahren begruben ihre Toten sorgsam und warfen sie nicht achtlos in eine Grube oder überließen sie den wilden Tieren. Obwohl es auch das gab und gibt: Die Parsen in Indien lassen noch heute ihre Toten von Aasfressern und Raubtieren verspeisen, "Exkarnieren" nennt man das. Sie glauben, dass der Leichnam vom Bösen besessen ist und Erde oder Luft beschmutzen würde, wenn er begraben oder eingeäschert wird. Das füttern wilder Tiere, die das Gute der Schöpfung symbolisieren, halten die Parsen dagegen für eine gute Tat.

Auch Kannibalismus gab es mitunter im Zusammenhang mit verstorbenen Menschen. Einige Völker verspeisten - mehr oder weniger widerwillig - die Leichen von Verwandten oder Feinden. Entweder um ihnen Ehre zu erbieten oder weil sie glaubten, die Kraft des Toten in sich aufzunehmen.

Am verbreitetsten ist es nach wie vor, den Leichnam zu begraben oder zu verbrennen. Im allgemeinen begleitet von Riten und Zeremonien, die sich aus Religion und Traditionen entwickelt haben. Die Gründe für das Zeremoniell sind verschieden: Man möchte den Toten ehren oder Abschied von ihm nehmen, ihm den Weg ins Jenseits ebnen und die Götter besänftigen oder aber die eigene Trauer bewältigen. Der "einfache Abtrag", wie ein Begräbnis ohne Feierlichkeiten in der Fachsprache heißt, ist eher selten. Manch einer tritt sogar extra wieder in die Kirche ein, nur um ein schöne Beerdigung zu bekommen.

Grabbeigaben spielten und spielen in vielen Kulturen eine wichtige Rolle. Die ursprüngliche Bedeutung lag darin, den Toten etwas mit zu geben für sein Leben im Jenseits. Amulette, die sie beschützen sollten, gehören genauso dazu wie Nahrung, Wertgegenstände oder Gerätschaften, die für das Leben im Totenreich nötig waren. Bei den Griechen und den Ägyptern wollte man sich mit den Gaben auch vor dem Zorn der Verstorbenen schützen und sie milde stimmen für den Fall, dass sie in die Welt der Lebenden zurückkehrten. Diese Beweggründe sind in unserer Gesellschaft allerdings wohl eher nicht mehr maßgeblich. Grabbeigaben - oft ganz persönliche Gegenstände des Toten - sind eher als Zeichen des Abschieds und als erster Schritt der Trauerbewältigung zu sehen.

Feuerbestattungen wurden von den christlichen Kirchen lange Zeit abgelehnt, da sie dem Glauben an eine Wiederauferstehung des Leibes am jüngsten Tag wiedersprechen. Die katholische Kirche verbot sie noch bis in die sechziger Jahre hinein gänzlich. Heute dulden die beiden großen Kirchen Einäscherungen, befürworten aber nach wie vor die Erdbestattung als christliche Praxis.

Durch die ablehnende Haltung der Kirchen verbreitete sich die Feuerbestattung in Deutschland zunächst nur langsam. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ sich hier kaum jeder Hundertste verbrennen. Laut Kulturhistoriker Norbert Fischer stieg der Anteil auf 36 Prozent im Jahr 1995, allerdings mit starken regionalen Schwankungen. In Gotha, wo 1878 das erste deutsche Krematorium erbaut wurde, sind es 90,6 Prozent, in Augsburg dagegen nur 26,4. In den neuen Bundesländern wurde zu DDR-Zeiten die Einäscherung staatlich gefördert, in katholischen Bezirken setzt sie sich der Kirchenmeinung gemäß nur langsam durch. Vor allem aus Kostengründen entscheiden sich heute immer mehr Menschen für den Weg zum Krematorium statt ins kalte Grab.

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