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Freitag, 10.02.2012
Vom Leichnam zum Ausstellungsobjekt
Plastination

Wer sich so gar nicht mit dem Gedanken anfreunden kann, als Madenfutter oder Aschehäufchen zu enden, dem eröffnet sich seit einigen Jahren eine neue Form der Konservierung: Die Plastination.

Kaum jemand, der nicht die Ausstellung "Körperwelten" gesehen hat. Schaurig-verzückt oder aber auch leicht angeekelt und entsetzt konnte man zwischen aufgeschnittenen Menschen und herauspräparierten Organen wandeln. Inzwischen haben sich mehr als acht Millionen Besucher von den Köperwelten anlocken lassen und sie so zur erfolgreichsten Sonderausstellung aller Zeiten gemacht.

Der Heidelberger Medizinprofessor Dr. Gunter von Hagens, der sich gerne mit Joseph-Beuys-Hut ablichten lässt, entwickelte das neuartige Verfahren, mit dem Leichen zu Kunstwerken wurden. Es funktioniert ähnlich wie eine Einbalsamierung. Körperwasser und -fett werden dabei zunächst durch Lösungsmittel, danach durch spezielle Kunststoffe ersetzt. Die Zellen bleiben so erhalten, wie sie vor ihrer Konservierung aussahen. Sogar mikroskopische Untersuchungen sind mit den Präparaten laut von Hagens noch möglich.

Skrupel vor den toten Menschen als Ausstellungsstücke? Haben die wenigsten. Die Sterilität und Ästhetik der Körper lässt den Gedanken an die Personen in den Hintergrund treten. Schließlich ist niemand für die Ausstellung getötet worden, sondern Menschen haben aus freien Stücken ihren Körper für die Wissenschaft gespendet.
Für die Wissenschaft schon, aber auch um als "Kunstobjekt" zu enden? Viele Angehörige hielten die Zurschaustellung ihrer toten Familienmitglieder für sehr entwürdigend. Damit hatten sie natürlich nicht im entferntesten gerechnet. Proteste wegen des als anstößig und enttabuisiert bewerteten Umgangs mit den Leichen gab es vor allem zu Beginn der Wanderausstellung. Trotzdem gibt es nach wie vor viele freiwillige Körperspender, sei es um der Verwesung zu entgehen oder weil es den Menschen ein persönliches Anliegen ist, Medizin oder Kunst zu dienen.

Trocken und geruchsfrei sind die Plastinate, weshalb sie besonders schön anzuschauen sind. Keine wabberigen, in Formalin eingelegten Gehirne oder Babys. So lebensecht zeigte sich noch keine Ausstellung, so nah und doch unbeteiligt kam man noch nie an den Tod heran. Der Ekel bleibt außen vor.

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