Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Windenergie: Viel Aufwand, geringe Ernte
Forscher erstellen Energiebilanzen

Windkraftanlage 
Windkraftanlage
© DOE
Physikalisch gesehen ist die Energiedichte des Windes, ebenso wie die der auf der Erde nutzbaren Sonneneinstrahlung, sehr gering. Somit müssen viele Anlagen gebaut und viel hochwertiges Material eingesetzt werden, um eine verhältnismäßig geringe Energiemenge zu „ernten“.

Die Werkstoffe – bei Windenergieanlagen vor allem Stahl für den Turm und Kupfer für den Generator – herzustellen, daraus Komponenten zu fertigen und diese wiederum zu einer Windenergieanlage zusammen zu setzen erfordert Energie, beispielsweise in Form von Strom, Gas und Wärme. Pro Kilowattstunde Strom aus Windkraft muss wesentlich mehr Material und damit Energie investiert werden als bei Kraftwerken, die Strom aus Kohle oder Öl produzieren. Die Frage nach der Energieeffizienz der Windenergienutzung ist demnach komplizierter als es zunächst aussieht.

Um das Verhältnis zwischen erzeugter und benötigter Energie der Windenergieanlage aufzuklären, müssen Forscher wie Professor Hermann-Josef Wagner, vom Lehrstuhl Energiesysteme und Energiewirtschaft der Ruhr-Universität Bochum (RUB), den Aufwand an Energie und natürlich die damit verbundenen Emissionen an Luftschadstoffen und Klimagasen erst einmal genau bestimmen, und zwar über die gesamte Lebensdauer einer Windenergieanlage hinweg.

Diese Lebenszyklusanalyse, die die Wissenschaftler zum Teil in Zusammenarbeit mit Industriepartnern erstellen, beginnt bei der Herstellung des Materials für die Anlagen, verfolgt dann den Anlagenbau und die Nutzungsphase bis zum Abbau der Anlage und dem Recycling des eingesetzten Materials am Ende seiner Lebenszeit. Dabei berücksichtigen die Forscher alle relevanten Energie- und Emissionsströme, die in und aus dem Fertigungsprozess und aus der Anlage heraus fließen, also zum Beispiel auch für Wartungsarbeiten und Ersatzteiltransporte. Für die Berechnungen gehen sie dabei von einer Betriebsdauer von 20 Jahren für eine Windenergieanlage aus.

Prozesskettenanalyse 
Prozesskettenanalyse
© RUBIN/RUB  Prozesskettenanalyse
Material- und Energiebedarf können die Wissenschaftler am besten über Prozesskettenanalysen ermitteln und zum so genannten "kumulierten Energieaufwand" summieren. Dabei zerlegen sie einen komplexen Produktionsprozess in eine Vielzahl von Prozessschritten und betrachten das Produkt oder die Dienstleistung ganzheitlich über Herstellung, Nutzung und Entsorgung. Alle Energieströme rechnen sie der Vergleichbarkeit halber auf Primärenergie zurück. Das ist letztendlich die Energiemenge, die in Form von Rohkohle, Rohöl oder Gas der Natur entnommen werden muss, um beispielsweise Strom, Fernwärme oder Benzin zur Verfügung zu haben.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Wie sauber sind die weißen Riesen?
Energiebilanzen von Windkraftanlagen
Windenergie: Viel Aufwand, geringe Ernte
Forscher erstellen Energiebilanzen
60 kWh für ein Kilogramm Rotorblatt
Auch die Weiterverarbeitung von Grundstoffen kostet Energie
Von „Erntefaktoren“ und „Amortisationszeiten“
Wie effektiv ist die Stromerzeugung?
Prädikat "gut"
Positive Bilanz für alle WEA
Mehr als nur Rotoren und Türme
Kurzinfo Windenergieanlagen
Solartechnik und Niedrigenergiehäuser im Test
Ganzheitliche Betrachtungen in anderen Sparten
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen