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Sonntag, 21.03.2010
Nach der Eiszeit…
Pioniere erobern karge Felsen

Gletscher 
Gletscher
© U.S. Fish and Wildlife Service/ Jon Nickles  Gletscher
Als sich vor 10.000 bis 20.000 Jahren die Gletscher und Eisdecken aus Europa zurückzogen, gaben sie kargen zerborstenen Felsboden frei. Den Naturgewalten von Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt, begann das Gestein im Lauf der Zeit zu verwittern, es entstanden langsam erste Böden. Doch die junge Bodendecke bot noch kaum das Lebensnotwendige: Die wenigen aus dem Stein herausgewaschenen oder mit dem Regen herangeschwemmten Nährstoffe versickerten schnell wieder. Nur Sand- und Lehmböden konnten essentielle Nährsalze wie Kalium und Phosphat länger speichern. Doch um Pflanzenwachstum zu ermöglichen fehlte immer noch Stickstoff.

 Flechten auf einem Felsblock
Flechten auf einem Felsblock
© U.S. Fish and Wildlife Service  Flechten auf einem Felsblock
Da, wo Wasser etwas länger stehen blieb, siedelten sich Cyanobakterien an, die die Fähigkeit hatten, Stickstoff aus der Luft zu fixieren und diesen an den Boden weiterzugeben. Damit war die Grundlage für weiteres Pflanzenwachstum geschaffen und schon bald gesellten sich Flechten hinzu. Diese Lebensgemeinschaften zwischen Pilz und einem Partner aus dem Reich der Grünalgen oder Cyanobakterien eigneten sich aufgrund ihrer bescheidenen Ernährungsansprüche hervorragend als Erstbesiedler auf den kargen Felsen. Der Pilz erhält dabei die notwendigen Nährstoffe von seinem Partner, der diese durch Photosynthese bildet. Im Gegenzug schützt der Pilz den Symbionten vor Austrocknung, da in seinem Geflecht aus Zellfäden die Feuchtigkeit weniger schwankt.

Sobald geringfügige Mengen organischen Materials zur Verfügung standen, war der Weg für höhere Pflanzen geebnet. Diese Pionierarten wuchsen und vermehrten sich enorm schnell. Paläobotaniker haben herausgefunden, dass Silberwurz und Gräser wahrscheinlich die ersten Pflanzen waren, die beispielsweise das Gebiet im kanadischen Yukon Territorium besiedelten.

Rückzug der Gletscher
 Gemeines Leinkraut (Linaria vulgaris)
Gemeines Leinkraut (Linaria vulgaris)
© Paul Redfearn, Ozarks Regional Herbarium, Missouri State University  Gemeines Leinkraut (Linaria vulgaris)
Auch in der heutigen Zeit bietet sich in einigen Regionen wieder ein ähnliches Bild. Mit den steigenden Temperaturen rund um den Globus schmelzen immer mehr Gletscher und geben kahle Felsen frei, auf denen jahrhundertelang kein Kraut gewachsen ist. Doch auch hier siedeln sich nach einiger Zeit Pionierpflanzen an. Die ersten Krautgewächse lieben trockenen Boden, viel Sonne und Hitze. Sind sie erst einmal etabliert und der Boden entsprechend stabilisiert, können auch anspruchsvollere Pflanzen hier gedeihen.

Schmalblättriges Weidenröschen, Gänsefingerkraut und Weiden sind die typischen Vertreter, die in diesem Szenario auftauchen. Auch das gemeine Leinkraut gehört zu den ersten Pflanzen, die in den Alpen gerade freigelegte felsige Flächen besiedeln.

Doch nach und nach kommen weitere Arten hinzu, die die neu geschaffenen Bedingungen ausnutzen und im Schatten der Erstbesiedler keimen. Sie nutzen deren organisches Material als Nahrungsquelle und verdrängen die Pionierpflanzen allmählich.

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