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Freitag, 19.03.2010
Phoenix aus der Asche
Waldbrände – Chance für neues Leben

Waldbrand 
Waldbrand
© U.S. Fish and Wildlife Service/ Arthur Allen  Waldbrand
Auch ohne Einfluss des Menschen kommt es oft zur nahezu völligen Vernichtung von Wäldern. Wissenschaftler haben errechnet, dass ein Urwald selten älter als 200 Jahre wird, denn Schädlingsbefall und Krankheiten schwächen einen alten Wald bis er schließlich einem natürlichen Feuer zum Opfer fällt. Tausende Quadratkilometer brennen beispielsweise jeden Sommer im Yukon Territorium, Alaska und in Sibirien auf natürliche Weise nieder. Doch so eine Katastrophe hat durchaus auch ihre positiven Seiten, denn auf diese Weise gelangen Nährstoffe in den Boden und es wird offener Raum für neues Wachstum geschaffen. Dies ist die Chance für Pionierarten, die gerodete Fläche neu zu besiedeln. Es sind vor allem solche, die viel Sonnenlicht vertragen und vorher im Schatten der großen Riesen keine Chance hatten.

 Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium)
Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium)
© U.S. Fish and Wildlife Service/ Tom Comish  Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium)
Eine der ersten Blütenpflanzen ist das schmalblättrige Weidenröschen, im amerikanischen „Fireweed“ genannt. Es liebt kalkreiche, leicht saure Standorte und offene Steppen, insbesondere verbranntes Erdreich, wo es sich schnell mit seinem verzweigten Wurzelsystem ausbreitet und fest verankert. Wie bei allen Pionierarten üblich, verfügt es über reichlich Samen, um seinen Fortbestand zu sichern. In einer Samenkapsel befinden sich zwischen 300 und 400 Samen, pro Pflanze sogar bis zu 80.000. Seidige Härchen sorgen dafür, dass sie perfekt vom Wind umhergewirbelt werden.

Auch Kiefern, Espen und Weiden können beispielsweise nur bei voller Sonneneinstrahlung wachsen. Daher sind sie die ersten, die die abgebrannten Gebiete neu besiedeln. Wenn diese Arten herangewachsen sind, schießen im Unterholz Keimlinge und Schösslinge verschiedener Sekundärarten hoch. Sie brauchen insbesondere als junge Pflanzen Schatten, den sie hier finden. Doch die Begrünung des Waldbodens ist nur von kurzer Dauer. Denn schon bald sind die Sekundärpflanzen herangewachsen und sorgen für soviel Verdunkelung, dass die darunter wachsenden Arten nicht mehr genügend Licht erreicht. Schließlich übernehmen die langsamer wachsenden Arten die Vorherrschaft und ersetzen die Pionierarten.

Pioniere retten den Wald
Die Fähigkeit, Lebensräume nach kompletten Zerstörungen wie Waldbränden neu zu besiedeln, nutzen Forstleute inzwischen auch bei Wiederaufforstungsprojekten. Die Forschung hat gezeigt, dass ein Wald widerstandsfähiger ist, wenn er auf natürliche Weise von klein auf entsteht, anstatt ihn direkt als Monokultur mit den gewünschten Bäumen zu bepflanzen. Dazu gehört die Erstbesiedlung des Terrains durch Pionierarten, die den Boden stabilisieren und mit Nährstoffen anreichern, ohne die größere Arten nicht überleben können. Außerdem reifen sie schnell und produzieren Samen, die wiederum zum Neustart dienen, falls während der Wiederaufforstung Störungen auftreten.

In Brasilien hat beispielsweise ein Projekt zur Wiederaufforstung des tropischen Regenwaldes begonnen, das genau unter diesen Gesichtspunkten durchgeführt wird. Nachdem Wissenschaftler Pionierarten in kleinen Inseln ausgesät haben, erwarten sie jetzt, dass natürliche Mechanismen wie Wind, Vögel oder Fledermäuse die Samen weiterverbreiten. In der nächsten Phase ist die Ansiedlung von jungen Harthölzern in den Arealen geplant, die zur Zeit noch mit Buschwerk bedeckt sind. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Bäume in zehn bis 15 Jahren heranwachsen und ihre Samen auf natürliche Weise in die benachbarten unbewachsenen Gebiete verteilen.

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