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Donnerstag, 09.02.2012
Projekt Genesis
Ein Vulkanausbruch und seine Folgen

Doch nicht nur Sandstrände sind Ansiedlungsgebiete für Pionierpflanzen. Im November 1963 bricht vor Islands Südküste ein unterseeischer Vulkan aus und lässt eine völlig neue Insel entstehen. Die Vulkantätigkeit hält noch bis 1967 an und sorgt dafür, dass die Landmasse immer größer wird. Am Ende bleibt eine 2,5 Quadratkilometer große Insel zurück, deren Oberfläche zu zwei Dritteln aus Lava und einem Drittel aus lockerem Geröll besteht. Man benennt sie nach dem Feuerriesen Surtur der nordischen Mythologie und gibt ihr den Namen Surtsey. Bereits 1964 wird sie unter Naturschutz gestellt und darf nur von Wissenschaftlern betreten werden, um gelegentlich den Fortschritt der Vegetation zu protokollieren.

Surtsey 16 Tage nach dem Ausbruch 
Surtsey 16 Tage nach dem Ausbruch
© NGDC/ NOAA  Surtsey 16 Tage nach dem Ausbruch
Denn die neue Insel ist zunächst völlig leblos und frei von jeder Vegetation – ein ideales Freilandlabor, um die Eroberung durch Pioniere zu erforschen. Doch die Bedingungen dafür sind alles andere als günstig. Denn die Insel Surtsey wird an 200 Tagen im Jahr von Stürmen heimgesucht und der karge Boden fängt kein Regenwasser auf. Trotzdem entdecken Forscher bereits 1965 die erste Gefäßpflanze. Es handelt sich um einen Keimling des Arktischen Meersenfs. Er wächst dicht am Boden und in kleinen Gruppen. Dadurch hat er bessere Chancen den harschen Winden zu widerstehen als höhere Sträucher. Mit der Zeit verfangen sich immer mehr organische Teilchen in den Beständen, die seine Wurzeln zum Überleben brauchen. So bildet der Meersenf allmählich seinen eigenen Boden.

In den Jahren 1966 und 1967 gesellen sich Strandroggen, Salzmiere und Blauglöckchen hinzu. Doch wie kamen die Samen hierher? Diese Frage stellen sich auch die Botaniker und streuen von der 20 Kilometer entfernten Insel Heimaey Plastikperlen ins Meer. Gespannt verfolgen sie deren Weg und finden heraus, dass ein bestimmter Prozentsatz tatsächlich auf Surtsey ankommt.

Sterile Landschaften
Ein anderes Beispiel: Im Jahr 1672 brach auf der Azoreninsel Faial der Vulkan Cabeço do Fogo aus und vernichtete alles Leben in seinem Umkreis. Doch schon binnen kurzer Zeit waren die Flanken des Bergs erneut von Vegetation bedeckt. Auch hier waren es wieder die Pionierarten, die sich auf den erkalteten Lavamassen niederließen und den Weg für die nächste Pflanzengeneration ebneten. Sie beschleunigten die Verwitterung des Vulkangesteins, so dass darunter eine fruchtbare Humusschicht zutage kam, gebildet von den Pflanzen, die die Lavamassen verschüttet hatten. Damit war ein idealer nährstoffreicher Boden für anspruchsvollere Pflanzen vorhanden, die die Pionierarten bald verdrängten. Heute überziehen dschungelartige Wälder diesen Teil des Vulkans.

 Hottentottenfeige (Carpobrotis edulis)
Hottentottenfeige (Carpobrotis edulis)
© Walter Gladischefski  Hottentottenfeige (Carpobrotis edulis)
Einen krassen Gegensatz dazu bildet die Westspitze der Insel, wo nach dem Ausbruch des Capelinhos im Jahre 1957 als Folge des monatelangen Ascheregens eine Wüstenlandschaft entstanden ist. Forscher der Universität Mannheim untersuchen das Gelände zurzeit. Erst in den letzten Jahren beobachteten sie eine Zunahme der Bodengewächse, und zwar dort, wo Unebenheiten im Gelände Windschutz bieten. Es sind hauptsächlich eingeschleppte Arten wie die Hottentottenfeige, die als widerstandsfähige Pionierpflanzen das trostlose Terrain erobern. Ebenso aggressiv breitet sich das spanische Rohr, eine Schilfart, aus. Erst wenn diese Arten vertrocknen und verwesen, bildet sich auch hier eine wertvolle Humusschicht, die es den einheimischen Arten erlaubt an dieser Stelle wieder Fuß zu fassen. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass in wenigen Jahrzehnten die typische Azorenvegetation wieder die gesamte Insel zurückerobert hat.

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