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Samstag, 20.03.2010
Die andere Seite: Das Watt
Landgewinnung unvermeidbar

Doch wie sieht es auf der anderen Seite der Insel, dem Watt aus? Hier wird mit jeder Flut mehr und mehr Schlick angeschwemmt, der sich in Schichten ablagert. Die Rolle, die der Strandweizen bei der Dünenbildung spielt, übernimmt hier der Queller. Er ist eine der ersten Pionierpflanzen, die das neu angelandete Territorium bezieht und damit den Grundstein zur Entstehung einer Salzwiese legt.

Queller (Salicornia europaea) 
Queller (Salicornia europaea)
© Walney Island  Queller (Salicornia europaea)
Keine andere Blütenpflanze kann einen höheren Salzgehalt aushalten als der Queller, der zweimal täglich vom Meerwasser überflutet wird. Doch wie kann er aus dem salzigen Schlick überhaupt Wasser aufnehmen? Das gelingt nur, wenn der Salzgehalt innerhalb der Pflanze höher ist als der im Schlick. Um dies zu erreichen, scheidet der Queller im Gegensatz zu Schlickgras oder Halligflieder das Salz nicht durch Drüsen aus, sondern speichert es in seinem Gewebe. Da jedoch über das Jahr hinweg immer größere Mengen Meersalz über die Wurzeln in die Pflanze gelangen, versucht er es mit einem höheren Wassergehalt zu verdünnen. Dadurch kommt es zur charakteristischen Aufquellung, die ihm seinen Namen gegeben hat.

Der Queller ist nicht nur ein Überlebenskünstler, er ist auch für die Landgewinnung unentbehrlich, denn er trägt zur Strömungsberuhigung bei und sorgt dafür, dass vom Wasser angespülte Sedimente absinken können. So wird immer mehr Material abgelagert bis es allmählich zur Verlandung kommt. Die Fläche wird immer seltener überschwemmt und bietet nun auch Pflanzen, die nicht so überflutungstolerant sind, einen Lebensraum.

 Watt: Grasinseln bei Flut
Watt: Grasinseln bei Flut
© PixelQuelle
So breitet sich in den Quellergebieten bereits wenige Jahre später das Andelgras aus. Es siedelt sich an der Hochwasserkante an, wo der vom Meer abgelagerte Schlick gerade noch von der Flut erreicht wird. Hier bindet es mit seinen flachen Ausläufern Sand und bildet Bulten aus, die nach und nach zu einer geschlossenen Vegetationsdecke zusammenwachsen. Meist ist sein Auftreten jedoch nur von kurzer Dauer, denn sobald die Zone trocken genug ist, wird das Andelgras in der Regel durch nachfolgende Pflanzen wie Keilmelde und Strandaster verdrängt.

Einwanderer aus England
Seit den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist eine weitere Pionierpflanze von der englischen Küste nach Deutschland eingewandert, das Schlickgras. Keine andere Pflanze der Salzwiese wagt sich so weit in das Watt hinaus, wo sie stundenlang überflutet wird. Da es schnell wächst, dichte Stengel und ausgeprägte Wurzeln hat, wurde das Schlickgras Anfang des 20. Jahrhunderts aus England zur Landbefestigung an norddeutschen Küsten ausgesät. Von dort breitete sich die Pflanze selbständig entlang der Wattenmeerküste aus.

Wie alle Pflanzen der Salzwiesen wird auch das Schlickgras mit äußerst hohen Salzgehalten im Boden konfrontiert, die zudem je nach Wetterlage extrem schwanken können. Bei starker Sonneneinstrahlung steigt der Salzgehalt an, bei Regen wird der Boden ausgesüßt.

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