Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 16.03.2010
Es grünt so grün…
Eine Dünenlandschaft entsteht

Wer jedes Jahr seinen Urlaub auf derselben Nordseeinsel, beispielsweise Spiekeroog, verbringt, dem bietet sich trotzdem immer ein anderes Bild von der Naturlandschaft. Musste man im Vorjahr noch Ebbe und Flut auf seiner Wanderung zur Ostplate berücksichtigen, hat das Meer inzwischen soviel Sand angespült, dass weite Strecken selbst bei Hochwasser begehbar bleiben.

Strandweizen (Agropyron junceum) 
Strandweizen (Agropyron junceum)
© Bruno Barsella, Univ. of Pisa, Dr. Ugo Macchia, WWF Italien  Strandweizen (Agropyron junceum)
Doch ein paar Jahre später sieht die Situation schon wieder völlig anders aus. Konnte man früher ungestört durch den Sand waten, steht man jetzt plötzlich vor einer hügeligen bewachsenen Fläche. Verwundert betrachtet man die dünnen Hälmchen, die dem Sturm trotzen und sich kaum im Sandboden zu halten mögen. Wo kommt diese Vegetation denn auf einmal her, fragt man sich zwangsläufig.

Der Fänger im Sand
Kommt stärkerer Wind auf, wird der von Sonne und Meeresbrise getrocknete Sand weiter landeinwärts getrieben. Hinter dem Spülsaum sammelt er sich im Windschatten kleiner Barrieren, beispielsweise Muscheln oder Treibgut an. Mit der Zeit bildet er so den Anfang einer Düne. Diese wirkt wiederum als Hindernis für nachfolgend angewehten Sand.

Nach und nach erobern die ersten Pionierpflanzen das Areal. Zu den Meersenfgesellschaften des Spülsaums siedelt sich der Strandweizen, der ein effektiver Sandfänger ist und die Entstehung der Primärdünen fördert. Doch wie kann er in dem losen Boden überhaupt sprießen? Wie alle Pionierpflanzen ist auch der Strandweizen sehr anspruchslos und bezieht die wenigen Nährstoffe, die er zum Wachstum benötigt, von verrottetem Seegras, das mit den Sturmböen angespült wurde.

Die nächste Generation
 Strandhafer (Ammophila arenaria)
Strandhafer (Ammophila arenaria)
© PixelQuelle  Strandhafer (Ammophila arenaria)
Regnet es, sickert das Regenwasser durch die Sandschichten der Düne hindurch. Oft sammelt es sich dann am Übergang zum festen Untergrund und bildet eine so genannte Süßwasserlinse. Das ist das Lebenselixier des Strandhafers, der als weitere Pionierart die Düne besiedelt, sobald Niederschläge einen Teil des Salzes aus den Primärdünen herausgewaschen haben. Mit seinen langen Wurzeln und unterirdischen Sprossausläufern verfestigt er nicht nur den Sand, sondern produziert in den Rhizomen auch die notwendigen Nitrate, die er zum Wachstum benötigt.

Lästige Salzwasserspritzer von der Seeseite sind eher unwillkommen, bleiben jedoch nicht aus. Möglichst wenig Angriffsfläche bieten, heißt daher die Devise. Also rollt der Strandhafer seine Blätter meistens zu einer Röhre zusammen. Dadurch verkleinert er die Oberfläche und verringert gleichzeitig die Transpiration.

Dünen 
Dünen
© PixelQuelle/ Jan Bouecke  Dünen
Immer wieder kommt es vor, dass Sandstürme den Strandhafer zuwehen. Doch das hindert ihn keineswegs daran, das Territorium zu erobern. Unbeeindruckt treibt er einfach neue Ausläufer nach oben und wächst dann ein Stockwerk höher ganz normal weiter. So kommt es, dass er nach und nach die Sekundärdünen mit einem äußerst stabilen Netzwerk seiner horizontal und vertikal verlaufenden Ausläufer durchzieht. Neu angewehter Sand wird schnell durch neues Wurzelwerk verfestigt. So entstehen gut zehn Meter hohe Dünen, denen Fluten nichts mehr anhaben können.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Pionierpflanzen
Leben aus dem Nichts
Robust und salztolerant
Leben im Spülsaum
Es grünt so grün…
Eine Dünenlandschaft entsteht
Die andere Seite: Das Watt
Landgewinnung unvermeidbar
Projekt Genesis
Ein Vulkanausbruch und seine Folgen
Phoenix aus der Asche
Waldbrände – Chance für neues Leben
Nach der Eiszeit…
Pioniere erobern karge Felsen
Künstliche Biotope
Lebensräume von Menschenhand geschaffen
Top-Diaschauen
Hypatia von Alexandria
2012 und die Maya
Erdbeben
Schatzkammer Ozean
Verlierer Mensch?
Aktuelle Dossiers
Die Wetter-Zurücksage
Wie die Vergangenheit hilft, die zukünftige Reaktion des Klimasystems vorherzusagen
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
Strom aus der Salzkraft
Osmose-Kraftwerke: von der Vision zur Wirklichkeit
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Honigbienen: Superhirn im Überlebenskampf
Wie Parasiten, Krankheit und Gift die Fähigkeiten der sozialen Insekten beeinträchtigen
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen
Klima: Letzte Chance Kopenhagen
Der 15. Weltklimagipfel: Klimaschutz wohin?