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Freitag, 19.03.2010
Überblick
Das Wichtigste in Kürze

  • Pionierpflanzen sind Arten, die als Erstbesiedler an Standorten wachsen, wo anspruchsvollere Pflanzen nicht überleben können. Sie kommen mit extrem wenigen Nährstoffen aus und produzieren eine Vielzahl an widerstandsfähigen Samen, die ihre Verbreitung an anderen Orten sichert.


  • Solche Standorte entstehen beispielsweise nach Vulkanausbrüchen, Erdrutschen, Gletscherrückgängen, aber auch künstlichen Bodenbewegungen, wie auf Bauschuttdeponien. Auch die Veränderung der Küstenlinie schafft solche Extremstandorte.


  • Die Pionierpflanzen verändern den Lebensraum so, dass günstigere Bedingungen entstehen, in denen auch anspruchsvollere Pflanzen Fuß fassen können. Zum Beispiel fördern sie die Ansammlung von Stickstoff im Boden sowie anderen Nährstoffen und Humus.


  • Zu den Pionierarten an der Küste gehören Meersenf und Salzmiere, die sich im Spülsaum ansiedeln. Da sie zweimal täglich vom Mehrwasser überflutet werden, sind sie extrem salztolerant und können auch Schwankungen im Salzgehalt kompensieren.


  • Strandweizen ist ein effektiver Sandfänger, der die Entstehung von Primärdünen einleitet. Sobald Regenfälle das Salz aus den Dünen herausgewaschen haben, siedelt sich der Strandhafer als weitere Pionierpflanze an. Mit seinen langen Wurzeln und unterirdischen Sproßausläufern verfestigt er den Sand, so dass gut zehn Meter hohe Dünen entstehen, denen Fluten nichts mehr anhaben können.


  • Im Watt findet man dagegen den Queller als eine der ersten Pionierpflanzen, die das neu angelandete Territorium bezieht und damit den Grundstein zur Entstehung einer Salzwiese legt. Der Queller trägt zur Strömungsberuhigung bei und sorgt dafür, dass vom Wasser angespülte Sedimente absinken können. So wird immer mehr Material abgelagert bis es allmählich zur Verlandung kommt.


  • Die Entstehung der isländischen Insel Surtsey nach einem Vulkanausbruch in den Sechziger Jahren gilt als einzigartige Gelegenheit, die Erstbesiedlung in der freien Natur zu beobachten. Bereits zwei Jahre nach ihrer Entstehung fanden Botaniker einen Keimling des Arktischen Meersenfs, dessen Samen von einer 20 Kilometer entfernten Nachbarinsel stammten.


  • Circa alle 200 Jahre brennt ein Urwald auf natürliche Weise ab und hinterlässt eine freie Fläche. Dies ist die Chance für Pionierarten, die gerodete Fläche neu zu besiedeln. Es sind vor allem solche, die viel Sonnenlicht vertragen und vorher im Schatten der großen Riesen keine Chance hatten.


  • Ein Wald ist widerstandsfähiger, wenn er auf natürliche Weise von klein auf entsteht, anstatt ihn direkt als Monokultur mit den gewünschten Bäumen zu bepflanzen. Daher nutzen Forstleute die Fähigkeit von Pionierarten, Lebensräume nach kompletten Zerstörungen wie Waldbränden neu zu besiedeln, inzwischen auch bei Wiederaufforstungsprojekten.


  • Mit den steigenden Temperaturen rund um den Globus schmelzen immer mehr Gletscher und geben kahle Felsen frei, auf denen jahrhundertelang kein Kraut gewachsen ist. Doch auch hier siedeln sich nach einiger Zeit Pionierpflanzen an und stabilisieren den Boden für anspruchsvollere Arten.


  • Allgemein gelten Kies- und Sandgruben als hässliche Wunden in der Landschaft. Nur wenigen ist bekannt, dass diese Abbauareale wichtige Lebensräume und Rückzugsinseln für Lebensgemeinschaften und bedrohte Arten darstellen. Auch frisch aufgeschüttete Böschungen bilden ein hervorragendes Siedlungsgebiet für Pionierpflanzen.

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