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Freitag, 10.02.2012
Stockwerkbau untertage
Das ABC der Horizonte

Farbunterschiede zwischen den Bodenhorizonten 
Farbunterschiede zwischen den Bodenhorizonten
© NRCS/USDA  Farbunterschiede zwischen den Bodenhorizonten
Im anscheinend so leblosen Boden ist ständig was in Bewegung: Humus reichert sich an, Regen wäscht Kalk und andere Nährstoffe aus, feinste Tone und Bodenpartikel verlagern sich nach unten und oxidiertes Eisen gibt dem Boden seine bräunlich-rötliche Farbe. Im Laufe der Zeit entstehen auf diese und ähnliche Weise ganz prägnante und wieder erkennbare „Schichten“, die parallel zur Erdoberfläche verlaufen: die so genannten Bodenhorizonte.

Ein Boden ist fast immer nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Ganz zuoberst liegt das organische Material, Pflanzenreste oder tote Tiere, und wird Streuschicht oder O-Horizont genannt. Wer also im Herbst voller Vergnügen mit den Füßen durch das zentimeterhohe Laub raschelt, bewegt sich genau genommen nicht mehr auf sondern bereits im Boden. Damit dieser Freiluft-Komposthaufen nicht endlos in dem Himmel wächst, verwandeln ihn die zahlreichen Mikroorganismen im Boden zu einem mineralreichen Humus, dem so genannten A-Horizont. Mehr als 60 Volumenprozente bestehen in dieser Schicht aus organischem Material. Soweit so gut, doch was kommt unter diesem ersten Horizont, der zumindest jedem Gartenbesitzer und Waldspaziergänger bekannt sein dürfte?

Fahrstuhl in die Tiefe
 Schematisierte Horizontabfolge im Boden
Schematisierte Horizontabfolge im Boden
© NRSC/USDA  Schematisierte Horizontabfolge im Boden
Wer schon einmal ein Loch in den Boden gegraben hat, der kann diese Frage zumindest ansatzweise beantworten: der Boden wird dichter, trockener und härter, denn der mineralische Anteil steigt sprunghaft an. Das organische Material ist im Gegenzug kaum noch mit dem Auge wahrnehmbar, da die Mikroorganismen bereits ganze Arbeit geleistet und die Pflanzenreste in ihre Bestandteile zerlegt haben. Zudem ändert sich die Farbe von der tiefen Schwärze des Humus hin zu einer Vielzahl von Braun- und Grautönen. Dieser mit dem bloßen Auge sichtbare Übergang kennzeichnet den Beginn des Unterbodens, auch B-Horizont genannt, der zumeist den größten Anteil am gesamten Bodenkomplex einnimmt.

Dominiert nahe der Oberfläche noch die Zersetzung des organischen Materials durch Lebewesen, so übernimmt im Unterboden klar die chemische Verwitterung die Führung. Dabei spielen versickernde Niederschläge und die normale Bodenfeuchte eine zentrale Rolle. Denn das Wasser löst Bodenpartikel wie Tonminerale, Oxide und Huminstoffe aus dem oberen Horizont auf und befördert diese wie in einem Fahrstuhl nach unten. Dort lagern sie sich in unterschiedlichen Tiefen ab – abhängig vom Material, einer Sperrschicht wie dem Grundwasser oder physikalischen Hindernissen wie gröberen Gesteinen. Entsprechend wird der Oberboden auch Auswaschungs- und der Unterboden Anreicherungs- oder Verwitterungshorizont genannt.

Die Mutter aller Böden
 Dünner Oberboden auf kalkhaltigem Untergrund
Dünner Oberboden auf kalkhaltigem Untergrund
© NRCS/USDA  Dünner Oberboden auf kalkhaltigem Untergrund
Der Übergang zum Muttergestein, dem C-Horizont, ist häufig nicht so klar abgrenzbar wie zum humosen Oberboden. Wichtiges Indiz ist vor allem die Zunahme grober und nur halb verwitterter Gesteinsbrocken, bis schließlich der feste Gesteinsuntergrund das untere Ende des Bodens besiegelt. Bei extrem tiefgründigen Böden spielt dieses Mineralienreservoir kaum noch eine Rolle. Anders hingegen sieht dies bei Rohböden oder geringmächtigen Einlagerungshorizonten aus. Hier liefert das Muttergestein durch Verwitterung stets neuen Nachschub an wertvollen Mineralien. So entsteht aus einem kalkhaltigen Boden eher fruchtbare Erde als aus einer Sandsteinschicht und ein silikatreicher Granit begünstigt die Entwicklung von Braunerden.

Die Horizontabfolge A-B-C ist in jedem Boden gleich, egal ob Regosol, Terra fusca oder Podsol. Allerdings variieren sie dabei nicht nur in ihrer chemischen Zusammensetzung, sondern unterscheiden sich auch in der Mächtigkeit der Horizonte. So ist der A-Horizont bei einem Ranker nur wenige Zentimeter mächtig, bei der Schwarzerde hingegen mindestens einen halben Meter. Als weitere Besonderheit kann aber auch wie bei einer Pararendzina der Unterboden komplett fehlen, so dass der A- und C-Horizont mehr oder weniger direkt aufeinander folgen.

Letztendlich begnügen sich Wissenschaftler daher auch nicht mit der groben Einteilung in „nur“ drei Horizonte. Vor allem Faktoren wie Feuchtegehalt, Humusanteil, Oxidationsgrad, pH-Wert oder Körnung verfeinern den jeweiligen Bodensteckbrief. Wie bei einem Fingerabdruck kann mithilfe dieser Horizonte jeder Boden eindeutig identifiziert werden.

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