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Montag, 21.05.2012
Der Cholera auf der Spur…
In Sachen Krankheiten unterwegs in Ägypten und Indien

 Robert Koch auf der Deutschen Cholera-Expedition 1884 in Ägypten
Robert Koch auf der Deutschen Cholera-Expedition 1884 in Ägypten
© Kurt Paulus
Fieber, Brechdurchfall, Tod. Wenn diese Symptome auftreten, bleibt es meist nicht bei einem Einzelfall. Bereits seit 1817 bricht in Europa immer wieder die Cholera aus und verlangt unzählige Opfer. Als es 1883 in Ägypten zu einer erneuten Epidemie kommt, befürchtet man, die Seuche könnte auf den Kontinent übergreifen.

Für Robert Koch bietet sich hier endlich die Gelegenheit, seinen Reisedrang zu befriedigen. Als Mitglied einer Deutschen Regierungskommission reist er nach Alexandria, um die Krankheit vor Ort zu studieren. Quasi nebenbei entdeckt er hier die Erreger für die Amöbenruhr, Rinderpest, Beulenpest, Schlafkrankheit sowie für die bakterielle Bindehautentzündung.

Vibrio cholerae 
Vibrio cholerae
© CDC  Vibrio cholerae
Ein "Komma" als Cholera-Keim?
Sein Hauptaugenmerk gilt jedoch der Cholera. Schon bald hat er ein bestimmtes, kommaförmiges Bakterium im Verdacht, der Auslöser der Krankheit zu sein. Doch das Ende der Epidemie in Ägypten verhindert, dass er seine Forschungen abschließen kann. Etwas frustriert reist er mit Reinkulturen des mutmaßlichen Erregers im Gepäck nach Deutschland zurück.

Hier hört Koch von einem weiteren Cholera-Ausbruch in Indien und schifft sich umgehend nach Kalkutta ein. Dort findet er dasselbe kommaförmige Bakterium in den Opfern. Obwohl es ihm nicht gelingt, den Erreger auf Versuchstiere zu übertragen, ist er sich sicher, mit Vibrio cholerae den Auslöser der Cholera gefunden zu haben. Doch damit gibt er sich noch nicht zufrieden. Er will wissen, wie die Seuche übertragen wird, so dass man entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten kann. Nach langem Suchen entdeckt er die Keime in verschmutzten Wasserbehältern und findet heraus, dass sie über Trinkwasser, Nahrung und Kleidung übertragen werden.

 Ausschank des Todes
Ausschank des Todes
© CDC/ George Pinwell, 1866  Ausschank des Todes
„Ich vergesse, dass ich in Europa bin“
Zurück in Berlin veranlasst Koch sofort regelmäßige Überprüfungen des Trinkwassers und empfiehlt einige Verbesserungen, die die Abwasserentsorgung betreffen, wie beispielsweise die Wasserfiltration. Damit legt er den Grundstein zur Eindämmung von Seuchen.

Als 1892 die Cholera in Hamburg ausbricht, schickt die preußische Regierung Koch als Experten zum Ort des Geschehens, um den Hamburger Senat zu beraten. Als er eintrifft, ist er entsetzt von den unhygienischen Zuständen, die in den Armenvierteln und Auswandererbaracken herrschen. „Meine Herren, ich vergesse, dass ich in Europa bin“, übt er schonungslos Kritik vor dem Senat und fordert energisch Sanierungsmaßnahmen.

Eigentlich gebührt der Ruhm einem anderen
Koch wird zu seinen Lebzeiten zwar als Entdecker des Cholera-Erregers gefeiert, doch zum ersten Mal beschrieben hatte ihn ein anderer. Der italienische Anatom Filippo Pacini hatte das Bakterium bereits 1854 isoliert. Weil zu der Zeit aber noch die Miasma-Theorie vorherrschte, in der verunreinigte Luft als Ursache vieler Krankheiten galt, wurden seine Arbeiten nicht anerkannt.

Auch Koch kennt Pacinis Arbeiten nicht und macht die Entdeckung unabhängig von seinem Forscher-Kollegen. Seinem Ruhm und Bekanntheitsgrad ist es zu verdanken, dass die Entdeckung diesmal zum Wohle der Menschheit nicht unbeachtet bleibt. Trotzdem wird das Bakterium jedoch 1965 offiziell in Vibrio cholerae Pacini 1854 umbenannt.

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