Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Es liegt was in der Luft...
Physikalische Phänomene als Erklärung?

Auffälligerweise scheinen sich im Sommer bei einer bestimmten, ruhigen Wetterlage, dem so genannten "Nessie-Wetter", die Sichtungen zu häufen - ein mögliches Indiz dafür, dass nicht etwa ein sonnenhungriges Seeungeheuer, sondern eher eine physikalische Ursache die scheinbaren Nessies erklären könnte. In der engeren Wahl der Experten stehen dabei gleich mehrere Effekte, darunter so "profane" Erklärungen wie Schiffswellen, Treibgut oder Windhosen, aber auch Luftspiegelungen und Unterwasserwellen.

Bootswelle als  
Bootswelle als "Buckelmonster"
© Loch Ness Project
Gerade bei ruhigem, fast windstillen Wetter macht die spiegelglatte Wasseroberfläche es schwer, die Größe von Objekten im Wasser akkurat einzuschätzen. Das Gehirn braucht in der Regel Bezugsobjekte, wie beispielsweise eine Ente, Wellen oder ein Schiff als Vergleichsgrößen oder aber zumindestens deutliche Hinweise auf die Entfernung eines unbekannten Objekts. Fehlen diese, wird aus einer Mücke schnell ein Elefant, oder vielmehr ein treibendes Holzstück schnell zum Seeungeheuer.

Unter den 3.000 Sichtungen, die Wissenschaftler auf solche möglichen Fehleinschätzungen hin untersuchten, blieben nur 258, die damit nicht erklärbar waren.

 EIn Kormoran - ohne Größenvergleich mutiert er schnell zur Nessie
EIn Kormoran - ohne Größenvergleich mutiert er schnell zur Nessie
© Loch Ness Project
Eine für den Loch Ness typische klimatische Eigenheit könnte zudem für weitere vermeintliche Nessie-Sichtungen verantwortlich sein: Das Wasser des Sees ist im Winter deutlich wärmer als die darüberliegende Luft, im Sommer dagegen erheblich kälter. Nahe der Wasseroberfläche bildet sich dadurch bei wenig Wind eine Übergangszone, in der übereinanderliegende unterschiedlich warme Luftschichten und ihre Grenzen Verzerrungen und Luftspiegelungen hervorrufen können. In der Regel werden dabei aus dem Wasser ragende Objekte vertikal gedehnt.

Schon 1933 musste der "Augenzeuge" Alex Campbell eingestehen, diesem Effekt aufgesessen zu sein und nahm seine damals sehr bekannte und umstrittene Beschreibung einer Plesiosaurus-ähnlichen Kreatur umgehend zurück.

 Die Ergebnisse des Stock-Experiments
Die Ergebnisse des Stock-Experiments
© Loch Ness Project  Die Ergebnisse des Stock-Experiments
Aber auch neuere Erfahrungen zeigen deutlich, wie schnell aus einem Stock eine Nessie werden kann: In einem Experiment befestigten Forscher einen Stock in weiterer Entfernung vom Ufer so im See, dass er ein Stück aus dem Wasser ragte. Sie baten anschließend Freiwillige, zu zeichnen, was sie im Wasser sahen. Obwohl die meisten tatsächlich einen Stock malten, kamen nicht wenige Abbildungen von gegabelten Ästen, Krummstäben und - natürlich - Nessieköpfen zustande...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Rätsel "Nessie"
Auf der Suche nach dem Seeungeheuer
Wasserpferde und heidnische Ungeheuer
Die ersten Legenden über ein Fabelwesen im Loch Ness
Gesucht - am liebsten lebendig...
"Nessie" wird berühmt
Spielzeug-U-Boote und schwimmende Hunde
Nessiebilder und der Streit um das "Surgeon's Photo"
Auf der Lauer am Loch Ness
Die Suche mit Über und Unterwasserkameras
Viel Schall und keine Nessie...
Die Sonar-Experimente
Eine "Badewanne" für Riesen
Der Loch Ness
Es liegt was in der Luft...
Physikalische Phänomene als Erklärung?
Monsterwelle statt Wellenmonster?
Stehende Wellen in "Nessies Badewanne"
Die Kandidaten
Was für ein Tier könnte Nessie sein?
Nessie lebt weiter...
...zumindest in der Fantasie
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen