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Mittwoch, 27.07.2016
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Der Kakapo

Ein Eulenpapagei und seine Bodyguards

Droht Gefahr, verharrt der nachtaktive Kakapo regungslos auf dem Erdboden. Sein moosgrünes und schwarz-gelb gesprenkeltes Federkleid verschmilzt perfekt mit den Farben des Untergrunds und macht ihn aus der Luft gesehen fast unsichtbar. Ein idealer Schutz vor den Attacken seines einzigen Feindes, dem Riesenadler. Nur ist dieser ohnehin schon vor Jahrhunderten wie viele neuseeländische Vogelarten ausgestorben. Und die Tarnstrategie erweist sich leider gegen den feinen Geruchssinn der eingeschleppten Raub- und Haustiere als völlig nutzlos. Denn die fast Uhu-großen Papageien können nicht fliegen und nutzen ihre Flügel eher zum Gewichtsausgleich bei gelegentlichen Klettertouren. Ihr süßlicher Eigengeruch verrät sie zudem meist schon von weitem.

Auf du und du


Von Mensch und Tier gejagt schien das Schicksal der seltsamen Eulenpapageien am Anfang der 1970er bereits besiegelt zu sein. Nur ein paar wenige Männchen hatten in isolierten Gegenden des Fjordlandes auf der südlichen Hauptinsel überlebt. Doch ein Hoffnungsschimmer glimmte auf, als 1977 auf Steward Island, der drittgrößten Insel Neuseelands, mehr als 200 Kakapos gefunden wurden - unter ihnen vor allem auch fortpflanzungsfähige Weibchen. Damit liefen die ersten Schutzmaßnahmen des Department of Conservation für den Erhalt der Eulenpapageien an. Doch das Überleben in freier Wildbahn blieb weiter ein Balanceakt.

Regierung und Naturschützer mussten zu einer ungewöhnlichen, aufwendigen und kostspieligen Maßnahme greifen. Alle noch lebenden Kakapos wurden eingefangen und auf Maud Island vor der Nordspitze der Südinsel und Codfish Island westlich von Stewart Island umgesiedelt. Zuvor hatte man die beiden kleinen Inseln von allen möglichen Feinden der Papageien gesäubert. Alle Tiere bekamen einen Namen und wurden mit einem Sender ausgestattet, um jederzeit ihre Identität und ihren jeweiligen Standort zu bestimmen.

Kletterkünstler

Liebe geht durch den Magen


Doch wie einst der Schriftsteller Douglas Adams in seinem Buch "Die letzten ihrer Art" beschrieb, scheinen die exzentrischen Kakapos alles darauf anzulegen den Wettlauf mit der Evolution zu verlieren. Schuld daran ist vor allem der recht komplizierte Fortpflanzungszyklus dieser ausgewiesenen Einzelgänger. Denn die Paarungsbereitschaft der Weibchen ist abhängig von der massenhaften Reifung der Früchte des seltenen Rimusbaumes.

Dieser Nadelbaum produziert jedoch nur etwa alle vier bis fünf Jahre überdurchschnittlich viele Früchte, mit dessen Saft die Weibchen ihre Jungen füttern. Reifen bedingt durch schlechtes Wetter in einem Jahr zu wenig Früchte heran, sterben die Jungtiere. Denn auf der Suche nach Nahrung muss die alleinerziehende Mutter immer länger das unterirdische Gelege oder die Küken verlassen. Kommt sie nicht rechtzeitig zurück, droht ihr Nachwuchs im Nest an Unterkühlung zu sterben oder fällt der Kiore-Ratte zum Opfer. Diese erreichen nämlich auch schwimmend die fast menschenleeren Schutzinseln.

Leibwächter in Alarmbereitschaft


Trotz aller Bemühungen erlebte die Population der Kakapos 1995 mit nur 51 überlebenden Eulenpapageien seinen bis dato absoluten Tiefpunkt. Seitdem wird jeder Vogel, jedes Ei und jedes Nest Tag und Nacht bewacht. Mit Kameras und ausgefeilten Techniken kontrollieren Zoologen und Naturschützer die Nester, die meist in unterirdischen Erdhöhlen angelegt sind. Den in nächster Nähe campierenden freiwilligen Helfern signalisieren Klingeltöne, wann das Weibchen nachts kommt und geht. Bleibt es auf der Suche nach der in manchn Jahren nicht gerade üppig wachsenden Nahrung zu lange weg, werden den Eiern oder Küken kleine Heizkissen untergelegt, um sie warm zu halten.

Ein ganzes Team von Mitarbeitern ist damit beschäftigt die Kiore-Ratte zu jagen und organisiert auszurotten. Selbst vor den Nestern wurden ferngesteuerte Knallfrösche installiert, um im Fall der Fälle die unliebsamen Feinde zu vertreiben. Jahr für Jahr wird der Gesundheitszustand jedes einzelnen Kakapos gecheckt und akribisch dokumentiert. Ist trotzdem ein Vogel mal in Gefahr, wird ein Hilfstrupp losgeschickt, um den arglosen Vogel zu versorgen. Eine Art Hilfe zur Selbsthilfe sind dagegen die ausgefeilten Futterstationen. Mit zusätzlich angebotener Nahrung wird versucht, die Libido der Eulenpapageien anzuregen. Kann sich ein überfordertes Weibchen einmal nicht ausreichend um seinen Nachwuchs kümmern, werden die Eier künstlich ausgebrütet und die Vögel mit der Hand aufgezogen.

Lohnt sich überhaupt soviel Aufwand für nur eine Vogelart? Der Erfolg scheint den Naturschützern recht zu geben. Im Jahr 2002 schlüpften 24 Küken, neun Männchen und 15 Weibchen. Damit steigerte sich die Population in nur einer Brutsaison um 39 Prozent auf ganze 86 Kakapos. Die Überlebensrate der Jungtiere liegt bei optimalen 100 Prozent. Und noch eine erfreuliche Nachricht war 2003 zu vermelden: Hoki, das erste in Gefangenschaft aufgezogene und wieder ausgesiedelte Kakapo-Weibchen hatte zum erstenmal Nachwuchs.

Steckbrief



  • Familie: Eulenpapageien (Strigopidae)



  • Wissenschaftlicher Name: Strigops habroptilus



  • Verbreitung: Chalky Island und Codfish Island, Neuseeland



  • Lebensdauer: bis 60 Jahre



  • Körperhöhe: bis 60 Zentimeter



  • Körpergewicht: Männchen ein bis vier Kilogramm, Weibchen bis 1,9 Kilogramm



  • Ernährung: je nach Saison Früchte, Beeren, Samen, Wurzeln...



  • Fortpflanzung: alle vier bis fünf Jahre ein bis zwei Küken; Früchte des Rimusbaumes stimulieren zur Balz



  • Besondere Merkmale: flugunfähig, nachtaktiv, Einzelgänger, Bodenbewohner


  • Natürliche Feinde: Riesenadler (ausgestorben), verwilderte Haustiere, Ratten, Wiesel...


  • Bestand: 86 Vögel !!!

Stand 30.09.2003