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Freitag, 10.02.2012
Blut ist nicht gleich Blut
Das System der Blutgruppen

Wenn jemand dringend eine Transfusion braucht, bestehen die Ärzte zunächst auf der Bestimmung der Blutgruppe. Warum ist es so wichtig, dass der Patient Blut derselben Blutgruppe erhält? Vor der Entdeckung der Blutgruppen wurden Blutübertragungen nur sehr selten durchgeführt, weil sie oft tödlich endeten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren sie deswegen in den meisten europäischen Ländern sogar untersagt.

Da hin und wieder aber doch Transfusionen von Erfolg gekrönt waren, überlegte sich der Wiener Arzt Karl Landsteiner, ob ein wie auch immer geartetes System dahinter steckt. Er entnahm sich selbst und fünf seiner Mitarbeiter Blut und mischte es in allen Kombinationen. Aus den Ergebnissen leitete er 1901 das System der Blutgruppen ab, für das er später sogar den Nobelpreis bekam.

 Blutverträglichkeiten
Blutverträglichkeiten
© MMCD  Blutverträglichkeiten
Landsteiner entdeckte, dass das Serum der Blutgruppen A, B und 0 bestimmte „Verklumpungsstoffe“ enthält, die sich an die roten Blutkörperchen anderer Blutgruppen anlagern und diese so miteinander verkitten, dass die Blutgefäße verstopft werden. Dabei handelt es sich um Proteine an der Oberfläche der roten Blutkörperchen, die als Antigene wirken. Erythrocyten mit einer anderen Oberflächenzusammensetzung werden als Fremdkörper erkannt und bekämpft. Das funktioniert nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip. Lymphocyten bilden die passenden Antikörper, die an die fremden Antigene andocken und einen unlöslichen Komplex bilden.

Rhesusfaktor
Landsteiners Erkenntnisse revolutionierten die damalige Medizin und waren unter anderem bei der Behandlung von Verwundeten im ersten Weltkrieg von großem Nutzen. Ab und zu traten aber immer noch unerklärliche Komplikationen auf, die ihn dazu veranlassten, sein Wissen über das rote Lebenselixier noch weiter zu vertiefen. Im Jahr 1940 entdeckte er schließlich bei Experimenten mit Rhesusaffen, dass es noch ein Merkmal gibt, das an der Verträglichkeit beteiligt ist. Der Forscher isolierte einen weiteren Bestandteil der Zellmembran von roten Blutkörperchen, den er Rhesusfaktor nannte.

Rhesusaffe 
Rhesusaffe
© NASA
Dabei geht es nach dem Prinzip Haben (Rh+) oder nicht Haben (Rh-). Doch wieso entscheidet der Rhesusfaktor darüber, ob das Blut für einen Patienten geeignet oder gefährlich ist? Spendet jemand mit positivem Rhesusfaktor für eine Person mit negativem Rhesusfaktor, besteht bei dem Patienten die Gefahr der Hämolyse. Dabei kommt es zu einer totalen Zerstörung von roten Blutkörperchen. Weil die Zellen des Patienten den Rhesusfaktor nicht haben, erkennen sie ihn auf den Spenderzellen als Fremdkörper und bekämpfen die Zellen entsprechend. Das heißt, sie produzieren Antikörper gegen den Rhesusfaktor. Der Antigen-Antikörper-Komplex signalisiert bestimmten Immunzellen, dass ein Fremdkörper eingedrungen ist. Diese spezialisierten T-Killerzellen zerstören den Komplex und entfernen ihn aus dem Körper. Nach der Auflösung der Zellmembran kommt es zur Ausschwemmung von Hämoglobin. Andersherum besteht das Problem jedoch nicht. Rh+ Patienten können also ohne Probleme Blut von Rh- Patienten empfangen.

Risiko bei Schwangerschaft
Der Rhesusfaktor spielt aber auch bei Schwangerschaften eine wichtige Rolle. Beim ersten Kind geht normalerweise alles gut. Aber, wenn eine Rh- Mutter bereits ein Rh+ Kind zur Welt gebracht hat, haben sich in ihrem Blut Antikörper gegen Rh+ gebildet. Wird sie nun erneut schwanger, und zwar wieder mit einem Rh+ Kind, dringen die Antikörper durch die Plazenta und können das Blut des Kindes hämolysieren. Diese Rhesusunverträglichkeit war früher häufig die Ursache für Totgeburten. Heutzutage impfen Mediziner die Mütter sofort nach der Geburt des ersten Kindes mit anti-Rh Antikörpern, so dass die fremden Erythrocyten zerstört werden, bevor das Immunsystem Abwehrzellen gegen das Blut des Kindes bilden kann. Bei einer weiteren Schwangerschaft wird diese Impfung zusätzlich in der 28.-30. Schwangerschaftswoche wiederholt.

Forscher haben mittlerweile 20 verschiedene Blutgruppen beim Menschen identifiziert. Das AB0-System und das Rhesus-System gehören zu den gängigsten.

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