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Freitag, 10.02.2012
Attacken auf das Immunsystem
Wenn harmlose Erreger tödlich wirken

Was für Achilles die Ferse war, ist beim heutigen Menschen das Immunsystem. Es schützt uns vor Infektionen, aber wehe, wenn es selbst defekt ist. „Wunder Punkt“ sind die weißen Blutkörperchen, denn zu ihnen gehören die Zellen, die bei der Abwehr von Krankheitserregern in vorderster „Front“ stehen. Werden sie geschädigt oder zerstört, sind die Auswirkungen verheerend. Wenn das Immunsystem erst einmal außer Kraft gesetzt ist, ist der Körper anfällig für Viren, die er unter normalen Umständen als harmlos abschmettern würde.

AIDS
Das ist die Ursache der Immunschwäche AIDS, die Forscher aufgrund der Opferzahlen inzwischen mit der Pest im 14. Jahrhundert vergleichen. Fieberhaft versuchen sie die Krankheit zu bekämpfen, die sich besonders auf dem afrikanischen Kontinent immer weiter ausbreitet.

Lymphocyt mit HI-Virus 
Lymphocyt mit HI-Virus
© CDC
Verursacher ist das HI-Virus, ein Retrovirus, dessen Erbinformation in Form von RNA vorliegt, aber als DNA in das Genom der Wirtszelle eingebaut wird. Dieser Einbau in die körpereigene Erbinformation macht es nur schwer möglich, das Virus zu eliminieren. Zur Vermehrung benötigt es Körperzellen, die einen bestimmten Rezeptor - CD4 - auf der Oberfläche tragen. Beim Menschen sind das vor allem die T-Helferzellen, die für die zelluläre Immunabwehr zuständig sind. Nachdem das Virus seine Erbinformation in den Zellkern der Helferzelle eingebaut hat, zwingt es diese, neue Befehle anzunehmen. Anstelle von Botenstoffen, die die Immunantwort koordinieren, produziert die T-Helferzelle nun so lange HI-Viren, bis sie stirbt. Die dabei freigesetzten HI-Viren befallen dann andere T-Helferzellen und nutzen sie für ihre eigenen Zwecke.

 HIV befallener Lymphocyt
HIV befallener Lymphocyt
© NIC
In dieser Zeit findet ein ständiger Kampf zwischen Viren und Immunsystem statt. Die befallenen T-Helferzellen bringen pro Tag etwa zehn Milliarden Viren hervor, gleichzeitig stirbt jeden Tag eine Milliarde T-Helferzellen, die vom Körper ersetzt werden muss. Dies geht eine zeitlang gut, dann ist der Körper jedoch nicht mehr in der Lage, die ausreichende Menge an T-Helferzellen zu produzieren, um den täglichen Verlust auszugleichen. Ab diesem Zeitpunkt funktioniert das Immunsystem nicht mehr und der Patient wird anfällig für andere Krankheitserreger.

Nach etwa acht bis zehn Jahren können verschiedene Krankheiten infolge des geschwächten Immunsystems auftreten. Von AIDS spricht man definitionsgemäß, wenn die Anzahl der CD4-Zellen unter 200 pro Mikroliter gefallen ist. Das heißt, der Körper wird anfällig für Krankheiten, die so gravierend sind, dass sie zum Tod führen. Inzwischen ist die medizinische Forschung soweit fortgeschritten, dass man diesen Schritt verzögern und Komplikationen vermeiden kann. Eine Heilung ist jedoch immer noch nicht möglich.

Heilung in Sicht?
Zur Zeit konzentrieren sich die Forschungen auf die Entwicklung eines Impfstoffs. Die weltweit erste Phase-III-Studie wurde jedoch im Februar 2005 eingestellt, weil der Impfstoff nicht die erhoffte Wirkung gezeigt hat. Die Teilnehmern hatten Injektionen mit dem Eiweißmolekül gp120 erhalten. Damit verschaffen sich HI-Viren während der Infektion Zutritt zu den Immunzellen. Im selben Monat entdeckten Wissenschaftler des Children’s Hospitals in Boston und der Harvard Universität, wie gp120 seine Form ändert, sobald es an den CD4-Rezeptor bindet. „Das Wissen, wie gp120 seine Form ändert, führt uns in eine neue Richtung auf dem Weg HIV zu unterdrücken, indem wir Wirkstoffe einsetzen, die den Formwechsel hemmen“, sagt der Leiter der Studie Stephen Harrison und hofft, damit nun neue Ansätze bei der Entwicklung eines Impfstoffs zu finden.

Verbreitet wird das HI-Virus durch alle Formen von Körperkontakt, bei denen es zum Blutaustausch kommt. Erhöhte Gefahr bestand lange Zeit vor allem auch durch verseuchte Blutkonserven. Inzwischen gehören HIV-Screens jedoch zu den Standardprozeduren bei Blutspenden. Trotzdem besteht immer noch ein gewisses Restrisiko, da es nach der Ansteckung einige Wochen dauert, bis sich Antikörper im Blut bilden. Erst dann lassen sie sich durch den HIV-Test nachweisen.

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