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Donnerstag, 17.05.2012
Strukturschwaches Ruhrgebiet
Handeln ist angesagt

Die zersplitterte Verwaltungsstruktur des Ruhrgebiets und die bestehenden Interessenskonflikte der Städte führen zu zahlreichen Problemen: Chaotische Verkehrsverhältnisse, städtebauliche Fehlplanungen, wirtschaftliche Misserfolge. Der Handlungsbedarf wird immer dringlicher, denn in einer globalisierten Welt werden sich die Rahmenbedingungen von heute in den nächsten Jahrzehnten grundlegend geändert haben. Bislang hat das Ruhrgebiet für Großstadtprobleme nur kleinstädtische Lösungen parat.

Das Ruhrgebiet ist nach Kriterien der EU eine "Ziel-2-Region". Eine Industrieregion mit rückläufiger Entwicklung, in der die Beschäftigungsstruktur einen hohen Anteil an Industriebeschäftigen aufweist und die Arbeitslosigkeit über dem Landesdurchschnitt liegt. Etwa 14 Prozent der Ruhrgebietler sind derzeit arbeitslos. 200.000 neue Arbeitsplätze müssen laut Wirtschaftsminister Schwanhold bis 2006 geschaffen werden, damit das Revier den Anschluss an die anderen Regionen im Bundesland schafft.

Prognosen zurfolge wird sich die Einwohnerzahl in den nächsten 15 Jahren um 7,5 Prozent verringern. Im Jahr 2015 werden nicht mehr wie bisher 5,5 Millionen, sondern nur noch fünf Millionen Einwohner im Revier leben. Durch den Rückgang werden die Städte große finanzielle Verluste hinnehmen müssen. Rund 750 Euro zahlt das Bundesland NRW den Städten jährlich pro Einwohner. Doch den Städten geht nicht nur Geld verloren. Insbesondere junge, gut ausgebildete Menschen verlassen aus Mangel an qualifizierten Arbeitsplätzen das Revier. Die Arbeitslosigkeit stellt einen Hauptgrund für den Bevölkerungsschwund dar.

Mehrere Millionen Euro fließen jährlich zur wirtschaftlichen und sozialen Umstrukturierung, für Umschulungs- und Qualifizierungs-maßnahmen ins Revier. Nicht nur die EU, auch andere europäische Gemeinschaftsinitiativen gestalten den Strukturwandel erheblich mit. Die EU-Strukturhilfen übertreffen in NRW inzwischen die Zahlungen des Bundes. Allein für das Ziel-2-Programm flossen von 1994 bis 1999 etwa 7,5 Millionen Euro ins Ruhrgebiet. Doch die EU-Töpfe, auf die das Ruhrgebiet noch zugreift, versiegen bald, denn das Ziel-2-Programm läuft 2006 aus.

Wenn das Ruhrgebiet den Strukturwandel künftig aus eigener Kraft vollbringen muss, ist ein gemeinsames Wirken der Städte unumgänglich. Es muss eine Einheit werden, um eine sinnvolle Arbeitsteilung unter den Städten zu erreichen. Dies ist Vorraussetzung um konkurrenzfähig zu bleiben und sich mit anderen Regionen messen zu können.

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