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Freitag, 10.02.2012
Aus reich mach arm
Wie der Krieg um Rohstoffe Potentiale ruiniert

Nigeria ist ein reiches Land, trotzdem leben 45 Prozent der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Zwei Aussagen, die nicht zu einander passen wollen. Das Land im Westen Afrikas verfügt über enorme Vorkommen an Erdöl. Als Nigeria 1960 die Unabhängigkeit erhielt, galt es daher als das Land mit dem höchsten Entwicklungspotential in Afrika. Auch wenn Nigeria heute an zehnter Stelle der erdölfördenden Länder steht, an den Profiten verdienen seit Jahrzehnten hauptsächlich die großen Ölkonzerne und die jeweiligen Machthaber des Staates. Und weil viele Einheimische erkennen, dass es was zu holen gibt, wird seit Jahrzehnten um die Macht im Land gekämpft.

Soldat 
Soldat
© Till Mayer / DRK
Bereits 1967 endete dieser Kampf in einem blutigen Bürgerkrieg zwischen zwei der größten Völker Nigerias. Der dreijährige Krieg forderte etwa eine Millionen Todesopfer und bescherte Nigeria eine der größten Armeen Schwarzafrikas.Sechs Militärdiktaturen waren seither an der Macht unterbrochen nur von einer kurzen Phase einer demokratischen Regierung Anfang der 80er Jahre. Und alle Diktatoren ließen viel Geld aus den Einnahmen der Ölförderung in die eigenen und die Taschen ihrer Gefolgsleute fließen. Die Bevölkerung hingegen profitiert bis heute nur wenig vom Reichtum des Landes. Sie haben zudem mit den ökologischen Folgen des Ölgeschäfts im Nigerdelta zu kämpfen. Als Anfang der 90er Jahre mit dem Stamm der Ogoni erstmals eine kleines Volk aufbegehrte und Forderungen an die Regierung und die Konzerne stellte, wurde ihr Aufstand blutig niedergeschlagen und ihre Anführer ermordet.

Nigeria ist kein Einzelfall. Das Heidelberger Institut für Konfliktforschung zählte im Jahr 2000 weltweit 144 Konflikte, von denen zwölf als Kriege und weitere 24 als gewaltsame Krisen eingestuft wurden. Von diesen 36 Konflikten wurden nur zwei nicht in Entwicklungsländern ausgetragen. Besonders betroffen ist Afrika, allein zwei Drittel aller Kriege fanden 2000 hier statt.

Einer der größten Konflikte schwellt seit 1994 in Zentralafrika in der Demokratischen Republik Kongo Als im August 1998 Rebellen in Kinshasa einmarschierten, um den Diktator Kabila zu stürzen, brach ein Krieg aus, bei dem sowohl die kongolesiche Regierung als auch Rebellen von anderen Ländern Afrikas unterstützt wurden. Die damalige US-Außenministerin Albright sprach vom "Ersten Weltkrieg Afrikas". Mindestens sechs Staaten und acht Rebellengruppen sind in den Krieg verwickelt. Während die Regierung militärische Hilfe aus Angola, Simbabwe und Namibia erhält, werden die Rebellengruppen von Ruanda und Uganda unterstützt. Gekämpft wird um den politischen Einfluss und die Kontrolle von Land, denn auch der Kongo ist reich an Bodenschätzen. Diamanten, Gold und das für die Halbleiterindustrie so wichtige Mineral Coltan versprechen gute Gewinne. Längst kontrollieren die einzelnen Staaten Lagerstätten beziehungsweise haben sich Rechte von der kongolesischen Regierung zusichern lassen, als "Lohn" für die militärische Unterstützung.

 Flüchtlinge
Flüchtlinge
© Till Mayer / DRK
Der Krieg trifft die Bevölkerung hart, zwei Millionen sind auf der Flucht. Viele leiden an Hunger und die Wirtschaft des Landes liegt brach. Hoffnungen auf Lösung der Konflikte in Nigeria und im Kongo sind nicht unbegründet, aber unsicher. In Nigeria gibt es seit Anfang 2000 wieder eine demokratische Regierung, die mit dem Ziel angetreten ist, die Situation der Bevölkerung zu verbessern. Doch immer wieder brechen kleinere Konflikte aus, zuletzt zwischen Christen und Muslimen. Im Kongo will der neue Präsident Joseph Kabila den Krieg beenden, aber der Dialog zwischen den beteiligten Parteien geht nur schleppend voran. So schüren Rohstoffe in den Entwicklungsländern und besonders in Afrika oft Konflikte, obwohl sie eigentlich das Potential für ein Land bilden.

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