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Freitag, 10.02.2012
Fünf Welten in der einen Welt
Wie die politischen Umbrüche der 90er Jahre die Einteilung der Welt veränderten

In den 50er und 60er Jahren wurde die Welt aufgeteilt in eine Erste, Zweite und Dritte Welt. Die Erste Welt bildeten die Länder Nordamerikas, Westeuropas, Japan, Australien und Neuseeland, die Zweite umfasste die damaligen Ostblockstaaten und die Dritte Welt war der Sammelbegriff für die sogenannten Entwicklungsländer. Um den wachsenden Unterschieden zwischen den Entwicklungsländern gerecht zu werden, gliederten ab den 70er Jahren Organisationen wie Weltbank und UNO die Dritte Welt in weitere drei Ländergruppen auf. Während die Weltbank seitdem Entwicklungsländer mit niedrigem Einkommen, mittlerem Einkommen und Ölexporteure mit hohen Einkommen unterscheidet, bildete die UNO die zwei zusätzlichen Gruppen Least Developed Countries (am wenigsten entwickelte Länder) und Newly Industrializing Countries (Schwellenländer).

Fünf Welten 
Fünf Welten
© A. Gnauk  Fünf Welten
Diese Einteilung der Fünf Welten wird bis heute verwendet. Doch sie ist angesichts der weltwirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in den 90er Jahren überholt. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks gibt es die Zweite Welt eigentlich nicht mehr, selbst wenn diese Länder oft noch als eigene Gruppe unter Titeln wie "ehemalige kommunistische Länder" oder "Transformationsländer" geführt werden.

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts verband sich die Hoffnung, dass dies auch positive Auswirkungen auf die Entwicklungsländer haben und ihnen weltpolitisch eine größere Bedeutung zukommen würde. Schließlich fiel ja der Kampf von Ost und West um politischen Einfluß auf Staaten der Dritten Welt weg. Das internationale politische Gewicht hat sich jedoch auch nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Länder nicht in Richtung Dritte Welt verschoben. Nach wie vor bestimmen in erster Linie die Beziehungen der Industriestaaten untereinander das politische Geschehen, hinzu kommt die krisenhafte Entwicklung der ehemaligen Ostblockstaaten. Sie sind zum Empfänger hoher finanzieller Hilfen der westlichen Staaten und damit zu Konkurrenten der Entwicklungsländer geworden. Dennoch wird mit zunehmender Globalisierung klar, dass sich alle Welten in der einen Welt befinden und in gegenseitiger Abhängigkeit leben. Zwei Drittel aller Staaten zählen zu den Entwicklungsländern. In ihnen leben vier Fünftel der Weltbevölkerung, sie erbringen aber nur ein Fünftel der Weltwirtschaftsleistung. Entsprechend groß ist ihre Abhängigkeit von den Industrienationen, aber auch ihre Bedeutung für die gesamte Welt.

Alarmierend ist auch die wachsende Kluft zwischen den Entwicklungsländern selbst. Während die Schwellenländer, die sich fast ausschließlich auf Lateinamerika und Süd-Ost-Asien konzentrieren, auf eine zunehmende Industrialisierung verweisen können, scheint Afrika, wo über die Hälfte aller Länder zu den ärmsten Entwicklungsländern zählen, in immer tiefere Armut zu versinken.

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