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Freitag, 10.02.2012
Wenn Projekte scheitern
Über den Sinn und Unsinn einer Hilfe von außen

In einem Dorf in Gambia führten Entwicklungshelfer im Rahmen eines Programms eine neue Reissorte ein, die nur vier Monate statt bisher fünf bis zur Reife benötigt. Die Frauen, die die Felder bestellen, erkannten den Vorteil und bauten die neue Sorte an. Doch der Reis reifte in nur wenigen Tage und musste deshalb schneller geerntet werden. Zuvor hatten sie pro Tag vier bis fünf Kilo mit dem Küchenmesser geschnitten und zu Sträußen gebunden auf dem Kopf nach Hause getragen. Um die Ernte zu beschleunigen empfahlen die Berater Sicheln zu verwenden. Rasch lernten die Frauen den Umgang und brachten die Ernte nun schneller ein.

Aber die großen Mengen konnten sie nicht mehr auf dem Kopf nach Hause transportieren und auch die Speicher in den Hütten waren zu klein. Der Reis musste daher sofort gedroschen werden. Die Dorfhandwerker bauten dazu tragbare Dreschmaschinen. Der gedroschene Reis sollte schließlich in Säcken abgefüllt werden, doch viele Frauen lehnten dies ab. Erst nach und nach wurde den Entwicklungshelfern der Grund dafür klar. In dem islamisch geprägten Dorf wurde der zehnte Teil der Ernte der Gemeinschaft zugeführt. Bisher stellten die Frauen jeden zehnten Strauß zur Verfügung, doch ein Zehntel von einem Sack ließ sich schwer bestimmen. Als Lösung füllten sie schließlich den Reis mit Tassen in die Säcke, wobei sie jede zehnte Tasse als Spende abgaben.

Bäuerin 
Bäuerin
© Welthungerhilfe
Dieses Beispiel macht deutlich, dass jede Neuerung, die von außen in eine andere Kultur getragen wird, meist weitere Schritte nach sich zieht. Oftmals scheitern Projekte an kleinen Dingen, da die Vorschläge von der Bevölkerung nicht angenommen werden. Was den Entwicklungshelfern sinnvoll erscheint, kann in anderen Kulturen und in einer anderen Umgebung abwegig sein. Dies gilt umgekehrt ebenso. Es ist daher wichtig, die kulturellen Systeme in der Region des Entwicklungsprojektes zu kennen und die Bevölkerung von Beginn an in die Planungen einzubeziehen. Auch Kenntnisse der einheimischen Sprache sind entscheidend, denn Kontakte und die gemeinsame Arbeit werden so offener und direkter. Seit Mitte der 80er Jahre haben daher Prinzipien wie Hilfe zur Selbsthilfe und Partizipation, also die aktive Beteiligung der Einheimischen, Einzug in die Entwicklungszusammenarbeit gehalten. Zunehmend werden Projekte auch gänzlich von einheimischen Fachkräften und den auch in Entwicklungsländern inzwischen zahlreich vertretenen Nichregierungsorganisationen initiiert, geplant und durchgeführt. Aus dem Ausland kommen dabei oft nur noch die finanziellen Mittel. Die Unterstützer sind hier meist ebenso NRO. Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit hingegegen läuft auch heute größtenteils noch über die staatlichen Strukturen im Entwicklungsland.

Entwicklungshilfe, ihre Prinzipien und die Durchführung, stehen nach wie vor in der Kritik, denn gemessen an den Erwartungen, Hoffnungen und Aufwendungen haben die Ergebnisse viele enttäuscht. Kritiker sehen in der Entwicklungshilfe häufig eine Fortführung der Abhängigkeit der Entwicklungsländer, die Eigenanstrengungen blockiere. Die Staaten der Dritten Welt selbst unterstreichen hingegen die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit. Für eine wirksame Hilfe ist letztlich eine nachhaltige Entwicklung über das Projektende hinaus sehr entscheidend.

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