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Freitag, 10.02.2012
Überblick
Das Wichtigste in Kürze

  • Algen bilden die Nahrungsgrundlage für alle Tiere im Wasser, sie sind die wichtigsten Biomasseproduzenten.


  • Algen binden Kohlendioxid und produzieren die Hälfte des Sauerstoffs in der Atmosphäre.


  • Ein ungehobener Schatz schlummert unter Wasser: nur 500 der 35.000 Algenarten nutzt der Mensch und die Nutzungsmöglichkeiten sind längst noch nicht alle erforscht.


  • Algen sind Photosynthese betreibende, meistens im Wasser lebende Pflanzen. Ihre Vielgestaltigkeit ist beeindruckend: Von weinigen Mikrometern großen Einzellern bis hin zu mehrere Meter langen Makroalgen, den so genannten Tangen. Nach dem Gehalt an verschiedenen Farbstoffen werden sie unterteilt in Grünalgen, Braunalgen, Rotalgen und Blaualgen. Die Blaualgen gehören verwandtschaftlich eher zu den Bakterien, deshalb auch die Bezeichnung Cyanobakterien.


  • Algen enthalten über tausend organische Substanzen: Proteine mit allen essentiellen Aminosäuren, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Vitamine, Fette und ungesättigte Fettsäuren, Mineralstoffe und Spurenelemente, Pigmente und Jod. Allerdings filtern sie auch Schwermetalle aus dem Wasser und lagern sie ein.


  • Traditionell und vielseitig nutzen die Menschen in Ostasien Tange als Nahrungsmittel: in Suppen und Soßen, getrocknet zum Knabbern oder für Sushi-Röllchen. In Europa hält sich die Begeisterung eher in Grenzen und bleibt auf wenige Spezialitäten wie Sushi beschränkt.


  • In und zwischen ihren Zellwänden enthalten Algen Gel bildende Phykokolloide, die ihnen die nötige Flexibilität verschaffen. Die bekanntesten sind Alginat, Agar, Carrageen. Sie sind als Verdickungs- und Bindemittel sowie Stabilisatoren in Nahrungsmitteln, Kosmetika und zahlreichen anderen Produkten zu finden.


  • Algen werden aufgrund ihrer zahlreichen Inhaltstoffe als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Sie sollen das Immunssystem stärken, den Körper entschlacken und dem Alterungsprozess entgegenwirken. Was davon stimmt, ist umstritten. Zumindest sollten Algen nicht an Stelle von Medikamenten eingenommen werden. Sie enthalten wahrscheinlich medizinisch wirksame Substanzen, doch die wissenschaftliche Untersuchung steht hier noch am Anfang.


  • Die Blaualge Aphanizomenon flos-aquae, kurz Afa-Alge, soll gegen das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom helfen und Psychopharmaka überflüssig machen. Tatsache ist jedoch, dass in Afa-Algenpräparaten sehr häufig Giftstoffe gefunden wurden. Die medizinische Wirkung ist ebenfalls nicht hinreichend untersucht.


  • Algen brauchen viel Licht um zu wachsen. Deshalb haben Wissenschaftler so genannte Photobioreaktoren entwickelt: Geschlossene Glasrohrsysteme, in denen die Algenkulturen permanent bewegt werden und so das Sonnenlicht optimal ausnutzen können. Die kostengünstige Massenproduktion von Mikroalgen soll so realisierbar sein.


  • Grünalgen sind unter bestimmten Voraussetzungen in der Lage, mit Hilfe des Enzyms Hydrogenase Wasserstoff zu produzieren. Die Ausbeute lohnt sich für eine wirtschaftliche Nutzung jedoch noch nicht. Wissenschaftler versuchen, den Prozess gentechnisch zu optimieren.


  • Wenn es klappt, Algen in großen Mengen kostengünstig zu produzieren, eröffnen sich zahlreiche industrielle Nutzungsmöglichkeiten: Farbstoffe, Schaumstoffe, Papierproduktion, Mikrofilter für Abwasser, Biodiesel, Tierfutterzusatz,...


  • Noch steckt die Blaue Biotechnologie hierzulande in den Kinderschuhen, obwohl Deutschland mit einer handvoll Bioreaktoren eine Spitzenposition im weltweiten Vergleich einnimmt. Aber die Nachfrage noch industriell verwertbaren Mikroalgen steigt und das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

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