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Mittwoch, 17.01.2018
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Winzlinge in tödlicher Mission

Pfeilgiftfrösche

Sie heißen Erdbeerfröschchen, Baumsteiger oder Blattsteiger und sind leuchtend grün, gelb, blau oder rot. Das klingt zunächst einmal ganz harmlos, aber die kleinen Amphibien haben es in sich. Oder besser auf sich. Denn in der Haut der Winzlinge befinden sich Drüsen, die eine artspezifische Giftmischung absondern, die sich auf der Körperoberfläche verteilt. Diese Toxine sind bei einigen der kleinen Frösche so giftig, dass sie sogar Menschen töten können.

Die Indianer Mittel- und Südamerikas, wo mehr als 200 verschiedene Arten der Amphibien im tropischen Regenwald leben, nutzen diese Tatsache und bestreichen ihre Jagdpfeile mit den Giften. Sie werden so zu tödlichen Waffen, um Affen oder andere Nahrung zu erlegen oder Stammesfehden auszufechten.

Besonders beliebt als Lieferant für Pfeilgift ist Phyllobates terribilis, denn er trägt seinen Namen „der Schreckliche“ nicht umsonst. Das Gift eines einzigen Frosches – so haben Forscher ermittelt – reicht aus um mehr als 10.000 Mäuse oder zehn bis zwölf Menschen zu töten.

Nervengifte mit durchschlagender Wirkung


Doch um welche Gifte handelt es sich und wie stellen die Pfeilgiftfrösche die toxischen Substanzen her? Bei Phyllobates terribilis sorgt vor allem das Batrachotoxin für die „mörderische“ Wirkung beim Opfer. Dabei handelt es sich um eine Substanz, die schon wenige Minuten nachdem sie in die Blutbahn gelangt zur Muskel- und Atemlähmung und damit letztlich zum Tod führt.

Das Erdbeerfröschchen dagegen besitzt so genannte Pumiliotoxine, die aber ähnlich giftig sind. Und bei Epipedobates tricolor ist das Epibatidin, das 200 Mal so stark wirkt wie Morphium, für die fatalen Folgen beim Froschgegner verantwortlich.

Nur gesammelt und nicht selbst gemacht…


Phyllobates terribilis

Phyllobates terribilis

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Winzlinge ihre Gifte selber herstellen. Doch Forscher der Universität von Miami haben im Jahr 2004 haben eine andere Quelle für die Gifte entdeckt: Die Tiere nehmen die Wirkstoffe mit der Nahrung auf.

Im Magen der Pfeilgiftfrösche fanden sie die Überbleibsel von bestimmten Ameisen, die über fast baugleiche Nervengifte verfügen wie die Amphibien. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Pfeilgiftfrösche diese Substanzen im Körper anreichern und anschließend über die Haut abgeben. Wie allerdings die Ameisen zu dem Gift kommen, ist bisher ungeklärt.

Die Entdeckung der U.S.-amerikanischen Wissenschaftler erklärt frühere Beobachtungen, wonach die kleinen Tiere in der Gefangenschaft ihre Toxine verlieren und zu harmlosen Terrarienbewohnern werden. Schuld daran ist eine Umstellung der Speisekarte in ihren künstlichen Lebensräumen, auf dem die Ameisen und damit auch ihre gefährlichen Alkaloiden völlig fehlen.

„Vorsicht giftig!“


Wer über solche starken Gifte verfügt, braucht sich nicht auch noch gut zu tarnen. Ganz im Gegenteil. Um potenzielle Feinde abzuschrecken, tragen viele Pfeilgiftfrösche schillernde Farben, die bereits von weitem signalisieren „Vorsicht giftig!“. Sogar innerhalb einer einzigen Art haben sich dabei verschiedene Spielarten entwickelt. So gibt es den Baumsteiger Dendrobates pumilio sowohl in rot oder blau, aber auch in blauroten Mischformen.

Die Hautgifte dienen jedoch nicht nur zur Abschreckung, sondern verhindern auch, dass sich krankmachende Bakterien und Pilze auf den Fröschen breitmachen können.

Anhand eines Erbgutvergleichs haben Wissenschaftler der Universität von Texas in Austin mittlerweile zudem geklärt, wie die winzigen Frösche im Laufe der Evolution zu gefährlichen Giftzwergen wurden. Juan Santos und seinen Kollegen sind dabei auf ein überraschendes Phänomen gestoßen.

Wie die Studienergebnisse belegen, gibt es offenbar keinen „Urpfeilgiftfrosch“ aus dem sich alle anderen entwickelten, sondern der Besitz von Hautgiften ist mehrmals parallel „erfunden“ worden. Dies ist umso erstaunlicher, da die Spezialisierung auf Ameisennahrung und die Ausbildung von grellen Farben und gefährlichen Giften jeweils Hand in Hand abgelaufen sein muss.

Stand: 18.03.2005
 
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