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Freitag, 10.02.2012
Dornen, Gifte, Zucker, Lotus-Effekt
Die Waffen der Pflanzen

Mindestens eine Million Insektenarten gibt es heute weltweit. Viele davon, rund ein Drittel, sind keine Kostverächter und zudem strenge Vegetarier und ernähren sich ausschließlich von Pflanzen. Hinzu kommen weitere 5.000 verschiedene Säuger, die zum Teil einen erstaunlichen Hunger an den Tag legen. So braucht jede der vielen Hundert Millionen Kühe täglich bis zu 70 Kilogramm Grünfutter.

Auch zahlreiche Pilze, Viren oder Bakterien machen den Pflanzen das Leben schwer. Auf Bäumen, Sträuchern und Blütenpflanzen finden sie perfekte Bedingungen vor, um sich zu vermehren oder mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen.

Kohlmotte 
Kohlmotte
© USDA
Doch viele Pflanzen sind dem Angriff der Parasiten keineswegs schutzlos ausgesetzt. Da sie nicht weglaufen können, haben sie andere, zum Teil außergewöhnliche Strategien entwickelt, um vor Schädlingen jeder Art sicher zu sein. Das beginnt bei simplen Auswüchsen ihrer „Haut“ oder umgewandelten Blättern wie Stacheln oder Dornen, die die Feinde abschrecken oder verletzen sollen. Ähnliches gilt für giftgefüllte Haare wie bei den Brennnesseln, die in die Haut eindringen, abbrechen und dann ihr unangenehmes Sekret abgeben.

Chemie ist Trumpf
Beliebt sind auch Einlagerungen oder Überzüge von Wachs auf Blättern oder Stängeln. Oft ragen sogar noch winzige Wachskristalle aus dieser einheitlichen Schutzschicht hervor, die manchmal schon mit bloßem Auge als reifartiger Überzug zu erkennen sind.

Wie Forscher festgestellt haben, sorgen sie manchmal auch für den so genannten Lotus-Effekt: Die rauen Strukturen lassen Wasser abperlen und entfernen dabei gleichzeitig Schmutzpartikel und krankmachende Keime. Die Wachskristalle machen die Oberflächen aber auch rutschig und damit für viele Insekten unpassierbar.

Im Laufe der Zeit haben sich Pflanzen aber auch noch ganz andere „Tricks“ einfallen lassen, um vom Gefressenwerden verschont zu bleiben. Giftstoffe in den Zellen, chemische Substanzen, die sie schwer verdaulich machen oder das Wachstum der Feinde verlangsamen gehören genauso dazu, wie Duftstoffe oder Zuckerüberzüge auf den Blättern. Letztere rufen „befreundete“ Armeen der Pflanzen zu Hilfe, die die Fraßfeinde verspeisen oder vertreiben sollen.

Mittlerweile haben Wissenschaftler viele der chemischen „Waffen“ der Pflanzen identifiziert. Das Wissen darum, wer welche Gifte und chemischen Signalen als Feindabwehr benutzt und wie diese von den Pflanzenfressern wieder umgangen werden, nutzt nicht nur Evolutionsbiologen und Ökologen.

Auch für die Landwirtschaft lässt sich daraus Kapital schlagen. Pflanzenzüchter und Gentechniker versuchen in letzter Zeit immer intensiver, die Vorbilder aus der Natur zu benutzen und effektive Mittel zur biologischen Schädlingsbekämpfung herzustellen.

Schulden machen geht nicht
23,9 Milliarden Euro – der Verteidigungsetat der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2005 ist trotz Wirtschaftsflaute hoch. Doch nicht nur Schröder, Eichel und Co. müssen sich Gedanken, um die Höhe ihrer Ausgaben machen, bei Pflanzen ist das nicht anders. Auch diese Organismen stehen vor der Entscheidung, wie viele der vorhandenen Ressourcen für das Wachstum, die Fortpflanzung oder die Verteidigung ausgegeben werden können oder sollen. Anders als in der Politik scheidet dabei das beliebte Mittel „Schulden machen“ aus, um eine vorhandene Misswirtschaft zu kaschieren.

Konflikte bei der Verteilung der Mittel sind deshalb auch im Pflanzenreich vorprogrammiert…

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