Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Hartes Wasser, weicher Stein
Die Sache mit dem CO2

Kalzit-Kristalle 
Kalzit-Kristalle
© Berthold Weber
Der namensgebende Bestandteil im Kalkstein ist Kalzium. Es ist eines der häufigsten Elemente auf der Erde – lebenswichtig für Organismen, und im Boden wie in Gesteinen fast allgegenwärtig. Kalzium-Atome und die elektrisch geladenen Ionen sind hochreaktiv. Aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften lösen sie sich unter bestimmten Umständen sehr leicht aus bestehenden Verbindungen heraus. Ebenso schnell gehen sie aber auch wieder neue Beziehungen ein.

 Mineralwasser mit Kohlensäure
Mineralwasser mit Kohlensäure
© Pilsak, GNU FDL
Das Medium für diesen ständigen Wandel ist Wasser. Denn Kalzium ist löslich, das heißt, Wasser kann eine bestimmte Menge an ungebundenem Kalzium aufnehmen. Je nachdem, wie viel Kalk darin enthalten ist, gilt es als hart oder weich. Sehr hartes Wasser enthält über 200 Milligramm Kalzium pro Liter, weiches dagegen nur etwa 70 Milligramm.

Wie aber kommt das Kalzium ins Wasser? – Dafür sorgt das Kohlendioxid. Niederschlagswasser nimmt ständig CO2 aus der Atmosphäre auf. Deshalb ist auch im Bodenwasser, in Süß- oder Ozeanwasser gelöstes Kohlendioxid in Form von Kohlensäure enthalten. Weil die CO2-Konzentration im Niederschlagswasser im Gleichgewicht zu der in der Atmosphäre steht, ist Regen mit einem pH-Wert von etwa 5,7 immer leicht sauer.

Die Kohlensäure im Regen greift den im Gestein oder im Boden meist als Kalziumkarbonat (CaCO3) gebundenen Kalk an und löst das Kalzium heraus. Über mehrere Tausend Jahre hinweg kann sich Wasser so metertief in Kalkstein hineinfressen und ganze Höhlensysteme herausspülen. Die so genannte Lösungs- oder Kohlensäure-Verwitterung ist ein typisches Phänomen in kalkhaltigen Gesteinen und die Ursache dafür. Deshalb ist in gewöhnlichem Wasser immer auch Kalzium enthalten. Das Wasser nimmt allerdings nur so lange Kalk auf, bis es zu einem Gleichgewicht mit der Kohlensäure kommt.

Verkalkter Wasserhahn 
Verkalkter Wasserhahn
© Hermera Photo Objects
Wird das Wasser dann aber erhitzt oder gerät es unter geringeren Druck, entweicht gasförmiges Kohlendioxid. Plötzlich ist zuviel Kalk im Wasser, die Lösung ist mit einem Mal übersättigt. Durch den Verlust an Kohlendioxid, fällt ein Teil des Kalziums erneut in Form von Kalziumkarbonat aus. Deshalb sind vor allem die Heizstäbe an Waschmaschinen wahre Kalkfänger. Durch die hohe Temperatur des Wassers direkt an der Waschmaschinen-Heizung verflüchtigt sich CO2, so dass sich genau hier der Kalk absetzt.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Kalk
Über eine ungewöhnliche Allianz aus Wasser und Stein
Hartes Wasser, weicher Stein
Die Sache mit dem CO2
Die Kalk-Fabrik im Ozean
Eine Alge macht das Rennen
Stichwort Biomineralisation
Die Tricks der Kalk-Produzenten
Kalk-Recycling und Klimawandel
CO2 -Anstieg wirkt bis zum Meeresboden
Kalk heißt nicht immer Kalkstein …
… sondern auch Kreide, Dolomit oder Marmor
Wo die Donau in der Erde versinkt
Vom unterirdischen Fließen
Ausgelaugt und eingebrochen
Georisiko Karst
Frisch gezapft
Quellkalke und Tropfsteine
Türme in der Landschaft
Tropischer Karst und fossile Riffe
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen