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Mittwoch, 24.08.2016
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Gladiatoren auf sechs Beinen

Forscher entdecken 31. Insektenordnung

Die späte Entdeckung des lebenden Fossils Wollemi Kiefer ist beileibe kein Einzelfall. Ein paar Jahre später wurde im australischen Regenwald auch die Nightcap Eiche aufgespürt, die mindestens 20 Millionen Jahre alt ist. Und im Jahr 2002 war es dann ein Insekt das Furore machte:

„Gladiator“ – dies ist nicht der nur der Name eines blutrünstigen Römerepos von Hollywood-Regisseur Ridley Scott aus dem Jahr 2000, Gladiator steht auch für ein Jahrhundertereignis aus der Welt der Insekten.

Forscher vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön um den Diplombiologen Oliver Zompro haben zusammen mit Kollegen aus England, Südafrika und den USA im Jahr 2002 in Namibia erstmals seit 1915 eine neue Insektenordnung entdeckt.

Auf einer Expedition zum rund 2.600 Meter hohen Brandberg im Herzen der Erongo-Provinz, der für seine außergewöhnliche Fauna und Flora schon seit längerem bekannt ist, fanden die Forscher eine größere Population von räuberischen Insekten. Sie nannten die Tiere, die wie eine eigentümliche „Mischung aus Gottesanbeterin und Stabschrecken“ aussehen, Gladiatoren.

Gladiator in Baltischem Bernstein

Gladiator in Baltischem Bernstein

Doch die Gladiatoren gehören nicht nur einer bisher unbekannten Insektengruppe an, sie sind auch lebende Fossilien. Zompro war ein Jahr zuvor bereits in verschiedenen bis zu 45 Millionen Jahre alten Bernstein-Proben auf diese Lebensform gestoßen. Bis heute haben sie sich vom Äußeren her kaum verändert.

Für Entomologen wie Piotr Naskrecki, Direktor der „Invertebrate Diversity Initiative“ war das urplötzliche „Auftauchen“ der Gladiatoren so „als würde man heute ein Mammut oder einen Säbelzahntiger finden“.

Auf die Spur der lebenden Gladiatoren gebracht hatte das internationale Wissenschaftlerteam der Bremer Biologe Martin Wittneben. Im Sommer 2001 war ihm und dem Schweizer Hansueli Dubach im Rahmen einer Diplomarbeit über die „Vegetation des Inselgebirges inmitten der Namib-Wüste“ zufällig ein außergewöhnliches Insektenexemplar in die Hände gefallen.

Mit ihrem wertvollen Fund zurück in Deutschland wurde schnell klar, dass es sich um eine Entdeckung von größter Bedeutung handelte. Das Tier war selbst von eilig konsultierten Spezialisten wie Dr. Hartmut Koehler von der Universität Bremen keiner der bisher bekannten 30 Insektenordnungen zuzuordnen.

Sensation in der Welt der Insekten


Da Wittneben den wenig später zum Brandberg aufbrechenden Wissenschaftlern um Zompro den Fundort präzise beschreiben konnte, war es für die Entomologen nicht allzu schwer, die Gladiatoren aufzuspüren und damit für gehörigen Aufruhr in der Welt der Insektenkundler zu sorgen.

Und nicht nur am Brandberg hatten die Wissenschaftler Glück, auch der Kuduberg im nahe gelegenen Erongo-Gebirge beherbergte die seltenen Tiere und dazu gleich noch eine weitere bisher unbekannte Art der gleichen Ordnung. Wie später bekannt wurde hatten bereits 1998 und 2000 britische und namibische Wissenschaftler am Brandberg ebenfalls einige Exemplare der Gladiatoren eingesammelt, ohne aber ihre enorme Bedeutung für den Stammbaum der Insekten zu erkennen.

Forscher der Universität Leeds in Großbritannien und von der Brigham Universiät in Provo USA untersuchen zurzeit das Erbgut der Gladiatoren. Sie wollen beispielsweise wissen, an welcher Stelle die neu entdeckte Ordnung der so genannten Manthophasmatodea in den Stammbaum eingefügt werden muss.

Mittlerweile weiß man bereits einiges über die Lebensweise der Gladiatoren. Nach Ansicht der Wissenschaftler deuten beispielsweise Dornenreihen an den Vorder– und Mittelbeinen daraufhin, dass „die Tiere ihre Beute mit den Beinen festhalten, wie es auch manche insektenfressende, heuschreckenartige Vertreter (Orthoptera) tun.“

Stand: 10.12.2004
 
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