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Freitag, 10.02.2012
... der letzte seiner Art
Gefährdungen des Archipels

"Lonesome George" ist der letzte Vertreter einer Schildkröten-Art (Geochelone elephantopus abingdoni), die auf Pinta, einer kleinen, nördlich gelegenen Insel des Archipels über Jahrmillionen beheimatet war. Mit seinen 80 Jahren und der sorgsamen Pflege durch die Darwin Research Station hat hat er wohl noch einen Großteil seines Lebens vor sich. Doch der unwiederbringliche Verlust einer weiteren endemischen Art auf Galápagos ist sicher.

Ihren tragischen Verlauf nahm die Geschichte der Schildkröten mit den ersten Seefahrern. Die Eigenschaften der Tiere, die ihnen auf dem Archipel das Überleben gesichert hatten, machten sie besonders attraktiv. Bis zu einem Jahr konnten die Schildkröten ohne Wasser und Nahrung in den Laderäumen überleben und lieferten schmackhaftes Fleisch und Öl. Die weiblichen Tiere wurden zuerst dezimiert. Sie waren leichter als die Männchen, damit leichter zu transportieren und hielten sich zur Eiablage in den gut zugänglichen sandigen Küstenregionen auf.

Eine zweite Gefahr kam mit einer Besiedlungswelle auf. 1950 setzen Fischer auf Pinta Ziegen aus, die sich rasch vermehrten, die Vegetation zerstörten und unmittelbare Nahrungskonkurrenten für die unterlegenen Repitilien waren. Bevor George 1971 durch Ranger der Charles Darwin Research Station entdeckt wurde, waren zuletzt 1906 drei männliche Exemplare seiner Art auf der Insel registriert worden. Die Ziegen wurden zwar abgeschossen, doch die Art war nicht mehr zu retten. Heute verbringt George gemeinsam mit weiblichen Riesenschildkröten der Art Geochelone elephantopus becki in einem Gehege auf Isabella unter den wachsamen Augen der Ranger seinen Lebensabend.

Die Drusenköpfe, die Landechsen des Archipels, sind ebenfalls durch eingeschleppte Tiere in Gefahr. Wildernde Hunde der besiedelten Insel Santa Cruz vernichteten 1976 nahezu die gesamte Populaton der hier lebenden Landechsen. Nur das Nachzuchtenprogramm der Charles Darwin Research Station konnte den schweren Verlust wieder auffangen. Für zwei der insgesamt 13 Riesenschildkrötenarten hat die Station es erreicht, dass sie nicht mehr unmittelbar vom Aussterben bedroht sind.

Auf Galápagos wird Artenschutz für die einzigartige Flora und Fauna der Inseln groß geschrieben - nur vier Prozent der Inseln ist besiedelt, der Rest der Fläche ist Nationalparkgebiet - dennoch sind viele Veränderungen nur noch einzudämmen, aber nicht mehr rückgängig zu machen. Die vom Festland mitgebrachten Ratten verdrängen die endemischen Reisratten, in der Vegetation setzen sich verstärkt wüchsige Pflanzen wie Avocado und Chinarinde durch. Auf der Insel San Cristobal überwuchert heutzutage monotones Guavengestrüpp die Hochlandvegetation. "Natürliche" Katastrophen wie El Nino, der 1997/98 einen großen Teil der endemischen Pinguinpopulation vernichtete, tun ihr übriges.

Ein weiterer Faktor ist der Tourismus, der seit den fünfziger Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs erfahren hat. Vermeidung von Verschmutzung, Reduzierung des hohen Versorgungsaufwandes und Minimierung von Beeinträchtigung von Pflanzen- und Tierwelt verlangen logistische Höchstleistungen. Und auch diesen sind Grenzen gesetzt. 1996 bereisten 60.000 Touristen das kleine Archipel, und auch heute gibt es noch keine Zureisebeschränkungen. Es ist die Frage, wieviel ein ohnehin empfindliches und bereits angegriffenes Ökosystem auf Dauer verkraften kann...

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