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Freitag, 10.02.2012
Was Darwin nicht sah ...
Die Unterwasserwelt

"Das Leben im Meer um Galápagos kontrastiert so stark mit dem Leben an Land wie der tropische Dschungel mit der arktischen Region. Die Landlebewesen sind wenig zahlreich und düster gefärbt, die Meeresorganismen aber bilden eine ungeheure Fülle und viele können mit den buntesten Schmetterlingen und Vögeln konkurrieren", so schrieb im Jahr 1923 der amerikanische Naturforscher William Beebe. Die Welt, die er beschreibt, blieb Charles Darwin verborgen, sie ist aber auf ihre Art ebenso faszinierend wie die Welt über dem Meeresspiegel.

Über 25 Prozent der 300 in den Gewässern um Galapagos anzutreffenden Fischarten sind endemisch. Aber auch die nicht endemischen Bewohner des Meeres treten in bemerkenswerter Vielzahl auf. Hier jagen Pinguine nach Kaiser- oder Schmetterlingsfischen, in den Freiwasserzonen gleiten große Gruppen von Mantarochen, angelockt durch den Fischreichtum der Region, wie Vogelschwärme vorbei. Das Gebiet ist ein "Melting pot" unter Wasser, der in der Vielfalt und der unterschiedlichen Herkunft seiner Bewohner einzigartig ist.

Ursache und Lebensquelle für diesen besonderen Artenreichtum unter Wasser findet sich im Zusammentreffen von großen Meeresströmungen - dem Humboldt-Strom, dem Südäquatorialstrom, dem Nordäquatorial-Gegenstrom und dem Cromwell-Strom. Der Humboldt-Strom ist eine breite Meeresströmung, die längs der südamerikanischen Küste teils arktische Wässer, teils nährstoffreiche Tiefenwässer mit sich bringt. Diese werden durch den von Juni bis November besonders starken Südostpassat gegen die Küste Südamerikas gedrückt und gelangen in oberflächennahe Bereiche. Solche sogenannten "Upwelling" - Gebiete bedingen reiches Planktonwachstum und riesige Fischbestände. Die Unmengen an Sardellen, die um die Galapagos-Inseln anzutreffen sind, sind die Nahrungsgrundlage auch für viele Landbewohner des Archipels.

Auf der Höhe des Äquators biegt der Humboldt-Strom nach Westen ab und umspült Galapagos mit 18 bis 22 Grad Celsius kühlem Wasser. Seine Gegenströmung, der Nordäquatorialstrom, beeinflußt mit 25 bis 28 Grad Celsius warmen pazifischen Wässern Klima und Randzonen des Humboldt-Stromes.

Der äquatoriale Tiefenstrom, auch Cromwell-Strom genannt, besitzt besondere Bedeutung für die Galapagosinseln. Er strömt von westlicher Richtung auf das Archipel mit sehr kühlem (17 bis 18 Grad Celsius) mineralstoffreichen Wasser zu und wird durch die Inselplatte nach oben gezwungen. Vor allem die westlich gelegenen Inseln Fernandina und Isabela profitieren von dem kühlen Nass, hier sind die endemischen Galapagos-Pinguine, der flugunfähige Galapagos-Kormoran und viele Wale und Delphine anzutreffen.

Die Meeresströmungen sind allerdings mehr als reine Nährstoffversorger. Sie sind die Wasserstraßen, über die sowohl die Land- als auch die Wassertiere von Galapagos die zukünftige Heimat ihrer Nachfahren erreichen sollten. Darwin entdeckte die große Ähnlichkeit der Inselfauna und -flora mit der Südamerikas. Ein Reptil benötigt ungefähr zwei Wochen, um über ein Floß oder einen treibenden Landabbruch von Südamerika über den Humboldt-Strom an die Küste des Archipels zu gelangen. Unfreiwillig, versteht sich. Diesen Weg haben auch die Vorfahren desjenigen nehmen müssen, der heute der letzte seiner Art ist ... .

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