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Freitag, 10.02.2012
Hotspot Mittlere Elbe
Degeneration oder Regeneration der Aue?

Ein Schwerpunkt der Proteste gegen den Elbe-Ausbau liegt im mittleren Flussabschnitt entlang des 300 Kilometer langen Biosphärenreservats „Flusslandschaft Elbe“. Gerade hier fürchten die Elbe-Schützer selbst kleinste Maßnahmen am Flussbett, da sie das sensible Auensystem beeinflussen könnten.

Streitpunkt Saale-Kanal
 Geplanter Saale-Kanal
Geplanter Saale-Kanal
© VHdS / MMCD  Geplanter Saale-Kanal
Erneut in den Mittelpunkt der Diskussionen gerät zurzeit der Saale-Seitenkanal. Kurz vor der Mündung der Saale in die Elbe soll ihr stark mäandrierender Unterlauf durch einen 7,5 Kilometer langen, parallel zur Saale verlaufenden Kanal abgekürzt werden. Man möchte die Saale dadurch für Schiffe mit bis zu 1.350 Tonnen Ladung befahrbar machen und die Saale-Häfen an die Elbe anbinden. Am 10. Dezember 2004 wird das Raumordnungsverfahren eröffnet.

Im Bundesverkehrswegeplan 2003 wird dem Projekt ein „vordringlicher Bedarf“ eingeräumt. Doch Umweltschützer vermuten, seitens der Binnenschifffahrt besteht kein wirklicher Bedarf. Zum anderen räumt selbst der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt ein, dass der Kanal einen Ausbau der Elbe tatsächlich erforderlich machen könnte. Die zuständige Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost weist darauf hin, dass der Kanalbau ganz sicher keine zwingenden Maßnahmen an der Elbe nach sich ziehen würde. Außerdem greife ein bloßer Blick auf die Tauchtiefen – der Kanal ist auf 2,50 Meter ausgelegt, die Elbe bietet dagegen an den flachsten Stellen nur 1,40 Meter – zu kurz.

Zwar erfordert das Planungsverfahren für den Saale-Kanal eine Prüfung der Umweltverträglichkeit, doch vermutet die grüne Bundestagsfraktion bereits jetzt eine Vorwegnahme der Ergebnisse einer solchen Untersuchung – zugunsten des Kanals und mit unabsehbaren Folgen für die Aue an der Saale-Mündung. Auch das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle schätzt, dass der Saale-Kanal den vorbeugenden Hochwasserschutz in der Region einschränken und ökologisch wertvolle Auenbereiche im Kerngebiet des Biosphärenreservats beeinflussen würde. Denn niemand weiß genau, welche Folgen der Bau eines Kanals auf das alte Flussbett der Saale, auf das Grundwasser und somit auch auf die Aue haben könnte.

Kürzere Deiche, größere Auen
Doch es geht auch anders. Mit dem „Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe“ im Kerngebiet des Biosphärenreservats soll bis zum Jahr 2010 von der Mulde- bis zur Saalemündung auf einer Strecke von 36 Kilometern ein durchgehender Verbund echter, überflutbarer Auenwälder geschaffen werden.

Der WWF, der das durch die Bundesregierung geförderte Projekt koordiniert, plant die Regeneration von Auenflächen, wobei auf etwa 2.500 Hektar neuer Auenwald herangezogen werden soll. Unter anderem wird dafür im Steckby-Lödderitzer Forst ein Deich zurückverlegt. Dadurch erhält die Elbe etwa 600 Hektar Überflutungsfläche zurück. Erstmals steht bei einem solchen Projekt der Naturschutz im Vordergrund. Denn obwohl das Projekt auch den Hochwasserschutz berücksichtigt, ist die Wiederherstellung einer natürlichen Aue aus Auenwald, Wiesen und extensiv nutzbarem Acker- und Grünland das Hauptanliegen.

Geplante Deichrückverlegung am Bösen Ort in Lenzen 
Geplante Deichrückverlegung am Bösen Ort in Lenzen
© Burg Lenzen Trägerverband  Geplante Deichrückverlegung am Bösen Ort in Lenzen
Doch auch in Sachen Hochwasserschutz hat man mittlerweile eingesehen, dass die Wiederherstellung von Überschwemmungsflächen Sinn macht. Der Böse Ort bei Lenzen erlangte während der Elbeflut traurige Berühmtheit. Hier macht die Elbe einen 90 Grad-Bogen und prallt dabei mit voller Wucht gegen das künstlich erhöhte Ufer. Beim Hochwasser 2002 hielt der Deich, doch nur, weil er unter großem Aufwand verteidigt wurde.

Derselbe Deich soll nun nicht saniert, sondern um 500 Meter zurückverlegt werden. Durch den Rückbau gewinnt das Deichvorland zusätzliche 400 Hektar und der Auwald an der Unteren Mittelelbe verdoppelt seine Fläche auf 600 Hektar. Hydraulische Untersuchungen haben ergeben, dass das neu gewonnene Vorland über 15 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen kann. Im Falle eines Hochwassers würde die Welle entscheidend gekappt werden.

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