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Freitag, 10.02.2012
Biber, Otter, Würfelnatter
Refugium für bedrohte Arten

Über 3.300 Pflanzen- und 5.080 Tierarten wurden in den letzten Jahren im Gebiet der mittleren Elbe gezählt, darunter 49 Säugetierarten, über 500 Schmetterlinge, allein 132 Bienen- und über 250 Vogelarten.

Die entdeckten Arten lesen sich wie das „Who is Who“ der Roten Liste in Deutschland: Biber, Fischotter, Schwarz- und Weißstorch, Eisvogel, Fischadler, Sumpfohreule, Wanderfalke, Moorente, Rotbauchunke, Laubfrosch, Ringelnatter, Sumpfschildkröte, aber auch Schmetterlinge wie der Feurige Perlmuttfalter und das Blaue Ordensband oder seltene Libellen wie die asiatische Keiljungfer haben an der Elbe überlebt.

Viele der Tiere und Pflanzen gelten als Indikatoren für intakte ökologische Verhältnisse. Der Gesattelte Zahnäugler und der Fadenkanker – zwei Weberknechtarten – sind beide besonders anspruchsvoll, besiedeln aber völlig unterschiedliche Lebensräume. An der Elbe wurden sie dennoch in unmittelbarer Nachbarschaft gefunden – ein Indiz für die Stabilität der stark strukturierten Auenlandschaft.

Markenzeichen Elbe-Biber
 Elbe-Biber (Castor fiber albicus)
Elbe-Biber (Castor fiber albicus)
© LfA Säugetiere
Castor fiber albicus, der Elbebiber, ist sogar um Markenzeichen der Elbauen geworden. Am Ende des 19. Jahrhunderts war das größte europäische Nagetier an Oder, Weser, Rhein und Donau ausgestorben, einzig an der Elbe lebten noch etwas mehr als einhundert Exemplare. Seit den 70er Jahren hat der Bestand der Biber wieder zugenommen, so dass heute vor allem an der mittleren Elbe und in den Unterläufen von Saale, Mulde, Schwarzer Elster und Havel wieder etwa 1.200 Tiere in über 500 Revieren leben.

An der Elbe finden die Biber den idealen Lebensraum. Denn sie leben am Ufer von Fließ- und Stillgewässern und ernähren sich von Wasser- und Uferpflanzen, Pappel- und Weiden-Trieben. Biberfamilien, meist ein Elternpaar mit etwa acht Jungtieren aus zwei Würfen, bewohnen Flussabschnitte von zwei bis drei Kilometern Länge. Der Eingang zu einem Biberbau befindet sich immer unter Wasser, während die Wohnhöhle oberhalb des Wasserspiegels liegt. Aus diesem Grund geriet der Biber in der Vergangenheit auch immer wieder mit dem Menschen in Konflikt. Denn um den idealen Wasserstand für den Bau zu regulieren, legt der Biber seine legendären Dammbauten an. Mit überschwemmtem Ackerland oder trockengelegten Wasserläufen machte sich der Biber deshalb unbeliebt. Heute jedoch gewährt man ihm diese Freiheit größtenteils.

Der Schutz der Nager hat an der mittleren Elbe besondere Priorität. So haben sich die Elbebiber als Grundstock für zahlreiche weitere Wiederansiedlungsprojekte erwiesen. Seit den 70er Jahren wurden insgesamt 421 Tiere innerhalb Europas umgesiedelt. Auch in diesen Wochen sind sechs Biber-Familien aus Sachsen-Anhalt „exportiert“ worden – nach Nordrhein-Westfalen, ins Saarland und in die Niederlande.

Auch Fischotter erholen sich
 Fischotter (Lutra lutra)
Fischotter (Lutra lutra)
© LfA Säugetiere
Ebenso selten und gefährdet wie der Biber ist der Fischotter, da er etwa die gleichen Ansprüche an die Umgebung hat. Fischotter sind jedoch sehr mobil und haben Reviere von bis zu zehn Quadratkilometern Fläche. Die Elbe nutzt der Fischotter vor allem, um zwischen seinen Verbreitungsgebieten an den Nebenflüssen zu wandern. Trotz der jährlich etwa einhundert Tiere, die durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen, erholt sich auch der Bestand der Fischotter in Deutschland langsam wieder.

Würfelnatter-Projekt geglückt
Auch flussaufwärts hat die Elbe an Attraktivität
Würfelnatter (Natrix tessellata) 
Würfelnatter (Natrix tessellata)
© Deutsche Gesellschaft für Herpetologie
für gefährdete Tierarten gewonnen. Die Würfelnatter ist deutschlandweit vom Aussterben bedroht. Sie bevorzugt Kiesufer an Flüssen und Flachwasserzonen mit wechselnden Fließgeschwindigkeiten. An der Elbe hatte sie bis ins vergangene Jahrhundert hinein ihren nordwestlichsten Lebensraum, seit einigen Jahrzehnten jedoch galt sie hier als ausgestorben. Vor fünf Jahren begann man in Meißen damit, die Tiere wieder anzusiedeln, zunächst mit Erfolg. Nach dem Hochwasser 2002 war die Sorge groß, dass das geglückte Experiment doch noch gescheitert sein könnte. Aber die seltene Schlangeart hat die Flut überstanden und sich zu einer stabilen Population entwickelt.

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