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Freitag, 10.02.2012
Zwei Jahre nach der Elbe-Flut
Aus dem Hochwasser nichts gelernt?

Dresden im August 2002 
Dresden im August 2002
© A. Prange, IKSE Fotodokumentation 2004
Zwei Jahre nach dem Hochwasser im Jahr 2002 hat die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe mittlerweile ein Resümee gezogen und den abschließenden Bericht über Ursachen, Verlauf und verheerende Folgen der Flutkatastrophe vorgelegt. Die deutsch-tschechische Kommission kommt darin zu dem Ergebnis, dass das Elbe-Hochwasser „als Folge meteorologischer Ereignisse eine natürliche Ursache“ hatte. Eine außergewöhnliche Wetterlage sorgte damals für sintflutartige Regenfälle, nie zuvor gemessene Rekordpegelstände und für bis dahin kaum vorstellbare Verwüstungen.

Die schweren Folgen des Hochwassers – es forderte 38 Menschenleben und verursachte Kosten in Höhe von 11,3 Milliarden Euro – seien jedoch aus einer vermeintlichen Sicherheit beim Umgang mit der Elbe und ihren Nebenflüssen hervorgegangen, so die Experten. Wohnhäuser, Industrie und Verkehr seien über Jahre hinweg immer näher an Flüsse und Deiche gerückt und hätten sich auf den natürlichen Überschwemmungsflächen ausgebreitet. Wenige Jahrzehnte zuvor wäre ein solches Hochwasser weitaus weniger dramatisch ausgefallen, schätzt die Elbe-Kommission.

Staustufen unter Verdacht
Schnell kam nach dem Hochwasser der Verdacht auf, dass der Ausbau der Elbe, die 26 Staustufen, Talsperren und Wehre in Tschechien, der wahre Grund für die enorme Hochwasserwelle gewesen seien. Der Hochwasserscheitel hatte am 17. August 2002 in Dresden zu einem Pegelstand von 9,70 Meter geführt und sich danach durch Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen bis nach Schleswig-Holstein und Hamburg gewälzt.

Unbestritten ist, dass sowohl die natürlichen Wasserrückhalteflächen als auch die Talsperren der Elbe und ihrer Nebenflüsse binnen kurzer Zeit überlastet waren und sich die Wassermassen eigene Wege quer durch Weesenstein, den Dresdner Hauptbahnhof oder Wittenberg bahnten. Andererseits haben wie bei Lenzen oder Mühlberg in Brandenburg viele Deiche gehalten und oft schlimmeres verhindert.

Hochwasserschutz ist dringend notwendig
Das Fazit der Elbe-Kommission: Das Hochwasser 2002 war so extrem, dass die Abwehrmaßnahmen trotz eines bestehenden Hochwasserschutzes vielerorts vergeblich waren. Und: Hochwasser können prinzipiell nicht verhindert werden, Schäden lassen sich bestenfalls begrenzen.

Labska-Talsperre in Tschechien 
Labska-Talsperre in Tschechien
© ARGE Elbe / A. Prange  Labska-Talsperre in Tschechien
Aus den Erfahrungen im Jahr 2002 hat die Elbe-Kommission einen „Aktionsplan Hochwasserschutz Elbe“ entwickelt. Deutlich steht darin das Ziel im Mittelpunkt, alle noch vorhandenen Überschwemmungsflächen der Elbe zu erhalten – mittlerweile nur noch 20 Prozent der früheren Flussauen.

Doch trotz der auch offiziell durch das Umweltministerium vertretenen These, dass der Klimawandel künftig mehr Hochwasser-Katastrophen verursachen wird, trotz des in diesem Jahr verabschiedeten Hochwasserschutzgesetzes, trotz der Einsicht, Flüsse nie vollständig beherrschen zu können, gibt es eine Reihe von Plänen und Vorhaben für Eingriffe in das Stromsystem Elbe. Oder muss man sagen, gerade deshalb?

Einzigartige Elbe
Die Elbe ist in Europa einzigartig. Im Gegensatz zu den vergleichbaren Strömen Loire, Rhein oder Donau hat man ihr bisher noch Raum gelassen. Nachdem auch hier vor 250 Jahren zunächst damit begonnen wurde, Abschnitte zu begradigen, Deiche und Buhnen zu bauen, sorgte die DDR für 50 Jahre Baustopp an der Elbe. So blieb das Bett des Flusses relativ unberührt. Nur auf tschechischer Seite am Oberlauf des Flusses im Riesengebirge und in der Böhmischen Schweiz sowie in Gheesthacht kurz vor der Mündung wird die Elbe heute von Staustufen gebremst. Dazwischen entfaltet sie sich mehr oder weniger ungehemmt. Doch die Elbe wird ebenso als Wasserstraße betrachtet, die bewirtschaftet und instand gehalten werden muss. – Ein Konflikt, der durch das Hochwasser verschärft wurde und noch immer ungelöst ist.

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