Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Wasserstraßenkreuz Magdeburg
Technikwunder zum Selbstzweck?

Ein gigantisches Großprojekt wurde im Jahr 2003 an der Elbe vollendet: Das Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Es verbindet über die Elbe hinweg den Mittelland- und den Elbe-Havel-Kanal miteinander. Das Bauwerk soll die Region östlich der Elbe an die westdeutsche Binnenschifffahrt und darüber hinaus an den weltgrößten Seehafen Rotterdam anbinden.

 Trogbrücke am Wasserstraßenkreuz Magdeburg
Trogbrücke am Wasserstraßenkreuz Magdeburg
© Wasser- u. Schifffahrtsverwaltung
Kernstück der Wasserkreuzung ist die mit 918 Metern längste Kanalbrücke der Welt. In einem riesigen Trog von 32 Metern Breite und einer Tiefe von 4,25 Metern können Binnenschiffe jetzt die Elbe passieren, ohne einen zeitaufwendigen Umweg über Magdeburg nehmen zu müssen. Zwei neue Schleusen ermöglichen den Auf- und Abstieg zwischen der Elbe und den beiden Kanälen.

Technisch gesehen ist das riesige „Autobahnkreuz“ für Schiffe eine Meisterleistung. 85.000 Tonnen Stahl und 600.000 Tonnen Beton wurden verbaut, 17 Betonpfeiler stützen den wasserdichten Trog mit einem Eigengewicht von 10.000 Tonnen. Bevor die Trogbrücke in Betrieb ging, war sie noch nach oben gewölbt. Erst nachdem die etwa 125.000 Kubikmeter Wasser eingelassen worden waren, kam die Brücke durch das enorme Gewicht richtig in Form.

Das Wasserstraßenkreuz ist Teil eines der prestigeträchtigsten Verkehrsprojekte der deutschen Einheit, der Verbindung der Ost-West-Wasserwege. Heute werfen Umweltverbände dem Bund eine riesige Fehlkalkulation vor, denn gerade einmal die Hälfte des prognostizierten Güterverkehrs von sieben Millionen Tonnen sei seit Inbetriebnahme der neuen Wasserstraßen abgewickelt worden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland spricht gar von einer „gewaltigen Trugbrücke“.

Der Betreiber, die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, weist jedoch daraufhin, dass ein solches Investitionsprojekt Zeit brauche, um sich zu amortisieren. Die letzte, erst im vergangenen Jahr korrigierte Prognose für die nötige Auslastung aller sanierten und neu gebauten Wasserwege zwischen Ost und West liegt bei 3,8 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2015. Das entspricht gerade mal einem Sechstel der ursprünglichen Einschätzung aus dem Jahr 1992. Denn als das Verkehrsprojekt vor zwölf Jahren in Planung ging, hielt man 25,8 Millionen Gütertonnen für notwendig, um das Verkehrsprojekt rentabel zu machen. Nach dem aktuellen Gutachten hätte allein das Wasserstraßenkreuz das gesamte Projekt in die Gewinnzone katapultiert. Seit Inbetriebnahme haben 3,4 Millionen Tonnen Fracht die Trogbrücke passiert. Doch stellt sich natürlich die Frage, wie glaubwürdig eine nachträglich korrigierte Prognose ist. Eine detaillierte Kosten-Nutzen-Rechnung allein für das Wasserstraßenkreuz Magdeburg gibt es übrigens nicht.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Quo vadis, Elbe?
Ein Fluss zwischen Wirtschaft und Naturschutz
Zwei Jahre nach der Elbe-Flut
Aus dem Hochwasser nichts gelernt?
Ein Hauch von Amazonas
Der größte Auenwald Mitteleuropas
Biber, Otter, Würfelnatter
Refugium für bedrohte Arten
Ausbau oder Rückbau?
Die Fronten
Hotspot Mittlere Elbe
Degeneration oder Regeneration der Aue?
Hotspot Tschechien
Staustufen oder Lachse?
Hotspot Hamburg
Sechs Elbevertiefungen in einem Jahrhundert
Wasserstraßenkreuz Magdeburg
Technikwunder zum Selbstzweck?
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen