Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Urbanisierung und Städtewachstum
Weitere Anwendungen für Satelliten

Infrarotaufnahme von Atlanta bei Tag und Nacht 
Infrarotaufnahme von Atlanta bei Tag und Nacht
© NASA
Eine interessante Einsatzmöglichkeit vor allem für Satelliten mit Infrarot-Kameras ist die Analyse von Urbanisierung und Städteentwicklung. Am Beispiel der Stadt Atlanta lassen sich die Auswirkungen mit Hilfe von Satelliten zeigen. Die Stadt ist so dicht bebaut, voll von Klimaanlagen und mit Asphalt zugepflastert, dass sie auf Satellitenaufnahmen als "Wärmeinsel" erscheint. Sie saugt die Wärme tagsüber auf und speichert sie auch über Nacht, wenn es in der Umgebung kühler ist. Die Daten zeigen, dass vor allem die stärker entwickelten Teile der Stadt wärmer bleiben als die umgebenden Gegenden.

Auf den Satellitenaufnahmen lässt sich deutlich erkennen, wie sich die Innenstadt von Atlanta aufheizt und wo die wärmsten Regionen sind. Auch in der Nacht zeigt sich an den Stellen, wo es tagsüber am wärmsten war, noch eine erhöhte Temperatur, weil die Stadt die Wärme speichert. Kühlere Stellen, erkennbar an der blauen Farbe, finden sich nur in größerer Entfernung vom Stadtzentrum.

Viele dieser Wärmefallen befinden sich um Strukturen, wo das Wachstum am größten ist: Stadtgrenzen, Straßen und Nahverkehrsrouten. Forscher sagen voraus, dass das Städtewachstum das regionale Klima entscheidend verändern wird. Die Hitze, die von dicht bebauten Gegenden aufsteigt, produziert mehr Gewitter. Die Gewitterwolken wachsen mit den Städten an.

Ballungszentren bei Nacht
 Europa und Nordamerika bei Nacht
Europa und Nordamerika bei Nacht
© NASA
Satelliten eignen sich gut dazu, anhand von Nachtaufnahmen die Verteilung von Ballungszentren zu beobachten. So können die Wissenschaftler durch die Lichtemission der Städte bei Nacht dicht und dünn besiedelte Gebiete unterscheiden. Aus den Nachtaufnahmen lassen sich noch andere Daten ableiten. Überlagert man diese Bilder beispielsweise mit Vegetationskarten, können die Forscher Zusammenhänge zwischen Städteentwicklung und Pflanzenwachstum beziehungsweise Photosyntheserate untersuchen. So kann sich die jährliche pflanzliche Produktion in Gegenden mit intensiver Urbanisierung um 20 Tage verkürzen.

Eine weitere interessante Entdeckung ist die Tatsache, dass durch die Urbanisierung die Produktivität der Pflanzen zwar abnimmt, die Wachstumsperiode aber merklich verlängert wird. Die Vegetation grünt früher im Jahr und braucht länger, bis sie im Herbst abstirbt. Die Produktivität zum Höhepunkt der Wachstumsperiode ist allerdings niedriger als in vergleichbaren unbesiedelten Gebieten. Einen Grund für diesen Effekt könnte die Rolle der Städte als "Wärmeinseln" spielen, wobei sie auch in Klimaveränderungen verwickelt sind, besonders in der nördlichen Hemisphäre, wo die Urbanisierung besonders schnell verläuft.

Explosives Städtewachstum
 Shenzhen 1988 und 1996
Shenzhen 1988 und 1996
© NASA
China besitzt eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit. Das fast schon explosionsartige Wachstum verändert das Gesicht der Landschaft tiefgreifend. Die Bilder, die der Satellit LANDSAT im Abstand von nur acht Jahren von der Region Shenzhen nördlich von Hongkong machte, verdeutlichen diesen Effekt sehr gut. China befindet sich in einem kulturellen und wirtschaftlichen Umbruch, und die Entwicklung ist besonders in den südlichen industriellen Städten sehr rasant. Shenzhen wandelte sich in kaum zehn Jahren von einem regionalen Zentrum zu einer bedeutsamen Metropole.

Auf den Satellitenaufnahmen ist sehr gut zu erkennen, wie einschneidend der räumliche Wandel ist. Straßen, Brücken und andere große Bauwerke verändern die Landnutzung in großem Stil. Ebenso verändert sich die Vegetation durch die Bebauung. Die rote Färbung steht für Vegetation. Waren 1988 noch ausgedehnte rote Flächen und damit unberührter pflanzlicher Bewuchs zu erkennen, sind acht Jahre später die meisten dieser Gebiete der Bebauung gewichen. Nur noch in den gebirgigen Regionen im Osten sind 1996 noch ausgedehnte bewachsene Gebiete zu erkennen. Durch Nutzung solcher Aufnahmen können Forscher die Gründe von Umweltveränderungen, wie wir sie in Shenzhen finden, besser verstehen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Satelliten
Augen aus dem All
Von schnellen Sternen und Flares
Satelliten kann man beobachten
Armada im Orbit
Satelliten und ihr Nutzen
Hoch hinaus
Satelliten haben ganz spezielle Umlaufbahnen
Messgeräte und Solarzellen
Die Ausrüstung der künstlichen Trabanten
Späher aus dem All
Satelliten zur Erdbeobachtung
In den Tiefen des Weltalls
Satelliten erforschen All und fremde Himmelskörper
Immer und überall erreichbar
Satelliten erleichtern das Leben
Ein Minisatellit, der es in sich hat
Die Champ-Mission
Von Lavaströmen bis zum Packeis
LANDSAT
Radaraugen sehen auch bei Nacht
Die Kartierung der Erdoberfläche
Stereobilder der Erde
Die SRTM-Mission
Urbanisierung und Städtewachstum
Weitere Anwendungen für Satelliten
Kleine, kurze Missionen
Die Zukunft der Satellitenforschung
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen