Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Radaraugen sehen auch bei Nacht
Die Kartierung der Erdoberfläche

Yellowstone Nationalpark vom Radarsatelliten aufgenommen 
Yellowstone Nationalpark vom Radarsatelliten aufgenommen
© NASA
Für den besonderen Anwendungsbereich der Kartierung der Erdoberfläche machen sich die Wissenschaftler Radarsatelliten zunutze. Radarsysteme haben sich im Laufe der Zeit zu den leistungsfähigsten Fernerkundungsinstrumenten entwickelt.

Bei Radarwellen handelt es sich im wesentlichen um Radiowellen mit einer Wellenlänge im Zentimeterbereich, die von Landmassen und Wasser reflektiert werden. Durch unterschiedliche Reflexionseigenschaften der Zielobjekte können diese Systeme nicht nur zur Ortung von Gegenständen, sondern auch zur Erkundung von Oberflächen benutzt werden. Der große Vorteil von Radarsystemen ist, dass sie auch nachts arbeiten und Wolken durchdringen können.

Zunächst wurde Radar von den Militärs zum Aufspüren und Verfolgen von feindlichen Flugzeugen und Schiffen benutzt. Nach dem Krieg wurde die Technik in steigendem Maße für zivile Zwecke benutzt. Schnell wurde der Nutzen für Kartierungen, Ozeanographie und Landnutzungsstudien erkannt.

Um größere Gebiete überblicken zu können, muss man die Radarsysteme höher hinauf bringen, als das mit Flugzeugen möglich ist. Die ersten Tests mit Radarsystemen im All unternahm die NASA bereits 1962. Die weiterentwickelte Version dieses Systems flog 1972 mit Apollo 17 zum Mond und nahm dort die Oberfläche und geologische Strukturen in Augenschein. Beflügelt von diesen Ergebnissen wurde schließlich an Bord des SEASAT-Satelliten zur Beobachtung der Meere ein Radarsystem installiert. In nur 100 Tagen sammelte SEASAT mehr Informationen über die Topographie der Weltmeere, als das vorher in 100 Jahren Forschung per Schiff überhaupt möglich war.

In den Achtzigerjahren wurden Radarsysteme zunehmend an Bord der Raumfähren installiert. Während dieser Testphase brachten die Radarbilder neue Erkenntnisse über die Abbildung geologischer Strukturen. Mittlerweile umkreisen eine Vielzahl von Radarsatelliten die Erde. Sie lieferten eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen über die Erdoberfläche und wurden auch zur Beobachtung von besonderen Ereignissen eingesetzt. So wurde der Satellit ERS-1 1997 extra zur Beobachtung des Ausbruchs des isländischen Vulkans Vatnajökull wieder reaktiviert, nachdem seine Aufgaben vom Nachfolger ERS-2 übernommen worden waren.

Die ERS-Satelliten können zwischen zwei Beobachtungsfunktionen wechseln. Ein Modus dient zur Abtastung der Erdoberfläche, der zweite zur Erkundung der Ozeane. Radardaten dieser und anderer Satelliten finden inzwischen auch bei der Umweltbeobachtung vielfältige Anwendungen. So können die Wissenschaftler Seegang und Wellenfronten auf den Ozeanen studieren, aber auch Informationen über Ölteppiche und Sedimenteintrag aus Flüssen sowie Eisbedeckung und -bewegungen erhalten. Auf dem Land liefern die Satelliten Daten über Landnutzung und Abholzung, über geologische Strukturen und Erdbebengebiete.

Auch natürliche Ressourcen wie Grundwasservorkommen, Mineral-, Öl- und Gaslagerstätten werden von Radarsatelliten erkundet. Für andere Wissenschaftszweige war die Radartechnik ebenfalls von Bedeutung, so beispielsweise für die Archäologie. Bei einer Shuttle- Mission entdeckten die Wissenschaftler 1994 die kompletten Ausmaße der Tempelanlage von Angkor in Kambodscha, die ohne Satelliten wahrscheinlich nie gefunden worden wären. Weiterhin wurden in unmittelbarer Nähe der heutigen chinesischen Mauer Reste einer noch älteren Maueranlage entdeckt, die vom Boden nicht erkennbar ist.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Satelliten
Augen aus dem All
Von schnellen Sternen und Flares
Satelliten kann man beobachten
Armada im Orbit
Satelliten und ihr Nutzen
Hoch hinaus
Satelliten haben ganz spezielle Umlaufbahnen
Messgeräte und Solarzellen
Die Ausrüstung der künstlichen Trabanten
Späher aus dem All
Satelliten zur Erdbeobachtung
In den Tiefen des Weltalls
Satelliten erforschen All und fremde Himmelskörper
Immer und überall erreichbar
Satelliten erleichtern das Leben
Ein Minisatellit, der es in sich hat
Die Champ-Mission
Von Lavaströmen bis zum Packeis
LANDSAT
Radaraugen sehen auch bei Nacht
Die Kartierung der Erdoberfläche
Stereobilder der Erde
Die SRTM-Mission
Urbanisierung und Städtewachstum
Weitere Anwendungen für Satelliten
Kleine, kurze Missionen
Die Zukunft der Satellitenforschung
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen