 | | Bohrcrew in Aktion © ODP | Ist die Bohrstelle erreicht, bricht auf dem so genannten "Rig Floor" der JOIDES fieberhafte Aktivität aus. Wie alle an Bord arbeiten auch die Mitglieder der Bohrcrew rund um die Uhr in zwölf-Stunden Schichten. Die mit riesigen automatisierten Maschinen, hydraulischen Zangen, Kabeln und Motoren vollgestellte Plattform in der Mitte des Schiffs ist die Hauptbühne für alles, was mit der Bohrung zu tun hat. Über ihr erhebt sich der 64 Meter hohe stählerne Bohrturm, unter ihr liegt der "Moon Pool", ein sieben Meter breiter Schacht, der sich senkrecht nach unten durch den gesamten Schiffsrumpf erstreckt. Durch ihn werden die Bohrgestänge und alle anderen Geräte ins Wasser hinabgelassen.
Doch was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit harte Arbeit für die Bohrcrew des Schiffes. Die Aufgabe, das biegsame, knapp 13 Zentimeter dicke Bohrkabel auf den Punkt genau zur mehrere tausend Meter tiefer liegenden Bohrstelle zu bringen, gleicht dem Versuch, aus dem obersten Stockwerk eines Hochhauses mit einer weichgekochten Spaghetti einen unten auf dem Bürgersteig stehenden Teller zu treffen.
Um die ganze Sache noch zu erschweren, besteht das Bohrkabel aus zahllosen, rund 28,5 Meter langen und mehr als 800 Kilogramm schweren Einzelteilen. Jedes von ihnen muss erst von großen Walzen entrollt werden, dann zur Öffnung des "Moon Pools" gezogen werden. Das Kabelstück wird nun von Winden im Bohrturm hochgezogen, bis es senkrecht über der Öffnung hängt und langsam abgesenkt, bis nur noch das Ende aus dem Loch schaut. Eine Art "Kragen" wird nun darum befestigt, der das Endstück so lange festhält, bis das nächste Kabelstück abgerollt, im Bohrturm hochgezogen und von der Bohrcrew mit dem herausschauende Endstück des ersten Kabelteils verbunden wurde.
Diese Abfolge wiederholt sich wieder und wieder, stundenlang: Abrollen, hochziehen, verbinden und absenken - solange bis der Bohrkopf den Meeresboden erreicht hat. Bei einer Wassertiefe von 5.500 Metern kann allein dieses Absenken bereits zwölf Stunden dauern.
Der Bohrkopf besteht aus einem hohlen Stahlschaft, der entweder hydraulisch in das Sediment getrieben wird oder aber, bei härterem Gestein, sich fräsenartig mithilfe von Schneidköpfen in den Untergrund bohrt. Ist das gebohrte Loch sehr tief, wechselt der Charakter des Untergrunds unter Umständen mehrfach zwischen weich und sehr hart. Muss dann der Bohrkopf ausgetauscht werden, bedeutet dies für die Bohrcrew erneut stundenlange Arbeit, denn de gesamte Länge des Bohrkabels muss dazu eingeholt und wieder hinabgelassen werden...
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