Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
5.500 Meter in zwölf Stunden...
Die Bohrcrew in Aktion

Bohrcrew in Aktion 
Bohrcrew in Aktion
© ODP
Ist die Bohrstelle erreicht, bricht auf dem so genannten "Rig Floor" der JOIDES fieberhafte Aktivität aus. Wie alle an Bord arbeiten auch die Mitglieder der Bohrcrew rund um die Uhr in zwölf-Stunden Schichten. Die mit riesigen automatisierten Maschinen, hydraulischen Zangen, Kabeln und Motoren vollgestellte Plattform in der Mitte des Schiffs ist die Hauptbühne für alles, was mit der Bohrung zu tun hat. Über ihr erhebt sich der 64 Meter hohe stählerne Bohrturm, unter ihr liegt der "Moon Pool", ein sieben Meter breiter Schacht, der sich senkrecht nach unten durch den gesamten Schiffsrumpf erstreckt. Durch ihn werden die Bohrgestänge und alle anderen Geräte ins Wasser hinabgelassen.

Doch was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit harte Arbeit für die Bohrcrew des Schiffes. Die Aufgabe, das biegsame, knapp 13 Zentimeter dicke Bohrkabel auf den Punkt genau zur mehrere tausend Meter tiefer liegenden Bohrstelle zu bringen, gleicht dem Versuch, aus dem obersten Stockwerk eines Hochhauses mit einer weichgekochten Spaghetti einen unten auf dem Bürgersteig stehenden Teller zu treffen.

Um die ganze Sache noch zu erschweren, besteht das Bohrkabel aus zahllosen, rund 28,5 Meter langen und mehr als 800 Kilogramm schweren Einzelteilen. Jedes von ihnen muss erst von großen Walzen entrollt werden, dann zur Öffnung des "Moon Pools" gezogen werden. Das Kabelstück wird nun von Winden im Bohrturm hochgezogen, bis es senkrecht über der Öffnung hängt und langsam abgesenkt, bis nur noch das Ende aus dem Loch schaut. Eine Art "Kragen" wird nun darum befestigt, der das Endstück so lange festhält, bis das nächste Kabelstück abgerollt, im Bohrturm hochgezogen und von der Bohrcrew mit dem herausschauende Endstück des ersten Kabelteils verbunden wurde.

Diese Abfolge wiederholt sich wieder und wieder, stundenlang: Abrollen, hochziehen, verbinden und absenken - solange bis der Bohrkopf den Meeresboden erreicht hat. Bei einer Wassertiefe von 5.500 Metern kann allein dieses Absenken bereits zwölf Stunden dauern.

Der Bohrkopf besteht aus einem hohlen Stahlschaft, der entweder hydraulisch in das Sediment getrieben wird oder aber, bei härterem Gestein, sich fräsenartig mithilfe von Schneidköpfen in den Untergrund bohrt. Ist das gebohrte Loch sehr tief, wechselt der Charakter des Untergrunds unter Umständen mehrfach zwischen weich und sehr hart. Muss dann der Bohrkopf ausgetauscht werden, bedeutet dies für die Bohrcrew erneut stundenlange Arbeit, denn de gesamte Länge des Bohrkabels muss dazu eingeholt und wieder hinabgelassen werden...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Tiefbohrungen im Ozean
Spurensuche auf dem Grund der Meere
Rätsel der Tiefe
Der Meeresboden als Terra cognita
Kein Leichtgewicht...
Das Ocean Drilling Projekt
Eine Frage der richtigen Position
An der Bohrstelle angelangt...
5.500 Meter in zwölf Stunden...
Die Bohrcrew in Aktion
Bohrkern an Deck...
Die Bergung der Proben
Auf dem Fließband...
Die ersten Stationen des Bohrkerns
Minikompasse im Sediment
Was die magnetische Untersuchung des Bohrkerns verrät
Die Hauptarbeit beginnt erst hinterher...
Verteilung und weitere Auswertung der Proben
Von kosmischen Killern und Katastrophen
Die aufsehenerregendsten Ergebnisse des ODP
Schwankungen von Klima und Meeresspiegel
Beiträge des ODP zur Klimaforschung
Energie vom Meeresgrund
ODP und die Gashydrate
Schlammvulkane und Hotspots
ODP blickt in die Tiefen der Erdkruste und des Mantels
Vorstoß in die Tiefe
Chronik der Oceandrilling-Projekte
IODP
Die nächste Phase der Tiefseebohrungen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen