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Freitag, 10.02.2012
Östrogen und Co.
Der weibliche Zyklus und sein Ende

Sie begleiten eine Frau fast ihr ganzes Leben lang lang – die Östrogene. Schon im Mutterleib sorgen diese Geschlechtshormone dafür, dass der genetisch weibliche Embryo auch mit entsprechenden Geschlechtsorganen ausgestattet wird. In der Pubertät lassen sie das Kind zu einer Frau mit typisch weiblichen Rundungen reifen und machen eine Schwangerschaft erst möglich. Mit ihrem monatlich schwankenden Zyklus prägen sie Stimmung, Körpergefühl und Sexualverhalten einer Frau wie kaum eine andere Substanz.

Jeden Monat aufs Neue
Hauptquelle der mehr als 30 verschiedenen Östrogene ist der weibliche Eierstock. Unter dem Einfluss des aus der Hirnanhangdrüse stammenden Steuerhormons FSH reifen hier Eizellen, die Follikel, heran und geben dabei Östrogen ab. Bis zum Eisprung steigt die Menge des Östrogens kontinuierlich. Über das Blut wird es zur Gebärmutterschleimhaut transportiert und regt hier die Neubildung von Schleimhaut und Blutgefäßen an.

Hormonverlauf im weiblichen Zyklus 
Hormonverlauf im weiblichen Zyklus
© NIH/MMCD  Hormonverlauf im weiblichen Zyklus
Am 14. Tag des Zyklus kommt der große Umschwung: Der Östrogenspiegel erreicht einen bestimmten Schwellenwert, der über eine negative Rückkopplung auf die Hypophyse wirkt: Statt FSH gibt die Drüse nun luteinisierendes Hormon (LH) ab. Dieses wirkt auf den Eierstock und löst den Eisprung aus. Der verbleibende Rest des Follikels, der Gelbkörper, beginnt mit der Ausschüttung von Gelbkörperhormon, dem Progesteron, das einen Umbau der Gebärmutterschleimhaut bewirkt. Gleichzeitig ebbt das Östrogen langsam ab. Erfolgt in den nächsten Tagen keine Befruchtung und Einnistung der Eizelle, fällt auch der Progesteronspiegel. Die Blutgefäße in der Schleimhaut ziehen sich zusammen und die Schleimhaut stirbt ab – die Menstruation beginnt.

Ende einer Ära
Etwa um das 50 Lebensjahr herum bahnt sich im Körper der Frau der zweite große Wandel nach der Pubertät an: Die Wechseljahre. Immer häufiger bleibt der Eisprung aus und damit auch die Periode, bis der monatliche Zyklus schließlich ganz zum Erliegen kommt. Ursache sind hier allerdings erst in zweiter Linie die Hormone, denn die Hypophyse schüttet nach wie vor große Mengen der Steuerhormone FSH und LH aus. Es sind die Eierstöcke, die sich „stur“ stellen und einfach nicht auf die Signalstoffe reagieren. Als Folge reifen keine östrogenproduzierenden Follikel mehr heran und da der Eisprung entfällt, fehlt auch der Gelbkörper, der Progesteron freisetzen könnte.

 Estradiol
Estradiol
© MMCD
Solchermaßen in Unordnung gebracht, bricht nach und nach das gesamte Hormongebäude des weiblichen Zyklus in sich zusammen. Da auch die übergeordneten Hierarchiestufen, die Hypophyse und der Hypothalamus, betroffen sind, kann diese „Revolution“ im Hormonhaushalt nicht nur körperliche, sondern auch psychische Folgen nach sich ziehen – die berühmt-berüchtigen Wechseljahresbeschwerden.

Nach Schätzungen von Experten leidet rund ein Drittel aller Frauen unter mittleren bis starken Beschwerden, die von Hitzewallungen über Schwindel, Kopfschmerzen und Schlafstörungen bis hin zu Depressionen und erhöhter Reizbarkeit reichen können. Diese typischen Übergangssymptome können, je nach Frau, nur sechs Monate oder aber bis zu fünf Jahre anhalten. Da Östrogen zudem die Knochen stärkt, kann sein Wegfall eine Osteoporose begünstigen.

Unter anderem deshalb erhalten Millionen Frauen weltweit die „Pille für die Wechseljahre“ – Präparate, die dem Körper die plötzlich mangelnden Hormone wieder zuführen und so die Entzugserscheinungen lindern sollen. Doch genau diese Therapie ist jetzt ins Zwielicht geraten.

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