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Freitag, 10.02.2012
Jungbrunnen mit Schattenseiten
Das Wachstumshormon HGH

Es gilt als das Anti-Aging-Mittel schlechthin – das Wachstumshormon HGH. Dem Produkt der nur erbsengroßen Hirnanhangsdrüse werden wahre Wundertaten zugeschrieben: Es soll die Muskelmasse erhöhen, das Fett nur so dahinschmelzen lassen und überhaupt Ausdauer, Potenz und Wohlgefühl steigern. Entsprechend begehrt sind Präparate dieses in den USA sogar frei verkäuflichen Hormons und seiner Vorstufen. Auch in Deutschland gilt es inzwischen als „Geheimtipp“ unter Anti-Aging-Jüngern.

HGH-Präparate 
HGH-Präparate
© MMCD
Doch die Realität versetzt den Hoffnungen einen deutlichen Dämpfer. Zwar verringert sich die Menge des Wachstumshormons tatsächlich im Laufe des Lebens, nach einer Hochphase in der Jugend und Pubertät sinkt sie zwischen 25 und 65 Jahren auf nur noch rund ein Drittel der ursprünglichen Menge ab. Eine eindeutige verjüngende Wirkung von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln ist jedoch bisher absolut unbewiesen. Wenn überhaupt, dann entfaltet das Wachstumshormon nur dann seine Wirkung, wenn es nicht als Tablette sondern als Injektion verabreicht wird - und das ist zumindest bisher nur durch einen Arzt und auf Rezept möglich.

Weniger Fett
Studien haben jedoch gezeigt, dass diese Injektionen tatsächlich wirken, in erster Linie allerdings bei Menschen, die zuvor einen deutlichen HGH-Mangel beispielsweise durch Fehlfunktionen der Hirnanhangsdrüse haben. Aber nicht nur: In den USA haben Wissenschaftler den Einsatz von hGH-Injektionen an extrem Übergewichtigen getestet. Bei diesen lösen die Fettmassen einen Wachstumshormonmangel aus. Sie verabreichten den Versuchspersonen sechs Monate lang jede Nacht eine individuell auf deren Hormonmangel zugeschnittene HGH-Menge. Tatsächlich verloren die mit zusätzlichem Hormon versorgten Probanden mehr Gewicht als ihre mit einem Placebo injizierten Kollegen.

Die Ursache dieses Ergebnisses ist allerdings unklar, wie Stewart Albert, Leiter der Studie an der Saint Louis Universität erklärt: „Wir wissen nicht warum die Leute Gewicht verloren – ob sie einen verringerten Appetit hatten oder mehr Energie, weil sie ihre Muskelmasse behielten und mehr Sport machen konnten.“

Hormon für die Heilung
Das Wachstumshormon sorgt jedoch nicht nur für Muskelwachstum und Knochenfestigkeit, es kurbelt offenbar auch die körpereigenen Reparaturmechanismen an: Wie Robert Costa, Biochemiker der Universität von Illinois in Chicago in einer Studie an Mäusen herausfand, aktiviert das Hormon ein für die Heilung und Regeneration von Geweben entscheidendes Gen – solange es in ausreichender Menge vorhanden ist: „Die Konzentration des Wachstumshormons nimmt mit steigendem Alter ab, als Folge hört das Foxm1b-Gen komplett auf zu arbeiten und die Reparaturfähigkeit unseres Körpers wird schwächer“, erklärt Costa.

Auf den Menschen übertragen bedeutet das: Wer älter wird, wird nicht nur schwächer, seine Gewebe und Zellen heilen auch langsamer. Was tun? Die Antwort scheint klar: Wachstumshormon künstlich zugeben. Zumindest bei älteren Mäusen hat sich dies bereits als Jungbrunnen erwiesen: Die Regenerationsfähigkeit ihrer Gewebe verbesserte sich auf das Niveau einer Jungmaus.

Die Kehrseite der Medaille
Doch der scheinbare Jungbrunnen hat eine dunkle Seite: Es gibt erste Hinweise darauf, dass das Hormon zwar die Lebensqualität erhöht, dafür aber die Zeit verkürzt, in der diese Qualität dann noch genossen werden kann. Forscher an der Universität von Ohio haben bei Mäusen den Rezeptor für das Wachstumshormon durch eine genetische Manipulation blockiert. Als Folge lebten die Tiere im Durchschnitt fast ein Jahr länger als normale Mäuse. Ein „Zuwenig“ kann offenbar auch positive Auswirkungen haben, so der Schluss der Forscher.

Andere Studien zeigen mehr und mehr die Schattenseiten des „Wunderhormons“: Zu den häufiger beobachteten Nebenwirkungen gehören Schwellungen von Armen und Beinen, abnormales Knochenwachstum, das Karpaltunnelsyndrom und Diabetes. Auch ein erhöhtes Krebsrisiko wird vermutet. Da alle bisherigen Untersuchungen nur über einen kurzen Zeitraum verliefen, sind mögliche Langzeitfolgen kaum bekannt. Für John Kopchick, Professor für Molekular- und Zellbiologie an der Universität von Ohio ist das Fazit klar: „Das Wachstumshormon muss auf einem mittleren Niveau gehalten werden. Nicht genug ist nicht gut, aber zuviel ist definitiv auch nicht gut.“ Wie viel allerdings zuviel oder zuwenig ist, weiß zurzeit noch niemand so genau.

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