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Freitag, 10.02.2012
Fressen und Gefressen werden
Die Milchstraße und ihre chaotische Vergangenheit

Galaxien-Kollision: NGC 4676 
Galaxien-Kollision: NGC 4676
© Star Observer
Unsere Heimatgalaxis ist eine riesige Spirale, die von einem Ende bis zum anderen etwa 100.000 Lichtjahre überspannt. Unsere Sonne umkreist das Zentrum dieser Spirale in einem dünn besiedelten Randgebiet eines der äußeren Arme, 26.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt.

Alle Sterne der Milchstraße sind über die Gravitation an das kompakte galaktische Zentrum gebunden und kreisen um dieses. Die meisten sind in einem gleichmäßigen Orbit um den Kernbereich gefangen. Sobald sie aber anderen Objekten begegnen, können sie aber ihren Kurs ändern; sie können beschleunigen oder langsamer werden Alte Sterne scheinen sich generell schneller zu bewegen als junge Sterne.

Irgendetwas hat ihre Bewegungen stärker gestört, als wir bislang wussten. Was aber hat diese Störungen verursacht? Was war es, das jedem Stern eine unterschiedliche Bahn und Geschwindigkeit gegeben hat? Nun, da gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Gravitationsstörungen hervorzurufen, die schließlich Sterne aus ihrer gewohnten Bahn warfen.

Da sind zunächst

  • die Spiralarme der Milchstraße selbst, denn sie sind dichter als die relative Leere zwischen den Armen;

  • Kleingalaxien, die durch die Milchstraße fallen und von ihr aufgesogen werden;

  • gigantische extragalaktische Gaswolken, die durch die Galaxis ziehen, und schließlich
  • Schwarze Löcher
Herauszufinden, woher ein Stern kam, ist keine leichte Aufgabe, aber die neuen Daten geben erste Hinweise. Ein Stern, der gefährlich nahe an einem Schwarzen Loch vorbeizieht, wird beispielsweise eine erheblich höhere Geschwindigkeit haben als ein anderer Stern, der gemütlich um eine dünne Gaswolke herummäandert.

Dramatische Veränderungen
Astronomen wissen seit langem, dass sich die Milchstraße während der bisherigen Lebenszeit des Universums, also über einen Zeitraum von etwa 13,7 Milliarden Jahren, dramatisch entwickelt hat. Neuere Modelle zeigen, dass die Galaxien ihre Hauptmassen über Milliarden von Jahren aufbauen, indem sie mit anderen Galaxien verschmelzen und Kleingalaxien „auffressen“. Gerade in den letzten Jahren wurden ganze Ketten von Sternen beobachtet, die sich mit auffallender Geschwindigkeit in ungewöhnlichen Winkeln bewegen. All das sind Hinweise für eine chaotische Vergangenheit.

Die Geburtsstätte der Sonne hat einst auch ausgesehen wie der Gasnebel NGC 604 
Die Geburtsstätte der Sonne hat einst auch ausgesehen wie der Gasnebel NGC 604
© Star Observer
Einst war die Milchstraße von einer großen Anzahl von Kugelsternhaufen umgeben. Es müssen Tausende gewesen sein, von denen heute nur noch etwa 200 existieren. Diese Kugelsternhaufen wurden schon vor langer Zeit zerstört. Sie stürzten ineinander oder wurden einfach von der Milchstraße aufgesogen. Die überlebenden Sterne aus dieser Zeit sind weitaus älter als jedes Fossil auf der Erde. Sie sind viel älter als unsere Sonne, und ihr Ursprung reicht zurück bis an die Anfangstage des Universums selbst.

In diesen permanenten Entwicklungsprozess der Milchstraße hinein wurde vor 4,6 Milliarden Jahren auch unsere Sonne geboren. Sie entstand wahrscheinlich wie die meisten Sterne in einer dichten Gaswolke inmitten eines dichten Sternhaufens. Erst später dürfte sie durch eine unbekannte Gravitationseinwirkung in ihre gegenwärtige, weniger dichte und relativ sternenarme Umgebung gestoßen worden sein. Seit ihrer Entstehung hat die Sonne das galaktische Zentrum 20-mal umrundet. All ihre Schwestern und Brüder, mit denen zusammen sie einst geboren wurde, sind inzwischen längst in alle Himmelsrichtungen verstreut.

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